SZ + Sachsen
Merken

Der Schrecken lässt allmählich nach

Die Corona-Pandemie ist nicht vorbei. Aber sie ist nicht mehr das beherrschende Thema.

Von Karin Schlottmann
 1 Min.
Teilen
Folgen
© Sven Ellger/SZ

Allmählich steigen die Corona-Fallzahlen in Sachsen wieder an. Nach einem relativ sorgenfreien Sommer geht die Kurve seit einigen Wochen nach oben und das schneller als in anderen Bundesländern. Auch die Krankenhäuser melden wieder etwas höhere Patientenzahlen.

Die Daten zeigen aber auch, dass es vor allem die Ungeimpften sind, die sich anstecken. Der Impfstoff gibt nicht, wie die meisten von uns sicher gehofft hatten, hundertprozentigen Schutz. Aber er verringert das Risiko einer ernsthaften Erkrankung deutlich.

Insofern ist es richtig, dass die neue Corona-Schutzverordnung auch größere Veranstaltungen wieder ermöglicht und die Maskenpflicht ab November im Unterricht gestrichen wird. Sollte sich die Lage verschärfen, sorgt die Vorwarnstufe dafür, dass Weihnachtsmärkte und Schulen sich wieder umstellen müssen.

Die Pandemie ist nicht vorbei

Die Pandemie ist nicht vorbei und doch ist sie zu Recht nicht mehr das alles beherrschende Thema. Auch wenn die Impfquote in Sachsen nach wie vor enttäuschend niedrig ist, lässt der Schrecken allmählich nach. Man könnte es auch so formulieren: Wer nicht persönlich betroffen ist, will von dem Thema nichts mehr hören.

Selbst die Ankündigung des Bundesgesundheitsministers, die Corona-Notlage auslaufen zu lassen, hat keine bundesweite Empörungswelle ausgelöst. Jens Spahns Vorstoß mag damit zu tun haben, dass er bald nicht mehr im Amt ist. Die Verantwortung haben andere zu tragen. Doch auch Ärzte- und Klinikvertreter begrüßen es, den Corona-Ausnahmezustand nicht zu verlängern, eine Bedrohung wie im vorigen Winter sehen sie nicht.

Viel wichtiger als dieses Signal an die Bevölkerung ist es jedoch, in den nächsten Wochen noch so viele Impfdosen zu verteilen wie möglich. Den Verweigerern ist nicht zu helfen, aber für alle anderen sollte es weiterhin möglichst viele niedrigschwellige Angebote geben. Dies ist vor allem, aber nicht nur, die Aufgabe der Ärzte. Es wäre gut, wenn Vereine, Künstler, Gewerkschaften, Unternehmen und viele andere Institutionen ihr Engagement noch einmal verstärken würden. Die Impfkampagne braucht dringen einen kräftigen neuen Schub.