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Corona: Liberec fährt runter

Fast täglich neue Rekordzahlen. Allein am Theater sind 90 von 200 Mitarbeitern infiziert. Nun schließen Schulen, Museen, Zoos und andere Einrichtungen.

In Tschechien gilt Maskenpflicht.
In Tschechien gilt Maskenpflicht. © Rafael Sampedro

Die Einschränkungen hinnehmen und auf Besserung hoffen: Das ist das einzige, was den Tschechen in diesen Tagen übrig bleibt. Die Region Liberec (Reichenberg) steht wegen der rasch steigenden Corona-Fälle mindestens für zwei Wochen vor vielen Beschränkungen. "Wir gehören zu den Spitzenreitern in Europa, was den Zuwachs der Kranken auf 100.000 Einwohner betrifft", berichtet der Bezirkshauptmann Matin Půta. Auch er hatte in den letzten Tagen Kontakt mit einem positiven Fall und ließ sich testen. Das Ergebnis fiel zwar negativ aus, aber vorsichtshalber muss er die Kontakte mit der Öffentlichkeit begrenzen, nun ständig einen Mund-Nasen-Schutz tragen und zweimal pro Tag die Temperatur messen. Die Pressekonferenz nach der Sitzung des Krisenstabes am Freitag lief bereits per Livestream.

Laut Půta stieg während der vergangenen Woche die Anzahl der Neuinfizierten um 127 Prozent, auch die der Personen mit schweren Verlauf liegt um drei Viertel höher als eine Woche zuvor. "Die Lage ist nicht einfach, sondern ernst", sagt er. Allein am Donnerstag gab's 5.335 positiv Getestete in Tschechien. Jede neuere Rekordzahl hält nur 24 Stunden an. In den vergangenen 14 Tagen infizierten sich landesweit 374,6 Personen auf 100.000 Einwohner - Rekord in Europa. In Spanien waren es 303,3 und in den Niederlanden 285,4.

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Maßnahmen für 14 Tage beschlossen

Schon am Donnerstag mussten Gaststätten um 20 Uhr schließen, ab diesem Freitag sind Galerien, Museen und Gedenkstätten, Sportzentren und Zoos zu. Ab Montag werden alle kulturelle Veranstaltungen untersagt. Geschlossen bleiben alle Mittel- und Hochschulen, Krankenhäuser und Seniorenheime ermöglichen keine Besuche. Auch Behörden schränken ihre Öffnungszeiten ein. Die Maßnahmen sollen für 14 Tage gelten.

Die Hygieniker machen sich Sorgen, ob das Personal in den Gesundheitseinrichtungen ausreichen wird. Der Grund: Auch unter den Krankenschwestern gibt's viele positiv Getestete. Das Krankenhaus in Jablonec nad Nisou (Gablonz) machte in der Orthopädie-Abteilung Plätze frei für Corona-Patienten, geplante Operationen werden verschoben, um die Betten für sie freizuhalten. Zurzeit sind in der Region 57 Personen im Krankenhaus, 17 auf der Intensivstation.

Massiv verbreitet hat sich das Coronavirus im F.X. Šalda Theater in Liberec. Von 200 getesteten Künstlern tragen es mehr 90 in sich, vor allem aus dem Oper-Ensemble und Orchester. "Drei Tage Fieber, mächtiges Schwitzen, keinen Geruchssinn und Appetit und sechs Kilo verloren", kommentiert eine Sängerin ihren leichteren Verlauf der Erkrankung. Angesteckt haben sich im Theater auch drei Zuschauer mit Plätzen aus der ersten Reihe. "In zwei Fällen handelt es sich um Senioren, die sonst nirgend wohin gehen", berichtet der Bezirkshygieniker Vladimír Valenta. Im Theater können wegen der Quarantäne die Proben für zwei geplante Premieren nicht stattfinden. Die Liberecer Uni meldete 60 Corona-Fälle.

Aktuell gibt's in der Region 1.649 Neuinfizierte, täglich kommen rund 200 neue Fälle dazu. Zehn Prozent der neuen Fälle sind Leute über 65 Jahre, elf Menschen sind seit Ausbruch der Pandemie in der Region gestorben.

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