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Reiseeinschränkungen? "Eine Katastrophe für uns"

Dresden ist stark vom Inlandstourismus abhängig. Welche Folgen haben die neuen innerdeutschen Corona-Regelungen für die Stadt?

Weniger Touristen fürs Dresdner Zentrum? Die Hoteliers der Landeshauptstadt fürchten eine Stornierungswelle wegen der neuen innerdeutschen Reiseregelungen.
Weniger Touristen fürs Dresdner Zentrum? Die Hoteliers der Landeshauptstadt fürchten eine Stornierungswelle wegen der neuen innerdeutschen Reiseregelungen. © euroluftbild.de/Alfons Rath

Dresden. Die von Corona gebeutelte Dresdner Hotelbranche sieht mit Sorge einem Beherbergungsverbot für Reisende aus innerdeutschen Risikogebieten entgegen. Sie sollen nicht mehr ohne Weiteres in der Stadt Urlaub machen dürfen. Die ersten Stornierungen sind bereits eingegangen. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

Wer soll wo nicht mehr übernachten dürfen?

Die meisten Bundesländer haben am Mittwoch ein sogenanntes Beherbergungsverbot beschlossen, darunter auch Sachsen. Das heißt, dass Touristen aus Gebieten mit sehr hohen Infektionszahlen nur dann in sächsische Hotels und Pensionen einchecken dürfen, wenn sie einen negativen Corona-Test vorweisen können. Dieser darf bei der Anreise nicht älter als 48 Stunden sein.

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Wen dürften die Dresdner Hotels aktuell nicht aufnehmen?

Betroffen sind Touristen, in deren Heimatstadt oder Heimatkreis in den letzten sieben Tagen mehr als 50 Neu-Infektionen pro 100.000 Einwohner gezählt worden. Nach Stand vom Donnerstag müssten zum Beispiel Reisende aus Bremen, den Berliner Bezirken Mitte, Kreuzberg und Neukölln, dem baden-württembergischen Kreis Esslingen sowie aus den nordrhein-westfälischen Städten Hamm, Hagen, Remscheid ein Attest vorlegen. 

Wie sehr würde das Dresden treffen?

Dresden ist vom Inlandstourismus stark abhängig. In Nicht-Corona-Zeiten kommen etwa 80 Prozent der Touristen aus Deutschland. In diesem Juli waren es aufgrund der weltweiten Warnungen vor Auslandsreisen - auch nach Deutschland - sogar 86 Prozent. Einer aktuellen Befragung zufolge buchten zwischen Juni uns September vor allem Touristen aus Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Thüringen in den Dresdner Hotels. Berlin lag im Mittelfeld. An letzter Stelle stand Bremen, wie aus Daten der Dresden Marketinggesellschaft hervorgeht.

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Als höchstproblematisch stellt sich die Situation aktuell noch nicht dar, da vergleichsweise wenige Städte und Kreise die 50er-Marke überschritten haben. Allerdings ist davon auszugehen, dass in den nächsten Tagen und Wochen weitere dazukommen und nicht jeder Tourist gewillt sein wird, sich testen zu lassen. Ein Corona-Test kostet rund 150 Euro. Das sind Zusatzkosten, die wahrscheinlich nicht jeder auf sich nehmen möchte und stattdessen seinen Urlaub stornieren wird.

Wie reagieren die Hoteliers auf die Nachricht?

Thomas Gaier, Chef der Dresdner Hotel-Allianz und von Schloss Eckberg ist entsetzt. "Wir haben als Branche ohnehin immer noch Umsatzeinbrüche von bis zu 50 Prozent, dieses Verbot wird die Lage noch verschärfen." Allein seit Donnerstagabend habe er in seinem Hotel Dutzende Absagen für Übernachtungen, Veranstaltungen und Essensbesuche erhalten.  Er und seine Rezeptionisten müssten nun Ausweise der Reisenden kontrollieren und sich täglich ein neues Bild über die Lage machen. "Alles Dinge, für die wir weder Zeit noch das Recht haben", sagt er. Wie solle jeder seiner Angestellten wissen, wo beispielsweise jede Straße in Berlin liegt, um dann zu entscheiden, ob das ein Risikogebiet ist oder nicht?

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Seine große Angst: das Weihnachtsgeschäft. Normalerweise ist der Striezelmarkt für Dresden das, was das Oktoberfest für München ist - eines der umsatzstärkten Zugpferde. "Wir könne dieses Jahr schon keine Weihnachtsfeiern ausrichten, 

Ähnlich sorgenvoll blickt Dehoga-Chef Axel Klein auf das Verbot. "Wir müssen das an die Gäste klar kommunizieren: Ihr könnt ja reisen, aber ihr braucht einen negativen Corona-Test." Wenn jetzt alle sofort stornieren würden, sei das ein harter Schlag für die Branche.

Was heißt das im Umkehrschluss für Dresdner, die in Deutschland Urlaub machen wollen?

Derzeit besteht keine Gefahr, dass Dresdner ohne Testergebnis aus deutschen Städten ausgeschlossen werden. Am Donnerstag lag der Sieben-Tage-Wert in der sächsischen Landeshauptstadt bei 19,2. Allerding steigen die Infektionszahlen auch hier sehr schnell an. Am Donnerstag meldete das Gesundheitsamt 27 neue Infektionen sowie zwei weitere Covid-19-Patienten, die eine stationäre Versorgung benötigen. Insgesamt liegen aktuell elf Dresdner wegen einer Corona-Infektion im Krankenhaus. Das Gesundheitsamt sprach Anfang der Woche von Einzelfällen. Große Ausbrüche seien bislang nicht beobachtet worden. Mit Stand vom Donnerstag sind neun Schulen betroffen, das heißt, dass sich in deren Schüler- oder Lehrerschaft jemand angesteckt hat. Auch hier sind das nur Einzelfälle, die jedoch große Auswirkungen haben. So ist die komplette elfte Klassenstufe des Pestalozzi-Gymnasiums in Pieschen in Quarantäne geschickt worden.

Fall die 50er-Marke in Dresden überschritten werden sollte, müssen sich auch Urlauber aus Dresden den neuen Regeln unterordnen. Dabei ist zu beachten, dass ein negativer Test unter Umständen nicht reicht für einen unbeschwerten Urlaub. Manche Bundesländer fordern nach der Einreise aus einem inländischen Risikogebiet eine Quarantänezeit.

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