merken
PLUS Leben und Stil

Die Deutschen wollen endlich wieder verreisen

In der Corona-Pandemie sehen nur wenige Anbieter einen Neustart zu Ostern. Sachsen will mit Kultur punkten.

Traurige Anblicke am Strand. Selbst bei schönstem Wetter, wie hier in Kuba, fehlen die Touristen.
Traurige Anblicke am Strand. Selbst bei schönstem Wetter, wie hier in Kuba, fehlen die Touristen. © AP

Die deutschen Reiseveranstalter und Reisebüros stellen sich nach dem historischen Einbruch im Corona-Jahr 2020 weiter auf harte Zeiten ein: „Es wäre schon als Erfolg zu werten, wenn wir 50 Prozent des Umsatzvolumens von 2019 erreichen würden“, sagte Norbert Fiebig, Präsident des Reiseverbandes DRV, am Mittwoch.

Zwar mehren sich die Anzeichen für ein Anziehen der Buchungen für die wichtige Sommersaison. „Mit der Aussicht auf Impfungen und mehr Möglichkeiten für Tests steigt auch die Zuversicht, bald wieder verreisen zu können“, berichtete Fiebig. Insgesamt verharrten die Neubuchungen in den vergangenen Wochen aber auf einem Niveau von etwa gerade einmal 20 Prozent des Vorjahresvolumens.

Anzeige
Der Eyecatcher beim Roadtrip
Der Eyecatcher beim Roadtrip

Ein Gefühl von Freiheit schnuppern, den Alltagsstress vergessen und viel PS genießen - ein Trike bietet den perfekten Fahrspaß für Individualisten.

Die meisten Kunden buchen dem DRV zufolge derzeit Reisen für den Sommer oder später im Jahr, zum Teil sogar erst fürs nächste Jahr. Weit oben auf der Beliebtheitsskala stehen bei Flugpauschalreisen Ziele am Mittelmeer – von den Balearen bis zur Türkei. Besonders gefragt ist bislang Griechenland. Auf die bis Ende April laufende Wintersaison – und damit auch die Osterferien – entfallen nur 13 Prozent aller Neubuchungen, die bis Mitte Februar eingingen. Fehlende Öffnungsstrategien der Politik und große Unsicherheit über Reisemöglichkeiten in den Osterferien ließen viele Kunden zögern. „Nicht nur die gesamte Branche, sondern auch die Menschen brauchen klare und gut planbare Perspektiven“, forderte Fiebig auch mit Blick auf die Corona-Beratungen von Bund und Ländern.

Tests statt Quarantäne

Mit einem Anlaufen des Geschäfts zu Pfingsten beziehungsweise zum Sommer rechnet jeweils etwa ein Drittel der Unternehmen, wie aus einer DRV-Umfrage unter rund 600 Mitgliedsfirmen hervorgeht. Einen Neustart zu Ostern sehen nur wenige der Unternehmen. Zehn Prozent der befragten Reisebüros und knapp neun Prozent der Reiseveranstalter sehen in diesem Jahr überhaupt keine Chance auf ein Anlaufen des Geschäfts.

Auf die Urlauber kommen durch die zu erwartenden Kosten auch höhere Reisepreise zu. Impfungen werden wohl zum Schlüssel für einen Neustart des Reisegeschäfts. Der DRV schließt nicht aus, dass einzelne Veranstalter ab dem Herbst eine Impfung für die Reisebuchung voraussetzen.

Der Verband fordert systematische Corona-Tests statt Quarantäne nach der Rückkehr Reisender aus dem Ausland. „Das Argument nicht ausreichender Test-Kapazitäten gilt inzwischen nicht mehr“, sagte Fiebig. Noch wichtiger sei mehr Tempo beim Impfen. „Es kann nicht sein, dass wir im internationalen Vergleich dabei so hinterherhinken.“ Zudem müsse die Politik ihre nicht „enden wollenden Appelle“ unterlassen, aufs Reisen zu verzichten. Es sei erwiesen, dass von organisierten Reisen kein erhöhtes Risiko ausgehe.

Zunahme von Buchungen im Internet

Die Coronakrise hat die Gewichte auf dem Reisemarkt im vergangenen Jahr verschoben. Erstmals wurden nur 39 Prozent der Privat- und Urlaubsreisen über Veranstalter gebucht; bislang lag der Anteil bei über 50 Prozent. Urlauber setzten vor allem auf Ziele zwischen Usedom und Garmisch-Partenkirchen oder in angrenzenden Ländern wie Österreich, die sie mit dem eigenen Auto oder der Bahn erreichen können. Diese Trips organisieren sich Reisende meist selbst.

Auch die internationale Reisemesse ITB ist zum wiederholten Male Opfer der Corona-Pandemie. In diesem Jahr findet sie nur online statt und richtet sich ausschließlich an Fachpublikum. Sachsen wird sich dort ab 9. März als „Offizielle Kultur-Destination der ITB Berlin“ präsentieren – ein Titel, der erstmals vergeben wurde. Damit verbinde man die Hoffnung, nach dem Lockdown den Tourismus schnell wieder anzukurbeln und Sachsen verstärkt in Deutschland und in der Welt als attraktives Reiseziel zu positionieren, sagte Tourismusministerin Barbara Klepsch (CDU) am Mittwoch.

Weiterführende Artikel

Tui plant Mallorca-Start zu Ostern

Tui plant Mallorca-Start zu Ostern

Die Balearen-Insel weist niedrigere Corona-Zahlen als viele deutsche Gebiete auf. Nun will die Tui Reisenden dort Osterurlaub anbieten.

Tourismus in Sachsen bricht dramatisch ein

Tourismus in Sachsen bricht dramatisch ein

Corona bringt Sachsens Tourismus in erhebliche Schwierigkeiten. Das Verbot touristischer Reisen wirft die Branche auf das Niveau von vor 20 Jahren zurück.

Corona: Wo Geimpfte einreisen dürfen

Corona: Wo Geimpfte einreisen dürfen

Keine Quarantäne mehr für Menschen, die geimpft sind oder eine Corona-Infektion überstanden haben: In Madeira, Estland oder Georgien ist das möglich.

Wohin geht die Reise für den Tourismus?

Wohin geht die Reise für den Tourismus?

Die Sächsische Schweiz erwartet 2021 erneut viele Urlaubsgäste. Das stellt Gastwirte und Verkehrsplaner vor besondere Herausforderungen.

Deutlich zugenommen haben laut Marketinggesellschaft Buchungen im Internet – auch dank der Kooperation mit einem Online-Vertriebsdienstleister. Unterkünfte können damit auch auf großen Plattformen wie Booking.com gebucht werden. Als erste Region profitiert das Erzgebirge von diesem Angebot. (dpa, rnw/sk)

Mehr zum Thema Leben und Stil