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Urlaub in der Corona-Pandemie: Endlich weg!

Trotz Sehnsucht nach Reisen zögern viele noch. Aber es gibt Hoffnung. Die großen Veranstalter locken mit Angeboten auch schon für Ostern. Ein Stimmungsbild.

Fast jeder zweite Deutsche ist fest entschlossen, so bald wie möglich die Koffer zu packen.
Fast jeder zweite Deutsche ist fest entschlossen, so bald wie möglich die Koffer zu packen. © 123rf

Einfach mal raus. Sonne tanken, Menschen treffen, neue Dinge entdecken. Wie schön wär’ das denn? Das dachte sich auch Kevin Walther. Geschlagene sieben Monate war der 26-Jährige nicht mehr verreist. Nun wollte er nicht mehr länger warten. Er buchte eine Woche Mallorca. Und er hat es nicht bereut: „22 Grad, alles sehr entspannt – und sicher“, berichtet er nach seiner Rückkehr am Montag.

Einfach mal raus: So denken die meisten Deutschen, wie aus einer aktuellen Umfrage der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen hervorgeht. Fast jeder Zweite ist auch fest entschlossen, so bald wie möglich die Koffer zu packen. Daneben gibt es aber immerhin eine große Gruppe von 38 Prozent, die noch unsicher ist. Können wir überhaupt verreisen? Und wenn ja, ab wann? Und wohin? Und mit welchen Einschränkungen?

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Kevin Walther hat sich davon nicht abschrecken lassen. „Klar, ich wurde schief angeguckt, als ich von meinem Plan erzählte“, sagt der Dresdner. Immerhin galt Mallorca bis Donnerstag aus deutscher Sicht noch als Risikogebiet – obwohl die Inzidenzraten niedriger als in Deutschland waren. Und appelliert die Bundeskanzlerin nicht bei jeder Gelegenheit, touristische Reisen zu unterlassen?

Was dabei gern unterschlagen wird: Ein Appell ist kein Verbot. Und eine Reisewarnung bedeutet nicht, dass man nicht verreisen darf. Es ist nur halt etwas umständlicher. „Ich musste zwei Tage vor Abreise einen PCR-Test beim Hausarzt machen und im Internet eine Einreiseerklärung für Spanien ausfüllen“, sagt Kevin Walther. Für den Test zahlte er 69 Euro.

Dass die Appelle und Warnungen bei der Mehrheit der Bundesbürger wirken, lässt sich ganz gut an den Buchungszahlen ablesen. Bis Mitte Februar hatten im Vergleich zum Vorjahr gerade mal etwa 20 Prozent der Kunden eine Reise gebucht, informierte der Deutsche Reiseverband. Inzwischen steige zwar das Interesse. Die meisten Deutschen planen dabei aber für den Sommer oder Herbst – und zum Teil sogar erst fürs nächste Jahr. Der Reiseveranstalter FTI registriert für den Winter 2021/22 sogar mehr Vorausbuchungen als im Februar 2020, also noch vor Corona. „Die Urlaubslust der Deutschen ist klar spürbar“, sagt Managing Director Ralph Schiller.

Ralf Wiemann hatte seinen Urlaub bereits lange vor dem zweiten Lockdown gebucht. Im Februar sollte es mit Frau und Tochter nach Tansania gehen. Dann kam die Absage. Damit wollte sich Wiemann, der in Krefeld den Reiseveranstalter erlebe-fernreisen leitet, nicht abfinden: „Wir waren alle urlaubsreif, wir brauchten das für Körper und Seele.“

Ralf Wiemann hat die Sonne auf Fuerteventura genossen: „Es ist nicht entscheidend, wo man sich aufhält, sondern wie man sich verhält.“
Ralf Wiemann hat die Sonne auf Fuerteventura genossen: „Es ist nicht entscheidend, wo man sich aufhält, sondern wie man sich verhält.“ © privat

Statt nach Afrika ging es auf die Kanaren. Die Kosten für den PCR-Test – 99 Euro – konnten ihn nicht abschrecken. „Dafür hat der Flug nur 200 Euro gekostet, hin und zurück, das wäre in normalen Zeiten undenkbar.“ Das Flugzeug sei nur zur Hälfte gefüllt gewesen, alle trugen FFP2-Masken. Auf Fuerteventura musste die Familie noch eine App zur Kontaktnachverfolgung vorweisen. Dann stand dem Urlaub nichts mehr im Wege. „Wir haben nur wenige Menschen getroffen, sind viel gewandert und haben uns wunderbar erholt“, erzählt der 55-Jährige. Sein nachhaltigster Eindruck: „Die Insel war sehr, sehr leer.“

Ähnliche Eindrücke sammelte Kevin Walther auf Mallorca. „Ich war schon ein paar Mal hier, aber so leer gefegt habe ich die Insel noch nie erlebt.“ Für die Gäste sei das sehr entspannend, aus Sicht der Einheimischen aber auch extrem traurig.

Das dürfte sich schon bald ändern. Anfang der Woche kündigte die Tui an, wegen der niedrigen Inzidenzwerte Osterferien auf Mallorca zu ermöglichen. Bereits am Donnerstag kamen die entsprechenden Angebote auf den Markt – zu Kampfpreisen ab 349 Euro. Die Kampagne trägt den treffenden Titel „Willkommen zurück“ und darf als Testballon angesehen werden. Der Branchenprimus setzte die Politik damit so unter Druck, dass die Reisewarnung für die Balearen gestern aufgehoben wurde.

Deutschland war im Pandemie-Reisejahr der Gewinner

Spanien, mit seinen Badestränden auf dem Festland, den Balearen und Kanaren, werde auch im Sommer 2021 beliebtestes Reiseland bleiben, heißt es bei der Tui. Auch bei der Nummer zwei, DER Touristik, gehört etwa Mallorca weiterhin zu den Top-Zielen. In einer Umfrage der Sächsischen Zeitung, unter den fünf größten deutschen Reiseveranstaltern, werden darüber hinaus immer wieder die griechischen Inseln Kreta, Kos und Rhodos sowie die Türkische Riviera als Favoriten genannt. Tui-Deutschland-Chef Marek Andryszak glaubt, dass es „in den Ferien im Juli und August durchaus wahrscheinlich ist, dass die Jets auf vielen Strecken im Mittelmeerraum und auf die Kanaren schnell ausgebucht sein werden.“

Fernziele spielen bei den Urlaubsplanungen dagegen eine eher untergeordnete Rolle. Hier zieht es die Deutschen vor allem auf die Malediven, in die Dominikanische Republik und nach Kuba. Die abgeschotteten maledivischen Resorts im Indischen Ozean waren bereits im vergangenen Jahr ein beliebter Zufluchtsort. Entsprechend deutlich kletterten dort die Hotelpreise um 16 Prozent.

Größter Gewinner des Pandemie-Reisejahres 2020 war aber Deutschland. Klar, auch hierzulande sanken wegen des zweimaligen Lockdowns die Gästezahlen und Umsätze. Alle Bundesländer machten Verluste, mal mehr, mal weniger. Weil aber viele Deutsche ihre ursprünglichen Reisepläne begraben mussten, verbrachten sie ihren Urlaub eben im eigenen Land – unterm Strich ein Plus von 4,1 Millionen. Das dicke Minus resultiert aus den ausbleibenden ausländischen Besuchern.

Menschen sitzen im 'Parc de la mar' in Palma. Mallorca gilt ab 14. März 2021 nicht mehr als Corona-Risikogebiet.
Menschen sitzen im 'Parc de la mar' in Palma. Mallorca gilt ab 14. März 2021 nicht mehr als Corona-Risikogebiet. © Clara Margais/dpa

„Wir wollten im Frühjahr nach Ägypten und waren natürlich erst mal frustriert“, sagt Cornelia Weiß aus Chemnitz. Dann bekam sie den Tipp für ein Wellness-Hotel im Allgäu. „Und dort schwärmte jemand vom Fränkischen Seenland.“ So habe sie Ecken in Deutschland kennengelernt, die sie ohne Corona „definitiv nie im Leben“ gesehen hätte. Eine Erfahrung, die sie mit Millionen anderen Deutschen teilt.

Ob der Trend in Zukunft anhält, muss sich noch zeigen. Einer Umfrage im Auftrag des ADAC zufolge, verbrachten 56 Prozent der Deutschen ihren Haupturlaub 2020 im eigenen Land. In diesem Jahr wollen knapp zwei Drittel ihre wichtigsten Ferien zwischen Kap Arkona und Zugspitze verbringen. Und in drei bis fünf Jahren könnten es sogar bis zu 80 Prozent sein. Professor Martin Lohmann will allerdings nicht so recht daran glauben. „Der Nahtourismus ist nicht von Dauer“, prophezeite der renommierte Tourismusforscher auf der Internationalen Tourismusmesse ITB. Die Menschen würden alsbald zu alten Reisemustern zurückkehren, wenn sich die Lage wieder entspannt hat. Bleibt die Frage: Wann hat sich die Lage wieder entspannt? Die Antwort ist recht einfach: Sobald genügend Menschen geimpft sind und die Ausbreitung des Coronavirus eingedämmt ist. Aber nicht alle Staaten wollen darauf warten. Immer mehr Urlaubsziele lockern ihre Test- und Quarantänevorschriften für Besucher, die bereits geimpft sind oder eine Coronainfektion überstanden haben – darunter Madeira, Polen und Island.

Digitaler Impfpass könnte vieles vereinfachen

Umso größer sind die Hoffnungen auf einen digitalen Impfpass. Er würde viele Dinge vereinfachen, darin sind sich alle einig. Manchen Fachleuten kommt die Diskussion allerdings zu früh. „Noch ist der Anteil an Geimpften in der Bevölkerung viel zu gering“, sagt FTI-Manager Ralph Schiller. Auch die technische Umsetzung kann noch Monate dauern, und welche Rechte das Dokument dann bringt, ist ebenfalls offen. Ja, selbst der Impfpass als solcher ist wieder ungewiss, nachdem die Weltgesundheitsorganisation den Plänen der EU eine Absage erteilte. Gut möglich, dass jedes Land wieder seinen eigenen Weg geht. Österreich plant schon einen „Grünen Pass“ für Geimpfte und Genesene.

„Mehr Wünsche als Pläne“, so fasst Tourismusforscher Lohmann die derzeitige Stimmungslage der Deutschen zusammen. Die Zurückhaltung hat auch mit den Enttäuschungen im vergangenen Jahr zu tun. Vier von zehn gebuchten Reisen fielen aus, die Kunden mussten oft monatelang ihrem Geld hinterherlaufen. „Corona hat die Prioritäten der Gäste verändert“, konstatiert Tui-Manager Andryszak.

Die Reiseveranstalter haben offenbar daraus gelernt und wissen nun ziemlich genau, worauf es ihren Kunden bei einer Buchung vor allen Dingen ankommt: Flexibilität und Gesundheit. Und zwar in dieser Reihenfolge. Mittlerweile bieten alle großen Reiseunternehmen flexible Tarife an. Kunden können ihre Reise damit in der Regel gegen einen Aufpreis bis 14 Tage vorm Start ohne Mehrkosten umbuchen oder stornieren. Bei der Tui nutzen zurzeit mehr als 80 Prozent der Kunden diese Option, bei DER Touristik über 70 Prozent. Die Chefs der beiden führenden deutschen Reiseunternehmen äußerten auf der ITB die Ansicht, dass solche Tarife auch nach Corona im Angebot bleiben werden.

Eine Beamtin der Bundespolizei kontrolliert am Flughafen Frankfurt ein Dokument eines Passagiers. Wer als Passagier aus einem der von Corona besonders betroffenen Staaten nach Deutschland einreist, muss einen negativen, aktuellen Corona-Test vorweisen kön
Eine Beamtin der Bundespolizei kontrolliert am Flughafen Frankfurt ein Dokument eines Passagiers. Wer als Passagier aus einem der von Corona besonders betroffenen Staaten nach Deutschland einreist, muss einen negativen, aktuellen Corona-Test vorweisen kön © Boris Roessler/dpa

So weit, so schön. Urlauber sollten aber auch hier aufs Kleingedruckte schauen und vergleichen. Denn die Option hat nicht nur verschiedene Namen, sondern auch verschiedene Konditionen. Die meisten Veranstalter verlangen für den Service inzwischen einen Aufpreis, während er etwa bei Alltours bis Ende März und bei SZ-Reisen bis Ende April gratis ist. Bei Schauinsland Reisen endet die Frist für kostenlose Stornierungen bereits 22 Tage vor Reisebeginn. Und im Falle einer fristgemäßen Stornierung bekommt man bei allen Anbietern zwar den Reisepreis wieder, aber nicht die Mehrkosten für den Flex-Tarif – von einigen Ausnahmen, wie Tui, abgesehen.

Wer bei DER Touristik – dazu gehören unter anderem die Marken Dertour, ITS und Jahn Reisen – bucht, zahlt bei einer 3.000-Euro-Reise pro Person zusätzlich 59 Euro für die Flexibilität. Dies decke wahrscheinlich nicht mal die Kosten, sagt Manager Ingo Burmester. Andererseits ist es natürlich eine willkommene Geldquelle.

Reisen teils günstiger

Generell dürften sich die Preise 2020 auf Vorjahresniveau bewegen, bei Alltours und Schauinsland sind sie nach eigener Aussage teilweise sogar günstiger. Dass viele Kunden trotzdem mehr zahlen, hat laut Tui-Sprecherin Stefanie Holweg einen anderen Grund: „Urlauber nutzen die günstigen Einstiegsangebote, um ihre Buchung dann mit Upgrades in bessere Hotels, höhere Zimmerkategorien oder mehr Verpflegungsleistungen aufzuwerten.“ Insgesamt investierten Tui-Kunden rund ein Fünftel mehr in ihre Sommerbuchung als 2019. Außerdem steige die durchschnittliche Zahl an Urlaubstagen – „weil die Gäste sehr lange auf den Urlaub warten mussten.“

Mal abgesehen von Menschen wie Kevin Walther, die eben nicht gewartet haben. Er ist gesund aus Mallorca zurückgekehrt, weil er sich – wie die meisten Einheimischen, wie er sagt – an die Hygieneregeln gehalten hat. Nach der Landung machte er einen Schnelltest auf dem Flughafen, die Quarantäne sitzt er im Homeoffice ab. Ralf Wiemann aus Krefeld blieb sogar die häusliche Isolation erspart: „In Nordrhein-Westfalen reicht der negative Schnelltest, den gibt’s am Flughafen.“

Die Serie "Urlaub 2021 - was geht?

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  • Teil 3: Urlaub mit Kindern – Wo es noch gute Angebote für Familien gibt.

  • Teil 4: Keine Angst vor der Gruppe – Was Busreisen sicherer macht.

  • Teil 5: Kreuzfahrt ins Blaue – Wie Corona eine ganze Branche verändert.

  • Teil 6: Die neue Begeisterung für Aktivurlaub: Was alles in der Natur geht – nah und fern.

  • Teil 7: Letzte Hoffnung Campingurlaub – die Preise und die Möglichkeiten.

  • Teil 8: Umbuchen, stornieren, Reiserücktritt – Telefonforum zum Reiserecht.

  • Teil 9: Unentdecktes Sachsen – Was für einen Urlaub in der Heimat spricht.

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