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Corona: „Alle Veranstaltungen abgesagt“

Gastwirte im Rödertal schließen wegen des Lockdowns ihre Restaurants. Auch für das Biertheater sind die Corona-Beschränkungen schmerzlich.

Eins der letzten frisch gezapften Biere: Im Rödertal schließen die Gastwirte ab Montag ihre Restaurants. Martin Kroitzsch vom „Pilsfass“ in Radeberg will einen Lieferservice anbieten.
Eins der letzten frisch gezapften Biere: Im Rödertal schließen die Gastwirte ab Montag ihre Restaurants. Martin Kroitzsch vom „Pilsfass“ in Radeberg will einen Lieferservice anbieten. © Christoph Soeder/dpa

Radeberg. Mit drastischen Einschränkungen will die Bundesregierung die Ausbreitung des Coronavirus stoppen. Am Montag treten weitreichende Änderungen in Kraft. Besonders hart trifft es Gastwirte und Veranstalter. Sie müssen komplett schließen. Wie sie mit der Situation umgehen. Ein Überblick aus dem Rödertal. 

Biertheater bietet neue Termine an

Der Herbst, die Vorweihnachtszeit und die Tage über den Jahreswechsel sind für das Biertheater in Radeberg die besten Wochen. Viele Firmen laden ihre Mitarbeiter in das bekannte Theater ein: zur Weihnachtsfeier, zum erfolgreichen Abschluss des Jahres. 

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Es ist bekannt, dass im Kaisersaal beste Unterhaltung zusammen mit einem leckeren Menü geboten wird. Die Nachfrage ist auch in diesem Jahr groß, für den November heißt es: Alle Veranstaltungen ausverkauft. Jetzt der große Einschnitt. Ab Montag sind alle Veranstaltungen abgesagt. „Das haben wir uns in den schlimmsten Träumen nicht vorgestellt, dass es noch einmal zu einer kompletten Schließung kommt wie im Frühjahr und Sommer“, sagt Jens Richter, Betreiber des Radeberger Biertheaters.

Alle, die schon Tickets gekauft haben, können sie nach seinen Worten in Gutscheine tauschen oder auf einen Termin im kommenden Jahr umbuchen. Die Veranstaltungen an diesem Wochenende finden alle statt. „Für Sonntag haben wir um 15 Uhr noch eine Zusatzaufführung vorgesehen. Dann ist aber erst einmal Schluss“, sagt Jens Richter. 

Er und seine Mitarbeiter sind von der Entscheidung komplett überrascht worden, wie er sagt. „Wir hatten ja schon strenge Auflagen. Die Besucherzahl hatten wir gemäß des Hygienekonzeptes reduziert. Zusätzlich hatten wir im Saal eine neue Lüftungsanlage eingebaut. Binnen einer Stunde konnte die gesamte Raumluft ausgetauscht werden, die Luftqualität war top.“ 

Richter rechnet nicht damit, dass ab Dezember alles wieder wie gewohnt läuft. „Es ja nicht klar, ob die Einschränkungen gelockert werden. Selbst wenn das geschehen sollte, werden vermutlich weniger Betriebe Weihnachtsfeiern ausrichten. Sollte es anders sein, würde mich das natürlich sehr freuen.“

Bekanntes Hotel in Radeberg ab Montag geschlossen

Für das Wochenende hofft Martin Kroitzsch, dass die Gäste noch einmal in sein „Pilsfass“ an der Hauptstraße in Radeberg kommen. „Da können sie unser Angebot hier bei uns genießen. Danach müssen wir ja leider erst einmal schließen“, sagt der Inhaber der Gaststätte. 

Allerdings wird er nicht komplett den Betrieb einstellen. „Wir werden wie schon im Frühjahr einen Lieferdienst anbieten. Jeder kann bei uns telefonisch die Mahlzeiten bestellen. Das ist zu den gewohnten Öffnungszeiten außer montags von 17 bis 22 Uhr möglich. Sonntags bieten wir zusätzlich Mittagstisch an.“ Im Frühjahr habe das gut funktioniert. „Wir hoffen natürlich, dass es jetzt genauso gut angenommen wird.“ 

Allerdings kann der Lieferdienst die Ausfälle aus dem Normalbetrieb nicht komplett ausgleichen. „Ich kann nicht alle Mitarbeiter in der gewohnten Form weiter beschäftigen. Für einige muss ich Kurzarbeit beantragen“, sagt der Inhaber. 

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Hotel Sportwelt bleibt geöffnet

Der Radeberger Brauerei-Ausschank, eine der beliebtesten Gaststätten, schließt ab Montag ebenfalls. Genauso das Hotel Kaiserhof. „Das Hotel wird vorwiegend von Touristen gebucht und Übernachtungen von ihnen sind ja ab Montag deutschlandweit nicht mehr erlaubt“, sagt Jens Richter. Montag und Dienstag werden noch einmal alle Zimmer gereinigt. „Danach muss ich einige Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Einige erledigen dann noch Arbeiten, die trotz der Schließung in dem Haus notwendig sind. Beispielsweise wird von Zeit zu Zeit das Wasser angestellt, um Legionellen vorzubeugen.“ 

Das Hotel Sportwelt bleibt weiterhin geöffnet. „Hier übernachten viele Firmenvertreter. Das ist weiterhin möglich. Allerdings müssen wir Sauna, Tennisplätze und die anderen Freizeitangebote schließen“, sagt Richter. Er hofft, dass die von der Bundesregierung angekündigte Entschädigung für kleine Betriebe auch zügig gewährt wird. „Viele Firmen haben inzwischen ihre Eigenmittel aufgebraucht.“

Veranstalter ziehen die Reißleine

Noch vor wenigen Tagen hatte Museum Schloss Klippenstein die Veranstaltungen für November bekanntgegeben. Jetzt musste Mitarbeiter Daniel Baer sie wieder absagen. „Wir können die öffentlichen Vorträge wegen der Beschränkungen nicht wie geplant stattfinden lassen“, sagt er. 

Ob auch die Ausstellungen betroffen sind, ist noch unklar. „Wir wissen noch nicht, ob auch ein Museumsbesuch untersagt wird. Konzerthäuser, Opernhäuser, Kinos und vieles mehr wurden durch die Bundesregierung benannt, Museen tauchen in der Verfügung nicht auf. Ich gehe aber davon aus, dass auch die von der Schließung betroffen sein werden. Am Freitag soll Genaueres bekannt gegeben werden.“

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