merken
PLUS Sachsen

Sachsens Schulen starten ohne Testpflicht

Am Montag kehren alle Schüler der weiterführenden Schulen in den Präsenzunterricht zurück. Das sollte mit Selbsttests abgesichert werden.

Die Klassen 5 bis 10 kehren nach drei Monaten häuslicher Lernzeit in die Schulen zurück.
Die Klassen 5 bis 10 kehren nach drei Monaten häuslicher Lernzeit in die Schulen zurück. © Matthias Rietschel

Dresden. Am Montag kehren Oberschüler, Gymnasiasten und Berufsschüler an ihre Schulen zurück. Nach drei Monaten häuslicher Lernzeit sollen sie wieder Präsenzunterricht bekommen. Doch eine Testpflicht für die Schüler und Lehrer wird es ab 15. März noch nicht geben. Dafür stehen nach Angaben des Kultusministeriums noch nicht genügend Schnelltests zur Verfügung.

„Das Zutrittsverbot für Personen ohne negativen Tests gilt erst ab dem Moment, wenn ausreichend Laienselbsttests an der jeweiligen Schule vorliegen“, sagte Sprecherin Susann Meerheim. Das Kultusministerium hat in der neuen Corona-Verordnung eine Testpflicht für Schülerinnen und Schüler ab Klasse 5 und das gesamte Personal der Schulen festgelegt.

Anzeige
Die Ernährung der Zukunft
Die Ernährung der Zukunft

In der neuen Veranstaltungsreihe von SLUB und Konrad-Adenauer-Stiftung steht am 22. April 2021 die Zukunft der Ernährung im Fokus. Diskutieren Sie mit!

Freiwillige Schnelltests

Bis ausreichend Selbsttests zur Verfügung stehen, können sich Schüler und Lehrer an der Schule freiwillig von fachlich geschultem Personal mit einem Antigen-Schnelltest testen lassen. Diese Tests sind allerdings erst für Schüler ab Klasse 7 zulässig.

Schon bei der Rückkehr der Abschlussklassen zum Präsenzunterricht im Februar konnten sich Schüler und Lehrer freiwillig testen lassen. Das Angebot nahm nur etwa ein Drittel der Jugendlichen an.

„Die Selbsttests sind bestellt“, sagte Sprecherin Susann Meerheim. Insgesamt 1,5 Millionen Stück. Ein Teil werde am Freitag geliefert und anschließend an Schulen verteilt. Weitere Lieferungen und anschließende Verteilungsaktionen sollen in der kommenden Woche folgen. 130.000 Selbsttests stellt das Ministerium unterstützende den Kommunen für Erzieher zur Verfügung. Für die Verteilung, Organisation sind die Kommunen zuständig, so Meerheim.

Damit alle Schüler an Oberschulen und Gymnasien einmal und Lehrkräfte zweimal pro Woche getestet werden können, sind etwa 300.000 Tests nötig. Dazu kommen noch Personal und Schüler an Berufsschulen.

Es könne durchaus sein, dass Selbsttests schon am Montag durchgeführt werden. „Das ist aber eher unwahrscheinlich“, so Meerheim. „Klar ist, dass die Regelung zum Zutrittsverbot damit nicht verbunden sind.“ Der erste Test sei eher als Probelauf zu verstehen. Lehrkräfte und Schüler sollen lernen, mit den Selbsttests umzugehen.

GEW: Schulen erst nach Ostern öffnen

Die Bildungsgewerkschaft GEW kritisierte das Vorgehen. „Die verpflichtenden Tests waren die Voraussetzung für die Öffnung der weiterführenden Schulen. Nun erleben wir erneut, wie einst getroffene Entscheidungen an der Realität scheitern und dann keine Konsequenzen daraus gezogen werden", sagte Sachsens Vorsitzende Uschi Kruse. Sie forderte sofortige Konsequenzen: „Schulen dürfen erst öffnen, wenn die Tests da sind und die Schulen genug Zeit zur Vorbereitung hatten." Das sei erst nach Ostern möglich.

Schüler, Eltern und Lehrkräfte bräuchten eine Perspektive und wünschten sich geregelten Unterricht in der Schule, sagte Thomas Langer, der Vorsitzende des Philologenverbandes Sachsen. Dennoch würden sich viele um ihre Gesundheit sorgen, da die Schulöffnung nicht wie angekündigt mit verpflichtenden Selbsttests abgesichert wird. „Der geplante Wechselunterricht ist vor dem Hintergrund der erneut steigenden Infektionszahlen nur mit regelmäßigen und verpflichtenden Testungen zu verantworten." Der Verband, der die Lehrerinnen und Lehrer an Gymnasien vertritt, forderte Impfangebote für alle sächsischen Lehrkräfte. Bisher können sich nur Grundschullehrer impfen lassen.

Grüne: Keine Öffnung um jeden Preis

Auch die Linkspartei warnte vor dem Schritt ohne ausreichend Testmöglichkeiten. „Dennoch wird geöffnet, trotz hoher Fallzahlen und der Gefahr, dass sich die Mutationen ausbreiten“, sagte Bildungspolitikerin Luise Neuhaus-Wartenberg. „Von einem sächsischen Weg der größeren Sicherheit kann also keine Rede sein.“

Weiterführende Artikel

Schulen in Sachsen könnten bald wieder schließen

Schulen in Sachsen könnten bald wieder schließen

Die Corona-Lage in Sachsen bleibt angespannt, acht Landkreise haben bereits Inzidenzen über 100. Welche Verschärfungen dort nun möglich sind.

So starten Dresdens Schulen am Montag

So starten Dresdens Schulen am Montag

Ab dem 15. März geht es für die Schüler ab Klasse 5 wieder los. In die Vorfreude mischen sich Sorgen und Frust. Wie der Unterricht organisiert wird.

Corona in Dresden: Impfstoff weiter knapp

Corona in Dresden: Impfstoff weiter knapp

Die Impfungen in Dresden gehen voran, aber langsam. Woran das liegt, warum es keine freien Termine gibt und wer sich jetzt außerdem impfen lassen kann.

Radeberg: Schulstart mit Fragezeichen

Radeberg: Schulstart mit Fragezeichen

Wie ist der Wissensstand nach dem Homeschooling? Wie sieht es mit Schnelltests für Schüler aus? Der Überblick vor dem Unterrichtsstart am Montag.

Die Grünen zeigten sich enttäuscht. "Die Öffnung der Schulen ohne sichere Teststrategie ist aus meiner Sicht zum jetzigen Zeitpunkt falsch", sagte Bildungspolitikerin Christin Melcher. Gerade angesichts des dynamischen Infektionsgeschehens sei eine effektive Teststrategie essentiell. "Der Infektionsschutz ist wichtiger als das Festhalten an fixen Daten. Wir sollten ehrlich mit dem kurzfristigen Engpass umgehen und keine Schulöffnung um jeden Preis durchziehen."

Mehr zum Thema Sachsen