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Nicht jede Hoffnung auf ein wenig Normalität zerstören

Reisen zu Ostern wird laut Michael Kretschmer dieses Jahr nicht möglich sein. Eine solche Prognose gefährdet das Vertrauen in die Politik. Ein Kommentar.

Osterurlaub in Deutschland kann es dieses Jahr leider nicht geben, sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer am Wochenende.
Osterurlaub in Deutschland kann es dieses Jahr leider nicht geben, sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer am Wochenende. © Christian Juppe/SZ

Ostern, ausgerechnet Ostern! Ausgerechnet der Ausblick auf die schöne, zart beginnende Frühlingszeit. Ausgerechnet dieses Ostern, die seit Wochen festgetackerte Hoffnungszeit für fast alle Corona-Geschädigten, sie wird nun fast sieben Wochen davor zur corona-bedingten Dauer-Verzichtszone erklärt.

Keine Reisen zu Ostern, hat Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer mit seinem Wochenend-Einwurf allen Deutschen die Vorfreude vermiest, dass es nach Ostern für alle spürbar wieder etwas leichter werden könnte. "Nach Ostern", so hieß es doch immer wieder in den vergangenen Wochen und Monaten, nach Ostern könnte die Gastronomie wieder öffnen, die Hotels und die Händler dürften hoffen auf ein Stückchen "altes Leben".

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Nach Ostern, so schien es gelegentlich nach so manchen Verlautbarungen, da könnte das Leben schon fast wieder deutlich in Richtung Normalität laufen. Es geht dabei auch um mehr als nur darum, mal wieder ein paar Tage verreisen zu können, ohne an 15-Kilometer-Radius, Maskenpficht in Autos oder Inzidenz-Werte zu denken. "Nach Ostern", das war so ein bisschen zum berühmten "Licht am Ende des Tunnels" geworden.

Das hat Michael Kretschmer nun ausgeknipst. Er hat eine aus seiner Sicht ehrliche Ansage gemacht. Und das wünschen sich doch eigentlich alle stets von Politikern: realistische und ehrliche Aussagen, wie es weitergehen wird. Doch was Kretschmer damit getan hat, ist ein Bruch mit seinem bisherigen Vorgehen. Bisher gab er vorsichtig-tastend einen Ausblick auf die nächsten zwei bis drei Wochen, machte aber immer wieder wohl-dosiert auch Hoffnung für weitere Lockerungs-Schritte, wenn die Infektionszahlen weiter sinken.

Doch jetzt macht Kretschmer mit nur einem Satz nahezu alle Hoffnungen auf allzu schnelle und umfassende Lockerungs-Aussichten einfach "platt". Er stößt damit leider auch viele vor den Kopf, die ihm bisher auch unter "Schmerzen" bei allen Einschnitten gefolgt sind. Es ist nicht zuletzt auch ein Schlag ins Gesicht für Unternehmer und Unternehmen, die vorsichtig darauf gesetzt haben, dass es auch für sie spätestens nach Ostern wieder aufwärts gehen könnte - vielleicht nicht gleich so wie früher, aber zumindest ein Anfang sollte es sein. Dabei war es schon schwer verständlich für viele Gutmeinende und Geduldige, als vor einigen Tagen die Ziel-Inzidenz von 50 mal eben auf 35 herabgesetzt worden ist. Auch da fehlte es an notwendiger Erklärung.

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