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Kretschmer denkt nicht an Abriegelung von Hotspots

Trotz steigender Infektionszahlen sollen in Sachsen keine Orte mit besonders vielen Fällen abgeschottet werden, sagt der Ministerpräsident.

Als Beispiel für die Abriegelung einer Kommune gilt die Stadt Jessen in Sachsen-Anhalt. Dort wurden im Frühjahr zwei Ortsteile komplett unter Quarantäne gestellt.
Als Beispiel für die Abriegelung einer Kommune gilt die Stadt Jessen in Sachsen-Anhalt. Dort wurden im Frühjahr zwei Ortsteile komplett unter Quarantäne gestellt. © Archivbild: dpa/Heiko Rebsch

Dresden. Sachsen prüft nach Medienberichten drastischere Maßnahmen zur Eindämmung der weiter steigenden Zahl der Coronavirus-Infektionen. Nach Angaben von "Bild" und "Freie Presse" (Online/Mittwoch) soll die Landesregierung erwägen, Kommunen mit einer besonders angespannten Corona-Lage von der Außenwelt abzuriegeln. Zudem könnte den Berichten zufolge die nächtliche Ausgangssperre verschärft werden. Die Einwohner dürften nach diesen Berichten dann nur noch während eines vorher festgelegten Zeitfensters und auf dem kürzesten Weg einkaufen gehen.

Sachsens Regierungssprecher Ralph Schreiber sagte zu diesen Berichten auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Mittwochabend: "Die Situation ist angespannt, und viele Menschen machen sich große Sorgen."

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Es gäbe aber keinen konkreten Beschluss für weitere Maßnahmen. "Die Staatsregierung habe nichts entschieden, was ad hoc gelte und was die Menschen überfordere. Der Krisenstab arbeite mit Hochdruck daran, das Infektionsgeschehen einzudämmen.

Kretschmer plant keine Abriegelungen

Bei einem am Donnerstagmittag live auf Facebook übertragenen Pressestatement sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer, dass Abriegelungen nicht geplant seien. Man habe früher als andere entschieden, das Land wieder herunterzufahren und werde jetzt erst einmal die Wirksamkeit der ergriffenen Maßnahmen abwarten.

"Zehn bis vierzehn Tage braucht es, bevor man etwas ganz Konkretes sieht. Vorher ist mit keinen weiteren Einschränkungen zu rechnen", betonte der Regierungschef. Man sei hoffnungsvoll, das eine Stabilisierung der Zahlen mit den jetzigen Instrumenten gelinge.

Zugleich warnte der CDU-Politiker vor Hektik und Hysterie. Man brauche vielmehr ein ruhiges und überlegtes Handeln. Niemand solle sich "Sorgen machen, dass seine Kommune abgeriegelt wird", sagte Kretschmer. In Sachsen werde es keine ad-hoc-Maßnahmen geben.

Der Ministerpräsident hatte am Mittwoch im Landtag gesagt, derzeit sei die pandemische Situation in Sachsen nicht im Griff. Er sprach von einer "extrem angespannten Situation". Am Donnerstag äußerte sich der Ministerpräsident nochmals ausführlicher - ohne die Pläne zu dementieren. "Ich bin jeden Tag im Land unterwegs. Die Meisten begrüßen die aktuellen Verschärfungen", teilte er in einer Pressemitteilung mit. "Viele, die jeden Tag um das Überleben von Corona-Patienten ringen, fragen aber auch sehr nachdenklich: Wird das reichen? Wird das die Pandemie stoppen?" Die aktuelle Situation mache ihn sehr nachdenklich. Daher "müssen wir überlegen: Was können, was müssen wir noch tun, um diese furchtbare Pandemie zu stoppen?", heißt es weiter.

Der Arbeitskrisenstab der Landesregierung habe am Mittwoch eine Analyse der Gemeinden erstellt, die die höchste Inzidenz aufweisen. Die Orte sollen nun genauer untersucht werden, um Schlüsse auf das Infektionsgeschehen in ganz Sachsen zu ziehen.

Vom Abriegeln von Gemeinden wolle Kretschmer aber nicht sprechen. Noch seien keine weiteren ausgangsbeschränkenden Maßnahmen beschlossen worden, betonte er. Eine solche Entscheidung stünde aktuell auch nicht an. Es gehe zunächst um eine Analyse der Gründe für die derzeitige Situation.

Schon über 1.900 Corona-Tote in Sachsen

Als Beispiel für die Abriegelung einer Kommune gilt die Stadt Jessen in Sachsen-Anhalt. Dort wurden im Frühjahr zwei Ortsteile komplett unter Quarantäne gestellt, weil es dort besonders viele Corona-Neuinfektionen gab. Einwohner der Ortsteile durften sich nur in ihrer Wohnung und auf ihrem Grundstück aufhalten.

Der Wert der Neuerkrankungen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche klettert weiter nach oben. Er lag am Mittwoch für Sachsen erstmals über 400. Das ist mit Abstand der höchste Wert im Vergleich aller Bundesländer.

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Nach Angaben des Sozialministeriums vom Mittwoch gab es zuletzt in Sachsen 3.154 bestätigte Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag. Damit haben sich seit Beginn der Pandemie rund 95.500 Menschen mit dem Virus infiziert. Den Angaben zufolge gab es 70 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19. Damit starben seit Beginn der Pandemie 1.919 Menschen im Freistaat an oder mit Corona. (SZ, dpa)

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