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Kretschmer für Impfen ab 18 Jahren in Hotspots

Markus Söder und Michael Kretschmer stellen einen gemeinsamen Zehn-Punkte-Plan vor. Die Hoffnung auf Lockerungen werden dabei gedämpft.

Wollen enger zusammenarbeiten: Markus Söder und Michael Kretschmer.
Wollen enger zusammenarbeiten: Markus Söder und Michael Kretschmer. © dpa/Peter Kneffel

Bayern und Sachsen wollen im Kampf gegen Corona noch enger zusammenarbeiten. Am Montag stellten die beiden Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) und Michael Kretschmer (CDU) einen Zehn-Punkte-Plan für das gemeinsame Vorgehen gegen die Pandemie vor. Ziel der Covid-19-Allianz sei insgesamt ein möglichst einheitliches Vorgehen beider Bundesländer in der Pandemie, etwa in den Grenzregionen zu Tschechien.

Die beiden Freistaaten sind durch ihre Grenzen zu Tschechien derzeit besonders herausgefordert: Landkreise in Grenznähe zählen seit einiger Zeit zu den auffälligsten Corona-Hotspots in Deutschland. Deshalb laufen inzwischen auch verschärfte Kontrollen an den Grenzen zum Nachbarland Tschechien. Sachsen, Bayern und Thüringen helfen Tschechien mit Corona-Impfstoff aus. Ab Montag sei die Lieferung von insgesamt 15.000 Impfstoff-Dosen an das Nachbarland geplant - sie soll in den Grenzregionen eingesetzt werden.

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Bei der Vorstellung des Zehn-Punkte-Plans in einer Onlinekonferenz plädierte Michael Kretschmer für eine Erweiterung der Kategorien beim Impfen gegen das Coronavirus. Neben den Empfehlungen der ständigen Impfkommission müssten auch andere Kriterien gelten können. Mit Blick auf das von hoher Infektionsdynamik geprägte Vogtland sagte Sachsens Regierungschef, er habe den Wunsch, dass dort allen Erwachsenen im Alter über 18 Jahren ein Impfangebot gemacht werden könne.

Das wollen Kretschmer und Söder:

  • Kostenlose Test in Hotspots (z.B. im Vogtland)
  • Sonderhilfen für Hotspots, etwa zusätzliche Impfstofflieferungen
  • Besonderes Impf-Regime für Hotspots - Angebote für alle über 18 Jahre
  • Jeder Öffnungsschritt muss mit Schnelltests begleitet werden
  • Ständiger Austausch zwischen den Ländern zur Corona-Lage und Mutationen
  • Änderung der Impfverordnung - schnell verimpfen "was geht", keine Impfdosis darf verfallen. Der Stoff des Herstellers Astrazeneca sollte allen zur Verfügung gestellt werden, sagte Söder.
  • Hausärzte, Betriebsärzte und Schulärzte seien in das Impfkonzept einzubinden. "Von einem Mangel-Impfsystem müssen wir zu einem Massen-Impfsystem kommen", sagte Söder.

Der Zehn-Punkte-Plan - Folgendes Maßnahmepaket wurde vereinbart:

  • 1. Grenzkontrollen
  • 2. Testkonzepte
  • 3. Pendlerquarantäne für Grenzgänger und -pendler
  • 4. Sequenzierung aller positiven PCR-Tests, um einheitliches Lagebild zu Mutationen zu bekommen
  • 5. Sicheres Arbeiten: Home-Office-Lösungen, Schnelltests am Arbeitsplatz
  • 6. Hot-Spot Regelungen: Fortsetzung von Schließungen (Geschäfte, Kitas etc.), Distanzunterricht im Schulbereich, Ausgangsbeschränkungen.
  • 7. Kontaktnachverfolgung
  • 8. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Konsequente Isolation Infizierter und der Kontaktpersonen, Kontrolle der Einhaltung der Quarantäneanordnungen
  • 9. Krankenhausversorgung: Bayerische und sächsische Krankenhäuser nehmen tschechische Covid-19 Patienten auf.
  • 10. Impfen

Zwei Tage vor dem Bund-Länder-Treffen dämpfte auch Kretschmer am Montag die Lockerungs-Erwartungen. "In dieser Zeit kann keine große Lockerung erfolgen, sagte er. Nur kleine Schritte seien möglich, begleitet von Teststrategien.

Auch für eine Öffnung der weiterführenden Schulen sehe er derzeit keine Möglichkeit. Realistisch sei das frühestens nach den Osterferien, so der CDU-Politiker am Montag. Dazu sei allerdings ein Fortschritt bei Schnelltestkonzepten nötig. Osterferien enden am 10. April.

Derzeit sind Grundschulen und Kitas geöffnet, auch Abschlussklassen weiterführender Schulen erhalten etwa in Wechselmodellen Präsenzunterricht. Kretschmer verwies darauf, dass im Vogtland angesichts eines dynamischen Corona-Infektionsgeschehens Grundschulen wieder geschlossen worden seien. Mit Blick auf die Bund-Länder-Runde am Mittwoch betonte der Christdemokrat: „Beim Thema Schulöffnungen werden wir aus meiner Sicht keine großen Schritte erleben.“ Für die weiterführenden Schulen sehe er derzeit keine Lockerungsmöglichkeiten.

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Kretschmer verwies darauf, dass die mit Öffnungen verbundene steigende Mobilität sich auch im Infektionsgeschenen niederschlagen könne. Sein Amtskollege Söder sagte aber, er wolle, dass das Thema bei der Beratung der Länderchefinnen und Chefs mit der Kanzlerin eine Rolle spiele. Bayern verfolge die Strategie, dass Öffnungen je nach Inzidenz möglich sind. (SZ/dpa/epd)

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