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Bitte nicht noch ein Corona-Sommer des Leichtsinns

Die Infektionszahlen sind erfreulich niedrig. Ein Grund zum Zurücklehnen ist das nicht. Sachsen muss sich jetzt auf den Corona-Herbst vorbereiten.

Zahlreiche Menschen bevölkern die Elbwiesen, freuen sich bei bestem Wetter über die zurückgewonnene Freiheit.
Zahlreiche Menschen bevölkern die Elbwiesen, freuen sich bei bestem Wetter über die zurückgewonnene Freiheit. © Ronald Bonß

Waren Sie schon im Restaurant? Gucken Sie die Fußball-EM draußen im Biergarten zusammen mit vielen Freunden? Haben Sie Karten fürs Theater oder Konzert? Schön, oder? Fühlt sich alles wieder so normal an. Ist es aber nicht. Das Coronavirus ist nicht weg, die Pandemie nicht vorbei. Das, was wir gerade erleben, ist nicht das Durchatmen nach langer Leidenszeit. Es ist nur ein kurzes Luftholen. Die Frage ist nicht, ob die vierte Corona-Welle kommt, sondern wann.

Wie stark sie ausfällt, liegt an uns und hängt von dem ab, was die Gesellschaft und die Regierung jetzt tun. Der „Sommer des Leichtsinns 2020“ sollte allen eine Lehre sein. Denn die aktuell niedrigen Infektionszahlen sind kein Grund, sich zurückzulehnen. Wir müssen weiter vorsichtig sein und können nicht alle Maßnahmen einfach vergessen. Sachsen muss sich besser als im vergangenen Jahr auf das vorbereiten, was da kommt.

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Ein erster Schritt: die Auswertung des Krisen-Managements der Landesregierung. Sachsen hat im vergangenen Herbst zu spät reagiert und sich dann noch schwergetan, die in Berlin beschlossenen Maßnahmen bei den Landräten entschieden durchzusetzen. Auch die Grenze zu Tschechien hätte viel eher geschlossen werden müssen, als im Nachbarland die Zahlen explodierten. Mit der aktuellen Corona-Schutzverordnung, die genau vorsieht, welche Schritte bei steigenden Infektionszahlen zu gehen sind, ist der Freistaat besser aufgestellt. Die Landkreise haben damit klare Anweisungen.

Testzentren behalten

Das kann aber nicht alles sein. Die Landesregierung muss weitere Vorkehrungen für den Herbst und Winter treffen, um erneute Schul- oder Geschäftsschließungen zu vermeiden. Die mühsam aufgebaute Infrastruktur der Testzentren in den Kommunen darf nicht komplett verschwinden, weil die Testpflicht derzeit fast überall abgeschafft wurde. Das kann sich schnell wieder ändern. Jeder Bürger muss weiterhin die Möglichkeit haben, sich testen zu lassen, ohne lange Wege auf sich nehmen zu müssen.

Normalbetrieb in den Schulen und Präsenzunterricht für alle, das ist das Ziel für das neue Schuljahr. Ganz ohne Corona-Schutz wird das aber nicht gehen. Es wäre ein Fehler, zu früh auf Schutzmaßnahmen zu verzichten. Auch nach den Ferien brauchen die Schulen Hygienekonzepte, eine effektive Teststrategie und Masken in den Klassenzimmern. Beim Thema Luftfilter für Unterrichtsräume ist Sachsens Kultusminister skeptisch – zu Recht. Der Nutzen mobiler Geräte, die schnell angeschafft werden könnten, ist ungewiss. Hier sollte genau geprüft werden, ob die Wirkung der Anlagen nicht überschätzt wird – und was besser funktioniert.

Für Impfung werben

Viel wichtiger für andauernden Regelbetrieb an Schulen und Kitas ist es, die Kinder und das komplette Personal in den Einrichtungen zu impfen. Von der Impfquote wird im Herbst abhängen, ob eine Schule oder Kita bei hohen Infektionszahlen wieder geschlossen werden muss oder nicht.

Stichwort Impfen: Je mehr Menschen sich impfen lassen, umso weniger stark wird die nächste Infektionswelle ausfallen. Fakt ist: Das Impfen geht in Sachsen immer noch zu langsam voran. Seit dieser Woche kann jedem Impfwilligen ein Angebot gemacht werden, viele Termine in den Impfzentren bleiben aber frei, Tausende Sachsen lassen die Zweitimpfung sogar ausfallen. Kein gutes Zeichen. Die niedrigen Corona-Zahlen könnten ein Grund sein für das abflauende Interesse – die Menschen wiegen sich in Sicherheit. Ein fataler Fehler. Sachsen muss hier aktiv werden und massiv in Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung investieren. Auch die Gesellschaft ist gefragt: Für den Schutz der Gesundheit aller sollten die Bürger im Freundes- und Bekanntenkreis für eine Impfung werben und motivieren.

Wichtig sind Angebote für junge Erwachsene zwischen 18 und 30, die besonders mobil sind und viele Kontakte haben. Hier geht es auch um die Studenten – der Freistaat muss sie direkt ansprechen. Wie wäre es, junge Menschen mit Musik und Feierstimmung zur Corona-Impfung zu locken? Wien macht es vor: In der österreichischen Hauptstadt sollen eine oder mehrere Impfpartys veranstaltet werden. Auch Familien-Impftermine werden angeboten, bei denen Kinder und Eltern gemeinsam einen Schutz gegen Covid-19 erhalten. Das muss ein Modell für Sachsen sein. Um möglichst schnell möglichst viele Menschen zu impfen, werden auch im Herbst noch Impfzentren und mobile Teams gebraucht.

Mehr Personal im Gesundheitsamt

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Bei aller Vorfreude auf den Urlaub und ein bisschen Normalität dürfen wir keine Zeit verlieren. Sachsen darf die Fehler des letzten Jahres nicht wiederholen. Dieser Sommer ist entscheidend.

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