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Corona: Sachsen bleibt vorerst bei Isolationspflicht

Wer mit dem Coronavirus infiziert ist, muss sich derzeit noch isolieren. Sachsens Gesundheitsministerin will auf eine Einschätzung des RKI warten und plädiert für bundesweit einheitliche Regeln.

Von Andrea Schawe
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Einige Bundesländer haben die Isolationspflicht bereits abgeschafft, in anderen bleibt es vorerst bei der Regelung.
Einige Bundesländer haben die Isolationspflicht bereits abgeschafft, in anderen bleibt es vorerst bei der Regelung. ©  Symbolbild: dpa/Sina Schuldt

Dresden. In Sachsen müssen sich Corona-Infizierte weiterhin isolieren. Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) hält ein einheitliches Handeln aller Bundesländer für erforderlich. Das will Sachsen bei der nächsten Gesundheitsministerkonferenz im Dezember anregen.

Zuvor haben Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz die Isolationspflicht bereits abgeschafft.

In Sachsen müssen sich positiv auf das Coronavirus Getestete weiterhin verpflichtend fünf Tage isolieren. Köpping zeigte sich grundsätzlich offen dafür, andere Personen auch mit eigenverantwortlichem Handeln wie Abstand und Maske hinreichend schützen zu können, will aber auf eine Einschätzung der Experten warten. "Es ist überfällig, dass das Robert Koch-Institut aufgrund der veränderten Infektionslage endlich eine neue fachliche Stellungnahme abgibt", teilt das Ministerium mit.

"Zum Schutz vulnerabler Personen muss es für infizierte Personen dennoch gewisse Einschränkungen geben, zum Beispiel eine Maskenpflicht bei Kontakt mit anderen Personen und Betretungsverbote für Einrichtungen mit vulnerablen Personen." Eine Pflicht zur Isolation wäre dann nicht mehr unbedingt nötig. "Wichtig bleibt der Grundsatz: Wer krank ist, bleibt zu Hause. Damit wird man auch der Verantwortung gegenüber anderen Menschen gerecht."

Grüne: Nicht alle sollen sich isolieren müssen

Die Fraktionen von SPD und CDU im sächsischen Landtag begrüßen es, auf die Einschätzung der Experten zu warten. Auch die Grünen halten ein abgestimmtes Vorgehen für sinnvoll, ein Festhalten an der Isolationspflicht "bei allen Infizierten" zum jetzigen Zeitpunkt aber für "zumindest überdenkenswert". "Bei einer Corona-Erkrankung mit Symptomen sollten Betroffene aber auch weiterhin ihren Hausarzt konsultieren und sich auf Arbeit krankmelden", so Gesundheitspolitikerin Kathleen Kuhfuß.

Die AfD-Fraktion fordert, die Corona-Schutzverordnung "umgehend" abzuschaffen und bei allen Maßnahmen "auf Freiwilligkeit, Eigenverantwortung und gesunden Menschenverstand" zu setzen. "Wer symptomlos ist, darf nicht an seiner Arbeit gehindert werden", sagt der Fraktionsvorsitzende Jörg Urban. Das führe in Krankenhäusern, in der Pflege und in Unternehmen häufig zu Personal-Engpässen.

Die Bundesländer, die sich auf eine Abschaffung der Isolationspflicht geeinigt haben, berufen sich bei ihrem Vorgehen auf Erfahrungen aus Nachbarländern wie Österreich, wo es seit Sommer 2022 "absonderungsersetzende" Schutzmaßnahmen gebe. Als weitere Gründe werden zurückgehende Infektionszahlen, eine wirksame Schutzimpfung sowie eine Basisimmunität innerhalb der Bevölkerung von mehr als 90 Prozent genannt. Auch dass es in der Regel keine schweren Krankheitsverläufe sowie wirksame antivirale Medikamente gibt, rechtfertigt aus Sicht der Länder diesen Schritt.

Karl Lauterbach übt Kritik an Bundesländern

Kritik kommt von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. "Ich glaube, dass wir noch einmal eine Winterwelle bekommen werden", sagte er. Daher verstehe er die Eile der Bundesländer bei den Lockerungen nicht. "Jetzt gibt es hier einen Überbietungswettbewerb: Welches Land kann zuerst lockern? Das ist ein Stück weit populistisch." Zudem gefährde es diejenigen, die sich selbst nicht gut schützen könnten, sagte Lauterbach. Er verwies auf rund 1.000 Menschen, die pro Woche mit dem Coronavirus sterben und eine unerwartet hohe Übersterblichkeit im Oktober. (mit dpa)