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Wie geht's Euch im Lockdown?

Keine Kita, keine Schule, keine Freunde: Den Lockdown bekommen Familien in Sachsen ganz besonders zu spüren. Wie sie damit klarkommen, erzählen sie hier.

© Jürgen Lösel, privat

Im Lockdown fehlt Eltern Entlastung durch Kita, Schule und unterstützende Familien. Wie schaffen sie diese besondere Situation? Die SZ traf Familien in ganz Sachsen, die sich durchbeißen, auch mal die Kraft verlieren und immer wieder eins üben: Kreativität.

„Perfekt im Lockdown? Geht nicht!“

Michael und Nicole Preuss aus Kamenz versuchen, jeden Tag mit ihren Kindern spazieren zu gehen. Wenn es mal schneit, ist das eine willkommene Abwechslung im anstrengenden Alltag.
Michael und Nicole Preuss aus Kamenz versuchen, jeden Tag mit ihren Kindern spazieren zu gehen. Wenn es mal schneit, ist das eine willkommene Abwechslung im anstrengenden Alltag. © Jürgen Lösel

Familie Preuss aus Kamenz: Nicole (38) und Michael (39), Frederik (9), Josefin (6) und Jannik (16 Monate)

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Wir sehen die Krise rational. Die Dinge sind, wie sie sind. Wenn wir uns ständig aufregen, wird es nicht besser. Aber wir brauchen Lösungen. Die Situation erfordert einen kühlen Kopf. Wenn man eine fünfköpfige Familie zu managen hat, muss das einfach sein. Ohne Planung und viel mehr Absprachen kommen wir aktuell nicht durch die Woche. Jeder von uns weiß eigentlich genau, was er zu tun hat. Aber sag das mal einem Kleinkind von 16 Monaten…

Ein typischer Wochentag ist in erster Linie eines: lang! Das ist sicher bei den meisten Familien so. Wenn man kleine Kinder hat, ist man daran gewöhnt. Früh halb 6 ist oft die Nacht zu Ende, die beiden Jungs sind Frühaufsteher. Da zieht sich so ein Tag schon mal in die Länge. In der Regel versuchen wir, miteinander zu frühstücken, und abends treffen wir uns wieder am Tisch. Das sind die einzigen Zeiten, wo wir uns alle sehen. Am Wochenende versuchen wir, gemeinsam spazieren zu gehen. Michael arbeitet in der Kamenzer Stadtverwaltung. Kurzarbeit oder Homeoffice gibt es nicht. Er arbeitet so, dass er freitags immer freinehmen kann.

Seit ein paar Monaten ist meine Erziehungszeit zu Ende. Nun bin ich wieder im Dienst als Grundschullehrerin. Aber wegen Corona sind die Schulen zu, nur die Notbetreuung läuft. Ich habe aktuell keine eigene Klasse, so fallen glücklicherweise einige Aufgaben weg. Freitags, wenn mein Mann die Kinder übernimmt, schaue ich regelmäßig in der Schule vorbei. Ich möchte den Kontakt zu Schülern, Eltern und Kollegen halten.

Wir könnten unseren Alltag zurzeit ohne familiäre Unterstützung nicht stemmen. Dass wir sie bekommen, dafür sind wir sehr dankbar. Wie für viele andere Dinge. Wir sind gesund, haben Arbeit, Ziele und drei wunderbare Kinder. Auch wenn die sich jetzt häufiger lautstark aneinander reiben. Ist ja aber kein anderer da, an dem man seinen Frust über die unbefriedigende Situation loswerden kann. Was uns fehlt, sind unsere Freunde und dass man sich mal wieder mit anderen Menschen treffen kann. Da sind wir als Eltern nicht anders als unsere Kinder. Es fehlt zudem an einer Exit-Strategie. Hier muss die Politik langsam ansetzen, finden wir.

Das Homeschooling mit den Größeren funktioniert. Josefin als Erstklässlerin sitzt mit mir am Schreibtisch, das geht noch nicht ohne Anleitung. Aber Frederik ist in der dritten Klasse schon sehr selbstständig. Abwechslung bringt der Online-Unterricht der Musikschule. Und wenn’s mal schneit. Generell hat man oft ein schlechtes Gewissen, dass man zu wenig Zeit für alles hat.

Dass wir ein Haus haben, ist ein Privileg. Auch wenn es im Umkehrschluss mehr Arbeit bedeutet. Da bleibt halt mal was liegen. Perfekt im Lockdown? Das geht sowieso nicht. Die Kinder können aber wenigstens raus in den Garten.

„Manchmal liegen die Nerven blank“

Mario und Romy aus Königshain begleiten ihre Kinder bei den Schulaufgaben. Sie sind froh, dass sie auf dem Dorf wohnen, ihre Jungs sind viel an der frischen Luft.
Mario und Romy aus Königshain begleiten ihre Kinder bei den Schulaufgaben. Sie sind froh, dass sie auf dem Dorf wohnen, ihre Jungs sind viel an der frischen Luft. © Jürgen Lösel

Familie Förster aus Königshain: Mario (50), Romy (40), Fabio (11), Robin (8)

Nach dem ersten Lockdown im März hat sich unsere familiäre Situation geändert. Meine Frau Romy arbeitete damals noch in einer anderen beruflichen Festanstellung. Mittlerweile macht sie in meinem Unternehmen mit. Ich bin Blogger und Herausgeber einiger Onlinemagazine. Wir arbeiten beide zu Hause. Mit zwei schulpflichtigen Kindern im Alter von acht und elf Jahren funktioniert das aber so nicht wirklich. Deshalb mussten wir umorganisieren.

Meine Frau arbeitet nun früh und am Abend jeweils zwei Stunden. Tagsüber führt meine Frau mit unseren Jungs Homeschooling durch. Dadurch kann ich voll arbeiten. Unser Drittklässler hat täglich etwa zwei Stunden für die Schule zu tun, unser Sechstklässler fünf bis sechs Stunden – davon eine Stunde Onlineunterricht. Unser Tag ist fest durchstrukturiert. Anders würde das gar nicht machbar sein. Schule zu Hause beginnt morgens 8 Uhr, zuvor gibt es Frühstück.

Wir haben einen Wochenplan und Mittagessen-Plan erstellt, um zumindest ansatzweise den Schulalltag nachzugestalten. Die Kinder zu motivieren ist trotzdem schwer. Eine Mutter ist eine Mutter und keine Lehrerin! Manchmal liegen dann auch bei uns die Nerven blank und die Situation ist für die Eltern-Kind-Beziehung keinesfalls ideal. Selbstständige und Freiberufler mit Kindern haben auch nicht die Möglichkeit, die neue Krankenregelung anzuwenden und sich damit intensivere Zeit für die Betreuung freizuschaufeln.

Die Klassenleiterin unserer Oberschule Kodersdorf ist sehr engagiert. Sie sendet uns Videos und Audiodateien, es gibt eine WhatsApp-Gruppe und wir bekommen die Lösungen, um zu kontrollieren. Lern-Sax wird genutzt und funktioniert – bis auf die Anlaufschwierigkeiten am Anfang – gut. Wer jedoch nur ein Smartphone und keinen Computer zur Verfügung hat, kann Lern-Sax nicht bedienen. Beim jüngeren Kind meldet sich per Mail der Schulleiter und die Kinder werden von der Klassenleiterin auch angerufen. Aufgaben gibt es zum Ausdrucken. Die Unterstützung seitens der Schulen ist groß. Dafür sind wir dankbar, da wir von anderen Eltern teils hören, dass es diese Unterstützung so an ihren Schulen weniger oder gar nicht gibt.

Problem allerdings ist: Wir Eltern sind keine Fachlehrer. Gemeinsam mit den Kindern müssen wir den Lernstoff erarbeiten. Das schaffen Kinder in diesem Alter gar nicht allein. Für uns ist das sehr aufwendig, wir müssen uns selbst erst in den Schulstoff einarbeiten. Das kostet Zeit. Zusätzlichen Aufwand haben wir sonntags. Da geht der halbe Tag nur dafür drauf, dass wir versuchen, den Lernstoff der nächsten Woche erst mal zu ordnen und zu strukturieren. Ebenso kristallisiert sich immer mehr heraus, wie sehr digitale Bildung im schulischen Bereich fehlt. Kinder können nicht alleine das Internet nach Fachinformationen durchsuchen, können nicht von alleine unterscheiden, welche Informationen seriös sind oder nicht.

Uns fällt in dieser Zeit der Pandemie ganz besonders auf die Füße, dass es hinsichtlich der Digitalisierung, der Nutzung von Internet und Co. keine Medienbildungskonzepte an den Schulen gibt. Das bleibt an den Eltern hängen. Und nicht alle Eltern haben dafür die Voraussetzungen. Dabei liegt in unserem Dorf superschnelles Internet mit 100 MBit bereits an. Die technischen Möglichkeiten sind also gegeben und daran hängt es nicht. Ich bin jedoch der Meinung, der Unterrichtsstoff müsste von der Lernmenge her flexibler gestaltet werden.

Manchen Kindern fällt das Lernen leicht, anderen schwer. Wie wird damit umgegangen? Dass einige der Aufgaben im Homeschooling von unserer Oberschule benotet werden, finden wir gut. So bekommen die Kinder eine Rückmeldung zu den Dingen, die sie geschafft haben. Trotzdem denke ich, wir brauchen nach dem ganzen Homeschooling selbst eine Erholungsphase. Das ist alles sehr anstrengend. Erholungsphasen für die Kinder gibt es zum Glück auf dem Dorf vielleicht noch eher als in der Stadt. Unsere Jungs sind auf dem Grundstück viel draußen an der frischen Luft und bauen Buden im Schnee.

„Wir machen uns weniger Druck“

Kathleen und Christoph Mitschke mussten ihr Kulturcafé schließen. Sie nehmen keine staatlichen Hilfen in Anspruch – lieber halten sie sich mit einem kleinen Gehalt über Wasser.Fotos: Jürgen Lösel (4)
Kathleen und Christoph Mitschke mussten ihr Kulturcafé schließen. Sie nehmen keine staatlichen Hilfen in Anspruch – lieber halten sie sich mit einem kleinen Gehalt über Wasser.Fotos: Jürgen Lösel (4) © Jürgen Lösel

Familie Mitschke aus Heidenau: Kathleen (44) und Christoph (52), Benny (17) und Frida (12)

Brotbacken, Schlittenfahren, Gartenfiguren anmalen – das ist das Einzige, was wir im Moment machen können. Unser Kulturcafé in Dohna ist geschlossen, die Künstleragentur von Christoph kann auch nicht arbeiten. Dass uns beides auf einmal wegfällt, hätten wir nicht gedacht. Kathleen als mithelfende Ehefrau bekommt gar nichts, Christoph hat ja noch seine Halbtagsstelle als Fahrer beim Rettungsdienst. Das ist Fluch und Segen. Einerseits ist es wenigstens eine kleine feste Einnahme, andererseits gehen alle Förderanträge damit an uns vorbei. Aber lieber so, als später vielleicht mit Rückforderungen rechnen zu müssen. Wir wissen jetzt, dass wir mit Christophs Gehalt rechnen können, es ist nicht viel, aber es ist ein fester Posten. Wir schrauben unsere Ansprüche zurück und versuchen zu überleben. Natürlich klingt das einfacher, als es ist.

Viele wollen uns helfen, versprechen, wiederzukommen. Manche haben uns auch schon mal was zugesteckt. Andere haben nach Gutscheinen gefragt. Das machen wir nicht. Gutscheine verschieben das Loch nur. Lieber kommen wir jetzt mit nichts um die Runden als nie wieder aus dem Loch raus.

Wir nutzen die Zeit so, wie wir sind: kreativ. Christoph arbeitet die Möbel auf, die er mal auf dem Flohmarkt gekauft hat und wofür er bisher keine Zeit hatte. Kathleen hat sich eine Bastelecke eingerichtet und überlegt sich schon den Frühlingsschmuck fürs Café. Wir fahren täglich nach Dohna ins Café, um nachzugucken, die Pflanzen zu gießen. Die Kühltruhe ist voller Eis. Wir haben Angst, es irgendwann wegwerfen zu müssen, weil es verfallen ist. So viel Eis kann auch unsere Tochter nicht essen.

Die trifft sich übrigens jeden Tag von 7 bis 12 Uhr mit ihren Freundinnen vorm Computer, um Schulaufgaben zu machen. Im Frühjahr war das zum Verzweifeln, jetzt klappt das. Es ist ein fester Punkt in unserem neuen Alltag geworden. Die Spaziergänge gehören auch dazu. Wir kennen inzwischen jeden Baum in der Umgebung. Sonst machen wir eben Sachen, für die wir sonst keine Zeit haben. Wenn man sich nicht beschäftigt, dreht man ja sonst durch. Wir versuchen, trotz aller Belastungen, uns nicht noch mehr Druck zu machen als schon besteht. Unser Sohn hat eine Lehrstelle bei dm. Eigentlich hatte er eine Lehrstelle in Richtung Veranstaltungstechnik. Aber das wurde ja auch nichts. Wir sind froh, dass es mit Ersatz geklappt hat, und es macht ihm Spaß.

Wie wir über den Sommer kommen? Das wissen wir nicht. Es nervt tierisch, nichts planen zu können. Es ist ja absolut unklar, ob die Künstler reisen und auftreten können. Die wirtschaftlichen Folgen sind nicht absehbar. Dazu kommt der Ärger mit dem Buchhaltungsservice oder der GEZ dazu. Der Service verlangt das gleiche Geld, obwohl es kaum etwas zu buchen gibt. Die GEZ verlangt, wir sollen das Café abmelden. Der Heizungsmonteur war da ein Lichtblick. Er hat uns Corona-Rabatt gegeben. Von vielen anderen aber gibt es nicht mal ein Angebot, mit Beiträgen runterzugehen. Wir würden es wohl nicht annehmen, weil es ja das Problem nur verschiebt, aber es wäre eine Geste. Ohne gute Freunde würden wir das nicht durchstehen. Wir ziehen den Hut vor allen Kollegen, die mit Kreativität versuchen, sich über Wasser zu halten. Alle sind finanziell absolut am Limit.

Aber irgendwie hat ja auch alles immer seine zwei Seiten. Kathleen wusste lange nicht, ob sie die Haare wachsen lassen soll. Die Frage hat sich jetzt von allein geklärt.

„Während der Arbeit bin ich Trampolin“

Thilo Alexe ist Redakteur bei der Sächsischen Zeitung. Sein Sohn Moritz ist jetzt oft dabei, während sein Papa Videokonferenzen hat.
Thilo Alexe ist Redakteur bei der Sächsischen Zeitung. Sein Sohn Moritz ist jetzt oft dabei, während sein Papa Videokonferenzen hat. © Jürgen Lösel

Thilo Alexe aus Dresden (50), Moritz (6)

Im Studium habe ich an einem kleinen Theater gejobbt, Einlass und so. Die Schauspielerin, die Goethefiguren und dem Sams von Paul Maar zum Leben verhalf, erzählte mir in einer Pause, dass Kinder oft erschrecken, wenn sie die Figuren aus Büchern und Filmen „in echt“ auf der Bühne sehen. Wir erleben das Phänomen mit vertauschten Vorzeichen. Unser Sohn ist verstört, weil seine Kumpels, die sonst „in echt“ neben ihm sitzen, vom Bildschirm grüßen. Seine Mutter versucht, ihn mit der Aussicht auf krass-grell gefärbten Süßkram unterm Bett vorzulocken. Ich nehme ihn auf den Arm und will ihn zum aufgeklappten Laptop tragen – doch er windet sich raus.

Corona verändert so ziemlich alle Gewohnheiten, Abläufe, Verhaltensmuster. Nach zwei Monaten Schule wird der Erstklässler in den Lockdown geschickt. Was er, vor allem aber wir nicht kennen: Wie unterrichtet man ein Kind, das erst Lesen und Schreiben lernt? Wie unterrichtet man überhaupt? Und kann man so arbeiten?

Bitte keine Missverständnisse: Seine Mutter und ich halten den Lockdown für sinnvoll. Wir googeln nicht nach sicher diskussionswürdigen Studien, wonach Kinder keine Treiber der Pandemie sind. Das Problem: Auch diese Haltung macht die Auswirkungen der Krise nicht weniger kompliziert.

Beide arbeiten wir als Journalisten mehr oder minder komplett von zu Hause. Livestreams und zwischen Schulter und Kinn geklemmte Telefone sind der neue Standard. Unlängst versuchte mir der Generalsekretär einer nicht unwichtigen Partei, deren Corona-Strategie zu erklären. Während mein Sohn von der Rückenlehne das Sofas aus testete, wie sein Vater als Trampolin funktioniert. Klar: Kinder müssen raus, spüren Bewegungsdrang. Aber wer passt auf trotz Arbeit?

Mein Lieblingsdichter Günter Eich schrieb den spitzbübischen Satz vom Haushalt, der in der Küche sitzt und wegen Vernachlässigung weint. Trotzdem. Irgendwie geht es doch – Kartoffeln schälen, Landtagsdrucksachen sichten, das Zebraheft korrigieren. Übrigens: Bei der zweiten Videokonferenz, die die superengagierte Lehrerin organisiert, hat unser Sohn die Angst verloren. Wenn sie etwas richtig machen, dürfen sich die Erstklässler selbst auf die Schulter klopfen. Das Bild sagt viel: ein Kind, das vor dem Rechner sitzt und sich auf die Schulter haut.

„Ich arbeite bis tief in die Nacht hinein“

Nina Weimann Sandig (hinten) ist Managerin einer Patchworkfamilie. Nebenher unterrichtet sie Studierende. Sie versucht, es mit Humor zu nehmen.Foto: privat, Grafik: stock.adobe.com
Nina Weimann Sandig (hinten) ist Managerin einer Patchworkfamilie. Nebenher unterrichtet sie Studierende. Sie versucht, es mit Humor zu nehmen.Foto: privat, Grafik: stock.adobe.com © Nina Weimann-Sandig/Privat

Nina Weimann-Sandig (40), lebt in Fürth, arbeitet in Dresden, Jonathan (14), Sophie (11), Elina (9), Constantin (6)

Es ist 15 Uhr 30: Juhu, ich trinke die erste Tasse Kaffee in Ruhe und esse ein Stück Kuchen. Die Kinder sind in ihren Zimmern, es poltert, knallt, dazwischen laute Musik. Mir egal, das ist jetzt meine Viertelstunde. Hinter mir liegt ein Corona-Durchschnittstag. Homeschooling mit vier Kindern ist an und für sich schon eine Herausforderung. Homeschooling mit vier verschiedenen Modellen der Umsetzung ist aber der Knaller. Unsere Kinder sind vierzehn, elf, neun und sechs Jahre alt und besuchen alle unterschiedliche Schulen.

Wir sind eine Patchworkfamilie. Mein Lebensgefährte ist Zahnarzt und von früh bis spät in der Praxis, dennoch versucht er zu unterstützen, wann immer er kann. Der Vater meiner Kinder ist ebenfalls nicht immer flexibel in seiner Arbeitsgestaltung und dennoch hilft er mit, auch die Mutter meiner Stiefkinder übernimmt Anteile. Dennoch bleibt es herausfordernd. Seit 7 Uhr bin ich nun also auf den Beinen, bei meinem Großen beginnt der Distanz-Unterricht nämlich bereits um 7 Uhr 45 mit der ersten Videositzung – pünktlich, da gibt es kein Erbarmen!

Wenn mein Wecker um 7 Uhr klingelt, werfe ich zunächst einen Blick in meinen Kalender. Wer muss wann bei einer schulischen Video-Sitzung sein, welche Arbeitsaufträge für die unterschiedlichen Schulen sind bis wann abzugeben, welche Arbeiten müssen heute an die Lehrkräfte geschickt werden. Mittlerweile arbeite ich mit unterschiedlichen Farben im Kalender, damit mir nichts durch die Lappen geht.

Dann sehe ich nach meinen Terminen – ich bin Professorin an der Evangelischen Hochschule in Dresden: Mist, das Meeting mit der Hochschulleitung fällt genau in die Videositzung des Jüngsten. Der ist in der ersten Klasse und braucht durchaus Hilfe. Gut, dann muss das parallel laufen. Mein Vormittag verläuft zwischen mathematischen Gleichungen, einer Buchbesprechung in Deutsch, einer Vorgangsbeschreibung zum Muffinbacken und den Leseübungen eines Erstklässlers in einem steten Auf und Ab.

Das Wichtigste: die Motivation aufrechthalten, sonst kippt die Stimmung! Neben Homeschooling ist Kochen momentan meine Hauptbeschäftigung. Die Moral der Truppe muss durch gute Küche aufrechterhalten werden, sagte mal mein Onkel. Heute gebe ich ihm recht. Reichhaltiges Frühstück und abwechslungsreiche Mahlzeiten sind ein Muss, nichts kann die Stimmung meiner Kinder so runterziehen wie falsches Essen.

Meine Arbeiten verteile ich auf freie Zeitslots, zum Glück bin ich da flexibel. Das bedeutet aber momentan auch, dass ich täglich bis spät in die Nacht und auch an den Wochenenden arbeite. Die gesetzten Termine sind hingegen die digitale Lehre.

Dann stehen natürlich die Studierenden im Vordergrund und bei mir an erster Stelle. Studieren in Zeiten von Corona ist eine Herausforderung und es ist oft so, dass wir erst mal über persönliche Schicksale sprechen, ehe wir uns mit dem eigentlichen Seminarstoff befassen. Und auch meine Studierenden sitzen mit ihren kleinen Kindern auf dem Schoß in den Vorlesungen oder müssen immer mal wieder raus, weil sie bei Schulaufgaben helfen müssen.

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Wir versuchen alle, es mit Humor zu nehmen. Neulich hatte ich eine wichtige Projektbesprechung mit einer Kollegin über Zoom. Auf einmal piepte die Waschmaschine bei uns beiden. Wir verabredeten also eine kurze Pause und trafen uns nach dem Wäsche aufhängen wieder – alles kein Problem, Multitasking ist momentan wichtiger denn je.

Ihre Meinung zählt und wird belohnt!

Beantworten Sie bis 2. Februar 2021 folgende fünf Fragen zum Thema Homeschooling und nehmen Sie optional am Gewinnspiel um einen von drei HP Tango Smart-Home-Druckern teil.

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