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Sachsen gegen Ende der Isolationspflicht bei Corona

In Sachsen müssen Corona-Infizierte mindestens fünf Tage lang zu Hause bleiben. In der Bundesregierung wird nun diskutiert, ob das noch nötig ist. Bleibt Sachsen dabei?

Von Andrea Schawe
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Wer nachweislich mit Covid-19 infiziert ist, muss sich mindestens fünf Tage isolieren.
Wer nachweislich mit Covid-19 infiziert ist, muss sich mindestens fünf Tage isolieren. © dpa

Dresden. Sachsen will bei den derzeitigen Regelungen für Isolation und Quarantäne bei Corona-Infektionen bleiben. "Im Hinblick auf das derzeitige hohe Infektionsgeschehen und der wachsenden Sorge vor der voraussichtlichen Entwicklung im Herbst gibt es für uns derzeit keinen Anlass, die aktuell geltenden Regelungen zu ändern", teilt das Sozialministerium mit.

Maßgeblich für die Isolations-und Quarantäneregelungen seien in Sachsen die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts. "Sofern sich die fachliche Einschätzung ändert, wäre auch eine Anpassung der Isolationsregeln für SARS-CoV-2-Infizierte in Sachsen denkbar", teilt das Ministerium mit.

Fünf Tage Isolation bei positivem Test

In Sachsen müssen sich Infizierte für mindestens fünf Tage und höchstens zehn Tage absondern. Sie können die Isolation nach fünf Tagen beenden, wenn sie 48 Stunden symptomfrei waren. Ein negativer Text wird zwar „dringend empfohlen“, ist aber nicht mehr nötig. Wer am fünften Tag noch Symptome hat, muss weiterhin zu Hause bleiben – bis die 48 Stunden Symptomfreiheit erreicht sind.

Einen negativen Test zur Beendigung der Quarantäne müssen in Sachsen nur Beschäftigte vorweisen, die in der Pflege, medizinischen Versorgung oder Eingliederungshilfe arbeiten.

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FDP: Diskussion ist richtig

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, hatte sich am Wochenende für eine Aufhebung aller Corona-Isolations- und Quarantänepflichten ausgesprochen. Wenn sich positiv Getestete ohne Symptome nicht mehr isolieren müssten, könnten Personalengpässe, etwa in den Kliniken entschärft werden. "Wer krank ist, bleibt zu Hause. Wer sich gesund fühlt, geht zur Arbeit. So halten wir es mit anderen Infektionskrankheiten wie der Grippe auch", sagte er.

Unterstützung bekam er von der FDP. Eine Diskussion darüber sei richtig, sagte FDP-Vize Wolfgang Kubicki. "Aus meiner Sicht ist es sowohl epidemiologisch als auch aus Gründen der Eigenverantwortung überfällig, den Menschen diese Entscheidung wieder zu überlassen - so, wie es andere europäische Länder schon längst getan haben."

Ähnlich äußerte sich FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai. Er warnte vor Personalausfällen durch Isolationspflichten. "Wir werden in systemrelevanten Bereichen vor enormen Herausforderungen stehen, wenn wir massenhaft positiv Getestete ohne Symptome in die Isolation schicken", sagte er.

"Wir müssen versuchen, jetzt mit diesem Virus zu leben", sagte Gesundheitspolitiker Andrew Ullmann am Dienstag im "Morgenmagazin" des ZDF. Früher oder später werde sich jeder Mensch infizieren. Wer im Gesundheitswesen arbeite und dort Kontakt zu geschwächten Menschen habe, solle sich als Infizierter weiterhin "sehr zurückhalten". Bei Tätigkeiten im "Low-Risk-Bereich" hingegen hält Ullmann eine Maske gegebenenfalls für ausreichend.

Quarantäneregeln schon angepasst

Widerspruch kam unter anderem von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), der einen solchen Ansatz als gefährlich kritisierte. "Infizierte müssen zu Hause bleiben. Sonst steigen nicht nur die Fallzahlen noch mehr, sondern der Arbeitsplatz selbst wird zum Sicherheitsrisiko." Auch Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) kritisierte, der Vorschlag komme zur Unzeit.

Der Vorsitzende des deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, ist gegen eine Änderung der bestehenden Isolations- und Quarantäneregeln bei Corona-Infektionen. "Meiner Ansicht nach sollten wir bei den aktuellen, vernünftigen Regeln bleiben, die ja bereits die Isolationsdauer auf fünf Tage verkürzt haben. Wer einen positiven Test hat, sollte einige Tage zu Hause bleiben, auch wenn er sich ganz gut fühlt", sagte Weigeldt. Das gelte umso mehr für Beschäftigte im medizinischen Bereich. So würden weitere Ansteckungen vermieden.

Lehrerverbände warnen vor Schulschließungen

Auch mehrere Lehrerverbände übten scharfe Kritik an dem Vorschlag. "Die Selbstisolation jetzt aufzugeben, käme bei den aktuellen Infektionszahlen einer Durchseuchung gleich", sagte Andreas Keller von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Gerade in Lehrerzimmern bestehe die Gefahr von Ansteckungen in großer Zahl, was zu Schulschließungen führen könnte, warnte er. "Das kann nicht das Ziel sein."

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, mahnte, im Fall einer Aufhebung von Quarantäne- und Isolationsvorgaben wäre in Kombination mit anderen Faktoren im Herbst eine so große Infektionswelle an Schulen zu befürchten, "dass der Schulbetrieb ernsthaft gefährdet sein könnte". (mit dpa)