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Kommen regelmäßige Schnelltests an Schulen?

Sachsen soll flächendeckend Coronatests für Schüler und Lehrer bereitstellen, fordern die Grünen. Das Kultusministerium hat das schon ausprobiert.

Schnelltests sollen für mehr Sicherheit im Schulbetrieb sorgen.
Schnelltests sollen für mehr Sicherheit im Schulbetrieb sorgen. © dpa

Dresden. In Sachsens Schulen sollen regelmäßige Schnell- und Selbsttests für mehr Sicherheit im Schulbetrieb unter Pandemiebedingungen sorgen. „Ich erwarte, dass die nun zugelassenen einfachen Schnell- und Selbsttests zügig zur Anwendung kommen“, sagt Bildungspolitikerin Christin Melcher (Grüne). Das Land müsse einen flächendeckenden, regelmäßigen Einsatz sicherstellen, entsprechende Mengen beschaffen und Schülerinnen und Schülern sowie pädagogischem Personal kostenlos zur Verfügung stellen.

Für diese „unkomplizierten Testoptionen“ brauche es ein Gesamtkonzept. „Dabei kann ein Blick in andere Länder, zum Beispiel nach Österreich, hilfreich sein“, so Melcher. „Geklärt werden muss auch die sensible Frage einer Testpflicht als Voraussetzung für den Schulbesuch – sowohl für Lehrkräfte als auch für Schülerinnen und Schüler.“

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Probelauf im Januar

Auch das Kultusministerium sieht im Einsatz von Selbsttests für Schüler und Lehrer eine sehr gute Möglichkeit, Infektionen rechtzeitig zu erkennen. „Insofern streben wir den Einsatz von Selbsttests an Schulen an“, teilt Sprecher Dirk Reelfs mit. Bereits Ende Januar wurde an drei Schulen der Einsatz von Selbsttests geprobt. Damit seien „sehr gute Erfahrungen“ gemacht worden. Entscheidend sei nun das Ergebnis der Bund-Länder-Beratungen am 3. März.

Sachsen will erst nach der Konferenz mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am kommenden Mittwoch über das weitere Vorgehen an den Schulen entscheiden. Ursprünglich wurde der 8. März als Termin für die Öffnung der weiterführenden Schulen ab Klasse 5 genannt. Maßgeblich dafür sei aber die Entwicklung des Infektionsgeschehens, hieß es. Ministerpräsident Michael Kretschmer hatte erklärt, dass er zum 8. März keine grundlegenden Öffnungsschritte erwarte, auch nicht für die Schulen.

Piwarz: Zahl der Infektionen "unauffällig niedrig"

Bislang sind Grund- und Förderschüler der Klassen eins bis vier wieder in den Schulen sowie die Abschlussklassen an Gymnasien, Berufsschulen und Oberschulen. In der ersten Woche der Öffnung der Grund- und Förderschulen wurden nach Angaben des Kultusministeriums neun neue Corona-Infektionen bei Lehrerinnen und Lehrern, und 35 bei Schülerinnen und Schülern gemeldet. Aktuell besuchen etwa 140.800 die öffentlichen Grund- und Förderschulen der Primarstufe. Bei Lehrkräften, die in einer Abschlussklasse unterrichten, traten zwei Infektionen auf, bei den insgesamt 65.000 Schülerinnen und Schülern der Abschlussklassen waren es 14.

Allein an den Schulen Vogtlandkreis - der Landkreis mit höchsten Inzidenz in Sachsen - wurden vom 16. Februar bis zum 25. Februar insgesamt 18 Infektionen bei Schülern und sechs bei Lehrkräften gemeldet. Kultusminister Christian Piwarz (CDU) nannte die Zahl der Infektionen an den Schulen "unauffällig niedrig". Es handele sich dabei fast ausschließlich um Einzelfälle. "Die Infektionen wurden in die Schulen hineingetragen."

Mehr Optionen als Schule auf oder zu

Nach Ansicht der Grünen werden noch nicht alle Optionen ausgeschöpft. „Das Schwarz-Weiß-Schema ‚Schule zu oder Schule auf‘ darf nicht zu Grabenkämpfen führen“, sagt Christin Melcher. „Wir müssen vielmehr in Möglichkeiten denken.“ Dazu zähle etwa die Bildung kleinerer Klassen und Gruppen, die sich nicht nur tage- oder wochenweise, sondern zum Beispiel auch am Vor- und Nachmittag im Präsenzunterricht in der Schule abwechseln könnten.

Die Grünen schlagen für den Fall erneuter Schulschließungen vor, den Schulen mehr Freiheiten und Eigenverantwortung zu geben. So könnten einzelne oder wenige Kinder trotzdem in die Schule geholt, die im Distanzunterricht nicht erreicht werden. „Ein Bildungsangebot ist auch für Förderschülerinnen und -schüler, integrativ unterrichtete Kinder und Kinder in Vorbereitungsklassen wichtig“, sagt Melcher.

Schulschließungen wieder möglich

Kitas und Grundschulen müssen wieder schließen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in einzelnen Landkreisen an fünf aufeinanderfolgenden Tagen den Wert 100 überschreitet. Das ist derzeit im Landkreis Nordsachsen und im Vogtlandkreis der Fall. Stichtag ist der 1. März. Sollte diese Schwelle dauerhaft auch im Zeitraum bis 5. März überschritten werden, müssen Grundschulen und auch Kindertageseinrichtungen im betroffenen Landkreis wieder schließen.

Der Vogtlandkreis hatte schon am Donnerstag angekündigt Schulen und Kitas ab 1. März wieder zu schließen. Auch die Kindertagespflege soll ausgesetzt werden, teilte das Landratsamt in Plauen mit. Lediglich Abschlussklassen können ihre Schulen weiterhin besuchen.

Keine wissenschaftliche Begleitung

Nach Ansicht von Experten sei es wichtig, das Pandemiegeschehen bei der Öffnung der Schulen im Blick zu behalten. Nach Recherchen des ARD-Magazins Kontraste hat Sachsens Kultusministerium das verpasst. Das Ministerium gehe davon aus, dass die Forscher der Unikliniken in Leipzig und Dresden ihre Untersuchungen fortführen. Sie hatten schon im vergangenen Jahr eine Studie zu Sachsens Schulen veröffentlicht.

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