merken
PLUS Sachsen

Köpping: "Wir könnten jetzt Dänemark sein"

Sachsen ist beim Impfen deutschlandweit immer noch Schlusslicht. Die Gesundheitsministerin will mehr Menschen Angebote machen - ohne die Impfzentren.

Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping bedankt sich bei den Mitarbeitern im Impfzentrum Pirna.
Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping bedankt sich bei den Mitarbeitern im Impfzentrum Pirna. © Daniel Schäfer

Dresden. Ein „Freedom day“ für Sachsen – so wie in Dänemark. Am 10. September hat das Land alle Beschränkungen in der Corona-Pandemie aufgehoben. „Eigentlich könnten wir heute Dänemark sein“, sagte Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Mittwoch im Landtag. Dänemark habe alle Corona-Regeln abschaffen können, weil mehr als 70 Prozent der Menschen geimpft seien. Bei den über 50-Jährigen betrage die Quote sogar mehr als 90 Prozent. Köpping bezeichnete das als Grundlage für mehr Freiheiten. „Ganz so weit sind wir noch nicht.“

Nach wie vor hat Sachsen die bundesweit geringste Impfquote. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sind in Sachsen 57,7 Prozent der Menschen einmal gegen das Coronavirus geimpft, 54,6 Prozent haben einen vollständigen Impfschutz. Mittlerweile haben auch etwa 12.000 Menschen eine Auffrischungsimpfung erhalten – sie wird für über 70-Jährige, besonders gefährdete Menschen oder solche mit Vorerkrankungen empfohlen.

Anzeige
Das Corona-Zertifikat zur Freiheit
Das Corona-Zertifikat zur Freiheit

2G wird immer wichtiger. Aber was machen Genesene, die nur eine Impfung benötigen, Apps aber zwei Impfungen verlangen? Die City-Apotheken Dresden haben die Lösung.

„Wir haben noch viel zu tun in diesem Bereich“, sagte Köpping. Es gebe in Sachsen mehr als 1,7 Millionen Menschen, die noch nicht geimpft seien. Davon seien etwa 300.000 Menschen älter als 60 Jahre. Hinzu kämen rund 440.000 Kinder unter 12 Jahren, die sich nicht impfen lassen können. „Wir müssen vorsichtig in Sachsen bleiben.“

Mobile Impfteams in Sachsen bis Jahresende

Trotz der Schließung der Impfzentren zum 30. September will Köpping die Impfkampagne weiter vorantreiben. Die 13 Impfzentren hatten vor acht Monaten den Betrieb aufgenommen. Knapp zwei Millionen Impfungen wurden durchgeführt. Der Rekord lag bei 16.494 Impfungen pro Tag, zuletzt waren es nur noch 2.000 bis 4.000 Immunisierungen pro Tag. Nun sollen vor allem die Ärzte und Betriebsärzte die Coronaschutzimpfungen übernehmen – wie dies auch bei anderen Impfungen üblich ist.

Zusätzlich bleiben 30 mobile Teams des Deutschen Roten Kreuzes bis Endes des Jahres 2021 im Einsatz. Mehr als 600.000 Impfungen wurden bis dato durch sie in ganz Sachsen durchgeführt. Sie sollen weiterhin niederschwellige Impfangebote vor Ort anbieten. Am Freitag findet etwa die erste Drive-in-Impfaktion statt. In Aue-Bad Schlema können sich Bürger ohne Voranmeldung und ohne ihr Auto zu verlassen, ihre Impfung abholen. Mittlerweile gebe es Anfragen aus allen Landkreisen, so Köpping. Die mobilen Teams sollen vor allem in Orten und Regionen mit ärztlicher Unterversorgung im Einsatz sein. Das Impfkonzept sieht auch vor, dass die Anzahl der mobilen Teams aufgestockt werden kann, wenn der Bedarf steigt.

Außerdem sollen Sachsens Krankenhäuser ab dem 1. Oktober Coronaschutzimpfungen für die Bevölkerung anbieten. Eine Abfrage des Sozialministeriums ergab, dass etwa 6.000 Impfungen pro Woche in den Krankenhäusern vergeben werden können. Köpping sagte, dass erst 17 der 78 Krankenhäuser in Sachsen signalisiert, dass sie bereit wären, das Personal, Patienten und in Impfsprechstunden auch Bürger zu impfen. „Diese Zahl wollen wir noch erhöhen“, sagte Köpping am Mittwoch. Nötig seien niedrigschwellige Angebote, sodass sich die Menschen „ortsnah und zu ihren verfügbaren Zeiten“ impfen lassen können. „Wir werden in unserem Bemühen nicht nachlassen, die Bevölkerung zu informieren und aufzuklären“, so Köpping.

Ziel: 85 Prozent impfen

Umweltminister Wolfram Günther (Grüne) bezeichnete das Impfen als „einen Akt der Solidarität“. „Ich bin genesen und geimpft. Und ich weiß: Ich schütze damit nicht nur mich selbst, sondern vor allem auch andere. Diejenigen nämlich, die sich noch nicht oder gar nicht impfen lassen konnten oder können“, sagte er am Mittwoch im Landtag. Zugleich verwies der stellvertretende Ministerpräsident auf die hohe Zahl noch Ungeimpfter in Sachsen: „Es fehlen also noch 1,2 Millionen Geimpfte, bis wir eine Impfquote von 85 Prozent erreichen. Und das ist unser Ziel.“

Er verteidigte das in Sachsen eingeführte 2G-Optionsmodell, bei dem Betreiber entscheiden können, ob sie nur Geimpften und Genesenen den Zugang ermöglichen. Es gehe eben nicht darum, Ungeimpfte auszuschließen, sagte Günther. „Sondern darum, geimpften und genesenen Menschen einen Teil des normalen Lebens zurückzugeben.“

Weiterführende Artikel

Corona: Mehr als 1.700 neue Infektionen in Sachsen

Corona: Mehr als 1.700 neue Infektionen in Sachsen

122 Patienten auf Intensivstation, Länder weiter für einheitliche Corona-Regeln, AfD-Chef Chrupalla positiv auf Corona getestet - unser Newsblog.

Letzte Impfzentren in Sachsen schließen

Letzte Impfzentren in Sachsen schließen

Zuerst gab es zu wenig Impfstoff, zum Schluss genügend davon - aber kaum Interesse. Nun schließen die letzten Impfzentren im Freistaat.

Die AfD warf der Regierung vor, mit der 2G-Regel „einen faktischen Impfzwang“ einzuführen. Es fehle weiterhin eine „tragfähige Strategie, die die Grund- und Freiheitsrechte wahrt“, sagte Partei- und Fraktionschef Jörg Urban. „Sie setzen wieder auf einen Lockdown, diesmal für Ungeimpfte.“

Mehr zum Thema Sachsen