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Neues Portal für Impfwillige: So funktioniert's

Impfwillige können mit einem neuen Portal die Impfschlange abkürzen – und dabei ihren Impfstoff wählen. In Sachsen läuft ein ähnliches Projekt.

Der Corona-Impfstoff Astrazeneca ist für jedermann freigegeben - nun versuchen Hausärzte, Impfungen über ein zentrales Portal zu organisieren.
Der Corona-Impfstoff Astrazeneca ist für jedermann freigegeben - nun versuchen Hausärzte, Impfungen über ein zentrales Portal zu organisieren. © Stefan Sauer/dpa

Von Gunnar Göpel, Fabian Löhe und Thomas Trappe

Eine Million Impfdosen – ein neuer Rekord. So viele Impfdosen soll Astrazeneca diese Woche an die Arztpraxen in Deutschland schicken – und zwar ganz ohne Priorisierung. Das heißt: Jede erwachsene Person, gleich welchen Alters oder Geschlechts, kann sich impfen lassen. Und bald auch mit dem Stoff von Johnson & Johnson. Denn Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat auch hier ein Ende der Priorisierung angekündigt.

Zugleich können vollständig Geimpfte seit dem Wochenende wieder ihre Grundrechte wahrnehmen. Beispielsweise gelten für sie Ausgangsbeschränkungen wie die nächtliche Ausgangssperre nicht mehr, sie müssen nicht in Quarantäne und können sich mit so vielen Menschen treffen, wie sie wollen. Deshalb sind Impftermine derzeit heiß umkämpft - wie am Montag, als 15.000 Impftermine in Sachsen innerhalb weniger Stunden komplett ausgebucht waren.

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Weniger Impfdosen als die Zentren

So mancher lässt sich daher bei gleich mehreren niedergelassenen Ärzten auf Wartelisten setzen. Doch selbst wer draufsteht, wartet oft vergeblich auf den ersehnten Anruf für einen Impftermin. Zumal immer wieder Geimpfte ihre überzähligen Termingesuche dann nicht absagen. "Wir appellieren an die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger, Termine rechtzeitig wieder abzusagen, wenn sie anderweitig einen Termin gefunden haben“, sagt Roland Stahl, Pressesprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, zu Tagesspiegel Background.

Zugleich haben die Praxen die Schwierigkeit, neben dem normalen Praxisalltag die Terminkoordination zu bewältigen. Zumal sie noch immer weniger Impfdosen erhalten als die Impfzentren. Gleichzeitig aber kann der Fall eintreten, dass Haus- und Fachärzte Dosen verfügbar haben und anhand ihrer Warteliste Bürger zur Impfung "einladen“, diese aber bereits in einem Impfzentrum geimpft wurden.

100.000 bereits registriert

Hier soll ein neues Portal helfen: Impfwillige und Ärzte sollen sich im Internet vernetzen können, um so schneller zu impfen. Wer den Piks will, soll hier freie Impftermine finden oder auch solche, die wegen kurzfristiger Absagen frei werden. Umgekehrt können Mediziner:innen, die Impfungen durchführen, dem System freie Termine melden. Das Portal nutzt zudem Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und des Hausärzteverbands.

Bislang fehlt diese Brücke zwischen Arzt und Patient:innen. Denn umgekehrt befürchten Mediziner mitunter, dass sie trotz des aktuellen Sturms auf ihre Praxen schon in absehbarer Zeit nicht so viele Impfwillige finden, wie sie Dosen zur Verfügung haben.

Deshalb gibt es jetzt www.sofort-impfen.de. Auf der Website der Initiative haben sich bereits gut 100.000 Impfinteressierte registriert. Online ist die Seite seit vergangenem Donnerstag.

Datenschutz steht im Vordergrund

Aber warum kann die Impfpriorisierung umgangen werden – und wieso kann letztlich sogar ein Impfstoff wie Biontech damit gezielt ausgesucht werden? Möglich ist dies, wie es auf der Seite heißt, "weil Arztpraxen von der offiziellen Reihenfolge abweichen dürfen", vor allem, "wenn dadurch vermieden werden kann, dass Impfdosen entsorgt werden müssten".

Im Gespräch mit dem Tagesspiegel betont der Initiator des Projekts die Bedeutung des Datenschutzes. "Auf der Plattform werden ausschließlich die nötigsten Daten für die Vermittlung der Termine erhoben", sagt Johannes Gerster. "Zu keinem Zeitpunkt werden Daten mit Dritten ausgetauscht. Nicht einmal Ärzte erhalten Patientendaten, sondern lediglich einen automatisch generierten Buchungscode."

Noch lange nicht repräsentativ

Derzeit steckt das Projekt des Marketingexperten und Start-up-Gründers noch in den Kinderschuhen. Deshalb muss zunächst die Datenbank noch weiter gefüllt werden: Aktuell kommen laut Gerster mehrere Tausend Neuregistrierungen pro Stunde dazu.

Die sogenannte "Matchingfunktion" wird dann etwa ab Ende der kommenden Woche zur Verfügung stehen. Direkt im Anschluss sollen auch bereits die ersten Impftermine ausgemacht werden können, sagte Gerster der „Bild“. Die Zeitung hatte als Erstes online über sofort-impfen.de berichtet.

Der Vorteil eines Portals wie sofort-impfen.de wird am Beispiel der Situation in Berlin deutlich: Auf ihrer eigenen Website hat die Kassenärztliche Vereinigung eine Tabelle mit Berliner Praxen veröffentlicht, die Astrazeneca-Impfungen durchführen.

Aber nur bei wenigen der gerade mal knapp 70 dort aufgelisteten Praxen ist der Reiter "Online-Terminvergabe" ausgefüllt. Nur bei den wenigsten können Termine über Doctolib oder die Praxishomepage vereinbart werden. Deutlich mehr Praxen geben die E-Mail-Adresse der Praxis und oder eine Telefonnummer an.

Doch diese Liste ist weit entfernt davon, ein repräsentatives Register zu sein. Tatsächlich nämlich sind über 2.000 Praxen an der Berliner Corona-Impfkampagne beteiligt – neben den sechs Berliner-Impfzentren.

Pilotprojekt in Sachsen

Konkurrenz könnte sofort-impfen.de vom Personalvermittler Randstad bekommen. Das Unternehmen hat mit dem „Impf-Finder“ eine web- und appbasierte Plattform entwickelt, mit der Impfzentren und Arztpraxen oder andere Impfberechtigte, die über Impfstoffdosen verfügen, Interessenten einen Impftermin anbieten können.

Wurde der Impf-Finder mit Termindaten versorgt, erfahren Impfwillige bei Angabe ihrer Postleitzahl, an welchem Standort welcher Impfstoff zur Verfügung steht. Im nächsten Schritt sollen sie einen Termin buchen können und zur Bestätigung einen QR-Code erhalten, der als Eintrittsbestätigung beim Impfzentrum oder in der Arztpraxis benötigt wird. Weitere persönliche Daten müssen nicht angegeben werden, wirbt das Unternehmen.

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Aktuell sei der Impf-Finder im Rahmen eines Pilotprojekts mit der Landesärztekammer Sachsen im Einsatz. Laut Randstad haben auch "zahlreiche Unternehmen Interesse angemeldet". Bislang aber können diese das über ihre Werksärzte nicht nutzen: Den Mitarbeiter:innen fehlt oftmals die Impfberechtigung.

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