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Corona: Sachsen hinkt beim Impfen hinterher

Bislang wurden in Sachsen knapp 1.500 Menschen immunisiert – weniger als in anderen Bundesländern. Woran das liegt und wie es 2021 weitergeht.

Mitarbeiter in den Krankenhäusern gehören in Sachsen zu den Ersten, die gegen das Coronavirus geimpft werden.
Mitarbeiter in den Krankenhäusern gehören in Sachsen zu den Ersten, die gegen das Coronavirus geimpft werden. © dpa/Markus Scholz

Dresden. Seit Sonntag gibt es Hoffnung im Kampf gegen die Corona-Pandemie: Der Impfstoff wird verteilt. Insgesamt erwartet Deutschland von den Herstellern Biontech und Moderna zusammen über 130 Millionen Impfdosen. Bis 30. Dezember wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts deutschlandweit 78.109 Menschen geimpft, in Sachsen waren es nur 1.487. Die meisten Impfungen hat bisher Bayern durchgeführt, dort wurden schon 12.935 Menschen geimpft. In Nordrhein-Westfalen waren es 11.385.

Wie viel Impfstoff bekommt Sachsen?

Bis Mittwochmittag sind insgesamt 68.250 Impfdosen nach Sachsen geliefert worden. Bis Mitte Januar sollen weitere 34.125 Dosen kommen. Alle Impfdosen sind bereits verteilt oder verplant, teilt das Deutsche Rote Kreuz mit, das die Impfungen für den Freistaat organisiert. Um gegen das Coronavirus geschützt zu sein, sind zwei Impfungen im Abstand von drei Wochen nötig. Daher werden von jeder Impfstofflieferung, die Sachsen erreicht, die Hälfte der Dosen für den Zweittermin zurückgestellt.

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Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) bat um Geduld. Die Impfungen in den Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie von Klinikpersonal haben Priorität, um die medizinische Versorgung sicherzustellen. „Wir müssen mit der Öffnung der Impfzentren noch so lange warten, bis ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht“, sagte sie. Auch in anderen Bundesländern reichen die gelieferten Dosen nicht. In Berlin musste ein Impfzentrum nach zwei Tagen wieder schließen, weil es keinen Impfstoff mehr hatte.

Wer wird derzeit geimpft?

Nach einer Rechtsverordnung der Bundesregierung sind zuerst die Bewohner und die Mitarbeiter in Pflegeheimen sowie das medizinische Personal in den Krankenhäusern an der Reihe. In Sachsen wurden nach Angaben des DRK knapp 56 Prozent der Lieferungen an die Krankenhaus-Koordinatoren in Leipzig, Chemnitz und Dresden übergeben. Sie verteilten die Impfdosen dann an die Krankenhäuser der jeweiligen Region. Die Kliniken impfen ihr Personal eigenverantwortlich. „Mit der Entscheidung, den Krankenhäusern prioritär Impfdosen zur Verfügung zu stellen, soll die angespannte Personal-Situation entlastet werden“, teilt das Sozialministerium mit.

Bisher ist in Europa nur der Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer zugelassen. Er muss bei minus 70 Grad gekühlt werden.
Bisher ist in Europa nur der Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer zugelassen. Er muss bei minus 70 Grad gekühlt werden. ©  dpa

Was ist mit den Bewohnern in Pflegeheimen?

Bisher wurden nur in Pflegeheimen in den Landkreisen Zwickau, Bautzen und Görlitz Impftermine durchgeführt. 192 Bewohner wurden geimpft. „Die Lage in den Einrichtungen ist sehr kompliziert“, sagte Köpping. Problematisch ist vor allem die hohe Zahl der Coronainfektionen bei Bewohnern und Personal. Corona-Fälle gebe es an 280 von 970 Pflegeeinrichtungen. Die verordnete Quarantäne dürfe nicht gebrochen werden, sodass nicht wie geplant geimpft werden konnte. Das habe die Logistik in Sachsen durcheinandergebracht, "aber wir werden das aufholen", sagte Köpping.

Am Donnerstag sollen vier weitere mobile Impfteams in Dresden, Chemnitz, Leipzig und dem Landkreis Meißen in stationären Pflegeeinrichtungen unterwegs sein. Am 1. Januar sind sechs weitere Impftermine geplant, ebenso wie in den Tagen danach. Ab 4. Januar sollen alle 13 mobilen Impfteams täglich im Einsatz sein. Die Teams bestehen aus Mitarbeitern der Johanniter-Unfall-Hilfe, des Arbeiter-Samariter-Bundes, des Malteser Hilfsdienstes und der Bundeswehr.

Wann starten die Impfzentren?

Voraussichtlich am 11. Januar sollen die Impfungen in den 13 Impfzentren beginnen. Es gibt in jedem Landkreis und jeder Großstadt ein Impfzentrum, in jedem sollen 1.000 Menschen pro Tag geimpft werden können. Diese zentralen Anlaufstellen sind in den ersten Monaten nötig, weil der Impfstoff von Biontech/Pfizer bei minus 70 Grad gelagert werden muss. Dafür haben Hausärzte nicht die Ausstattung.

Zuerst werden die ambulanten Pflegedienste die Zentren aufsuchen, sagte Köpping. Nach der Prioritätenliste des Bundes sind erst Menschen über 80 Jahre dran, danach folgen Personen über 70 Jahre, Menschen mit Behinderung oder Demenz, Kontaktpersonen von Schwangeren, Beschäftigte in stationären und ambulanten Einrichtungen für Menschen mit Behinderung sowie Polizei- und Ordnungskräfte. Wer bereits eine Infektion mit dem Coronavirus durchgemacht hat, wird zunächst nicht geimpft.

Wenn ein weiterer Impfstoff zugelassen ist, könnten auch Hausärzte die Impfungen übernehmen. Die Dosen der anderen Hersteller müssen nicht aufwendig gekühlt werden. Dann könnten auch ältere Menschen geimpft werden, die nicht mobil oder flexibel sind. Köpping bat darum, ältere Menschen möglichst zu einem Impfzentrum zu bringen, da individuelle Impfungen zu Hause logistisch kaum möglich sein dürften.

Wann werden die restlichen Bürger geimpft?

Die Impfungen der ersten beiden Gruppen könnten ein bis zwei Monate dauern. Danach sind Menschen mit "erhöhter Priorität" dran:

  • über-60-Jährige
  • Menschen mit Vorerkrankungen wie Adipositas, chronischer Nieren- oder Lebererkrankung, Immunschwäche, Diabetes, Herzerkrankungen, Schlaganfall, Krebs, COPD oder Asthma, Autoimmunerkrankungen und Rheuma,
  • Personen in Regierung, Verwaltung und Justiz sowie bei der Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz
  • Personen in Unternehmen der kritischen Infrastruktur, Apotheken und Pharmawirtschaft, öffentliche Versorgung und Entsorgung, Ernährungswirtschaft, Transportwesen, Informationstechnik und Telekommunikation
  • Erzieher und Lehrer

Die Prioritätenliste der Impfkommission orientiert sich am Alter, aber auch an möglichen Vorerkrankungen und an den beruflichen Tätigkeiten. Erst danach kann sich die überwiegende Teil der Bevölkerung impfen lassen. „Ich brauche wirklich die Geduld der Bürger“, so Köpping. „Die Impfdosen reichen noch nicht für alle. Ich bitte darum, dass man nicht glaubt, dass man sofort dran ist.“

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Bis voraussichtlich Mitte Januar werden in Sachsen keine individuellen Termine vergeben, teilte das DRK mit. Erst, wenn die Impfzentren geöffnet werden. Auch in anderen Bundesländern ist bislang noch keine Anmeldung zur Impfung möglich. Impftermine sollen online, per App oder telefonisch beantragt werden können. Noch ist unklar, ob die Nicht-Heimbewohner per Brief informiert werden. Das DRK werde rechtzeitig darüber informieren, ab wann und wie eine individuelle Terminvergabe in den Impfzentren möglich ist, hieß es.

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