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Kretschmer will neuen Lockdown verhindern

Die Infektionszahlen in Sachsen steigen weiter. Nun plant die Regierung schärfere Corona-Regeln. Mediziner warnen vor einer Überlastung der Kliniken.

Von Andrea Schawe & Karin Schlottmann
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Bisher können Betreiber selbst entscheiden, ob sie den Zugang nur für Geimpfte und Genesene ermöglichen.
Bisher können Betreiber selbst entscheiden, ob sie den Zugang nur für Geimpfte und Genesene ermöglichen. © dpa

Dresden. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat die Bürger auf schärfere Corona-Regeln eingestimmt. Die Regierung will eine neue Corona-Schutzverordnung beschließen, mit der unter anderem die 2G-Regel ausgeweitet wird – also der Zugang zu Restaurants und Veranstaltungen nur für geimpfte und genesene Menschen. "Die pandemische Lage in Deutschland ist nicht beendet. Im Gegenteil."

„Wir sind alle müde“, sagte er am Montag bei einer Online-Konferenz mit Medizinern und Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD). Er wisse, wie die Stimmungslage in Sachsen sei. „Aber das Virus nimmt auf die Befindlichkeiten keine Rücksicht.“ Ziel sei es, einen neuen Lockdown zu verhindern sowie Schulen und Kitas offen zu halten. Man brauche eine Sensibilisierung der Bevölkerung. Kretschmer befindet sich nach einem Corona-Fall in seiner Familie in Quarantäne.

Angesichts der stark steigenden Infektionszahlen warnten die Mediziner vor einer Überlastung der Krankenhäuser. Wenn die Entwicklung weiterlaufe wie bisher, erreiche man bereits in 14 Tagen die Überlastungsstufe, sagte Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums in Dresden. Sie tritt ein, wenn mehr als 1.300 Betten auf Normalstationen oder 420 Betten auf Intensivstationen mit Covid-19-Patienten belegt sind, oder die 7-Tage-Inzidenz-Hospitalisierungen 12 erreicht.

Mehr Patienten, weniger Personal

Schon jetzt liege die Zahl der Patienten über der im vergangenen November. Sie träfen in den Klinken auf weniger "betriebsfähige Intensivbetten" als noch vor einem Jahr, weil es an Personal mangele, so Albrecht. Der Krankenstand in den Klinken sei derzeit hoch, "dazu die Abwanderung von Pflegekräften nach der dritten Welle wegen Erschöpfung und psychischer Belastung". Nach Angaben des Gesundheitsministeriums mit Stand vom Montag werden 776 Covid-19-Patienten auf Normal- und 199 auf Intensivstationen behandelt.

Es gelte Maßnahmen zu ergreifen und Ungeimpfte zu schützen. Jeder, der keinen Impfschutz habe, werde sich infizieren. Thomas Grünewald, Vorsitzender der sächsischen Impfkommission und Leiter der Klinik für Infektionsmedizin am Klinikum Chemnitz, empfahl ebenfalls die Ausweitung des 2G-Modells, FFP2-Masken beim Einkaufen und im Nahverkehr sowie mehr Tests auch für Geimpfte.

Impfangebote nicht ausgelastet

Grund für die rasant ansteigende Zahl der Erkrankungen ist auch die niedrige Impfquote in Sachsen. Ärzte appellieren insbesondere an die ältere Bevölkerung, sich möglichst rasch eine Auffrischungsimpfung geben zu lassen. Die sächsische Impfkommission empfiehlt dies inzwischen für alle über 18-Jährigen.

Bisher haben Köpping zufolge 48.277 Menschen eine dritte Impfung erhalten. Die sogenannte Booster-Impfung gibt es beim Hausarzt, in einigen Krankenhäusern sowie bei den 30 mobilen Teams des DRK. Köpping: „Unsere Impf-Angebote sind derzeit aber nicht ausgelastet. Wir prüfen intensiv, ob es trotzdem Versorgungslücken gibt. Wenn dies der Fall ist, werden wir zusätzliche feste Impfmöglichkeiten einrichten, insbesondere dort, wo die Impfquoten niedrig sind.“

Eine Option wäre es, ein mobiles Team befristet an einem festen Ort einzusetzen. Für die Impfzentren habe es keinen Bedarf mehr gegeben, sagte Köpping. Erik Bodendieck, Präsident der Landesärztekammer, lehnt eine Wiedereröffnung der Impfzentren strikt ab. Das medizinische Personal, das dort nötig sei, würde an anderer Stelle fehlen.