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Lehrerverband: Corona-Tests in Schulen nutzen

Tests sind für die Sicherheit des Schulbetriebes wichtig. Und die Eltern drängen auf weitere Schritte, um Schulöffnungen möglich zu machen.

Eine Mitarbeiterin einer Schnellteststation scannt einen Schnelltest, damit das Ergebnis an die getestete Person geschickt werden kann.
Eine Mitarbeiterin einer Schnellteststation scannt einen Schnelltest, damit das Ergebnis an die getestete Person geschickt werden kann. © dpa

Dresden. Der sächsische Lehrerverband hat an Eltern und Schüler appelliert, die bestehenden Angebote für Corona-Schnelltests in den Schulen zu nutzen. Da es noch keine generelle Testpflicht für den Schulbetrieb gebe, entscheide das Verantwortungsbewusstsein der Schülerinnen und Schüler und deren Eltern.

Alle Personen in den Schulen sollten sich regelmäßig testen lassen, „zum Selbstschutz und aus Verantwortung gegenüber den Mitmenschen“, teilte der Lehrerverband am Dienstag mit. Viele Schulen würden bereits regelmäßige Schnelltests anbieten, die auch während der Unterrichtszeit durchgeführt werden könnten.

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„Regelmäßige Tests sind ein Schlüssel für mehr Sicherheit im Schulbetrieb unter Pandemiebedingungen. Sie dienen der Eindämmung des Infektionsgeschehens und sind eine Voraussetzung für weitere Öffnungsszenarien“, sagte der Vorsitzende Jens Weichelt. „Wer nicht bereit ist, sich kontinuierlich testen zu lassen, kann auch nicht auf eine verlässliche Aufrechterhaltung des Schulbetriebs hoffen, geschweige denn auf weitere Öffnungsschritte.“

Weichelt verwies auf ein Beispiel aus Frankenberg. Wegen fünf aufgetretenen Infektionsfällen wurden am Montag am Martin-Luther-Gymnasium Tests bei Schülern und Schulpersonal angeordnet. „Nur wer sich testen ließ und ein negatives Ergebnis vorweisen konnte, durfte die Schule weiter besuchen“, hieß es. Durch die Tests wurden weitere Infektionsfälle festgestellt.

Auch das Kultusministerium sieht im Einsatz von Selbsttests für Schüler und Lehrer eine sehr gute Möglichkeit, Infektionen rechtzeitig zu erkennen. „Insofern streben wir den Einsatz von Selbsttests an Schulen an“, teilt Sprecher Dirk Reelfs mit. Bereits Ende Januar wurde an drei Schulen der Einsatz von Selbsttests geprobt. Damit seien „sehr gute Erfahrungen“ gemacht worden.

Eltern wollen weitere Öffnungen

Der Landeselternrat Sachsen forderte die Bereitstellung kostenfreier Testmöglichkeiten an den Schulen. Ein Test verhindere zwar nicht die Ansteckung, könne jedoch ein Mittel sein, um Schulen sicherer zu machen und Infektionsketten schnellstmöglich zu unterbrechen. „Priorität sollten hier Selbsttests haben“, teilte der Landeselternrat mit. Dadurch müsste kein medizinisches Personal gebunden werden oder die Kinder in die Testzentren fahren.

Die Eltern drängten auf weitere Schritte, um Schulöffnungen möglich zu machen. „Aus unserer Sicht sollte alles unternommen werden, was dazu beiträgt, die Schulen zeitnah oder zügig zu öffnen und gleichzeitig dem Schutz aller Beteiligten Rechnung zu tragen“, so der Landeselternrat.

Dazu gehören neben den Schnelltests auch mehr Eigenverantwortung der Schulen bei der Umsetzung von Unterricht im Wechselmodell, verbindliches Masketragen, zusätzliche Busse im Schülerverkehr und Raumluftfilteranlagen in den Klassenzimmern. Es gehe nicht darum, „Maximalforderungen aufzustellen und Präsenzunterricht um jeden Preis stattfinden zu lassen“, so der Landeselternrat. „Vielmehr geht es darum, intelligente Konzepte zu entwickeln, um Bildung und Infektionsschutz bestmöglich in Einklang zu bringen.“

Unterstützung von Linken und Grünen

Unterstützung kommt von der Linkspartei. „Jeder Tag ohne Präsenzunterricht ist einer zu viel, jeder Infektionsfall allerdings auch“, sagte Bildungspolitikerin Luise Neuhaus-Wartenberg. Deshalb falle die Abwägung zwischen Schulöffnung und Schulschließung so schwer. Sie warf Ministerpräsident Michael Kretschmer CDU) Insensibilität vor. Kretschmer hatte am Montag „quasi im Vorbeigehen“ verkündet, dass er nicht mit der Öffnung der weiterführenden Schulen vor Ende der Osterferien rechnet.

Angesichts der Infektionslage, wie etwa im Vogtland und in Nordsachsen, könne die Wiederaufnahme des Regelbetriebs keine Lösung sein, so Neuhaus-Wartenberg. Präsenzunterricht könne nur dort stattfinden, wo Hygienemaßnahmen konsequent umgesetzt werden können. „Wir müssen dafür sorgen, dass diese Möglichkeiten größer werden“, so die Linke-Politikerin.

Dazu brauche es „einen klugen und vor allem kreativen Mix“ aus vielen Maßnahmen. Dazu zählen die Förderung von Luftfilter, zusätzliche Busse und eine möglichst große Zahl an Selbst- und Schnelltests an den Schulen. Auch den Vorschlag des Landeselternrats, den Schulen mehr Freiraum bei der Gestaltung des Wechselmodells zu geben, unterstützt die Linkspartei.

Sachsens Grüne hatten ebenfalls gefordert, dass der Freistaat einen flächendeckenden, regelmäßigen Einsatz von Schnell- und Selbsttests in den Schulen sicherstellen, entsprechende Mengen beschaffen und Schülerinnen und Schülern sowie pädagogischem Personal kostenlos zur Verfügung stellen müsse.

Außerdem sollten alle Optionen ausgeschöpft werden – auch abseits des Schemas ‚Schule zu oder Schule auf‘. „Wir müssen vielmehr in Möglichkeiten denken“, sagte Bildungspolitikerin Christin Melcher (Grüne). Dazu zähle etwa die Bildung kleinerer Klassen und Gruppen, die sich nicht nur tage- oder wochenweise, sondern zum Beispiel auch am Vor- und Nachmittag im Präsenzunterricht in der Schule abwechseln könnten.

Gewerkschaft für Warten bis Ostern

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Die Bildungsgewerkschaft GEW betonte, dass es richtig sei, weiterführende Schulen erst nach Ostern zu öffnen. "Anstatt über Lockerungen zu diskutieren, sollten die aktuellen Maßnahmen überdacht und Perspektiven für die Zeit nach Ostern entwickelt werden: Die Grundschulklassen sind derzeit voll und nach dem Unterricht vermischen sich Kinder aus verschiedenen Schulen im Hort", so GEW-Chefin Uschi Kruse.

Ab einer Inzidenz von 100 im Landkreis sollten Kitas und Schulen laut GEW sofort schließen. Auch in Nordsachsen müsse diese Maßnahme vor dem 8. März ergriffen werden. Die Landesregierung erwägt eine Schließung erst zum 8. März.

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