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Sachsen

Was wird aus Sachsens Testzentren?

Im Frühjahr schossen Testzentren wie Pilze aus dem Boden. Nun gelten Lockerungen, die Zahl der Geimpften steigt. Was heißt das für die Teststellen?

Auch im Foyer der Schauburg in Dresden wird getestet. Für viele Clubs, Kinos und Kneipen, die coronabedingt schließen mussten, ist das Betreiben eines Testzentrums ein Ausweg.
Auch im Foyer der Schauburg in Dresden wird getestet. Für viele Clubs, Kinos und Kneipen, die coronabedingt schließen mussten, ist das Betreiben eines Testzentrums ein Ausweg. ©  dpa/Sebastian Kahnert

Dresden. Großer Andrang herrscht im Foyer des Filmtheaters Schauburg in der Dresdner Neustadt an diesem Nachmittag nicht. Immer mal wieder kommt ein Besucher zur Teststation, verschwindet hinter den aufgebauten Trennwänden. Seit April ist das Kino in dem Szeneviertel eins von hunderten Testzentren in Sachsen. Betreiber und Geschäftsführer Stefan Ostertag hat sich dazu entschlossen, um den über 30 Mitarbeitern eine Alternative während der monatelangen Schließzeit zu bieten - und zu helfen, die Pandemie zu überwinden. Zu Spitzenzeiten kamen mehr als 550 Menschen am Tag zum Testen, es gab lange Schlangen. Jetzt sind es zwischen 100 und 150.

Mit sinkenden Infektionszahlen, zunehmenden Lockerungen und immer mehr Geimpften sinkt die Nachfrage nach den Bürgertests - also Schnelltests, die für die Verbraucher kostenlos sind und vom Bund bezahlt werden. "Aber wenn in ein, zwei Monaten nach dem Urlaub alle zurückkommen, ist zu befürchten, dass es wieder anders wird", sagt der 44-Jährige. Während derzeit so manche Testzentren schließen, will Ostertag seine Station geöffnet lassen - parallel zum Kinobetrieb, der ab 1. Juli nach mehr als einem halben Jahr wieder anläuft. Seine Befürchtung, falls die Infektionszahlen wieder nach oben gehen: "Dann reiben sich alle die Augen, wenn die Testkapazitäten weg sind."

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Bedarf sieht Ostertag weiterhin: Für Konzerte, Musikclubs und Disco-Besuch sind Tests nach wie vor Pflicht. "Es wäre völliger Wahnsinn, das jetzt komplett einzustampfen". Der Aufbau habe viel Zeit und Mühe gekostet, Mitarbeiter mussten geschult werden. Zudem wisse niemand, was der Herbst bringt.

Stefan Ostertag, Geschäftsführer der Dresdner Schauburg
Stefan Ostertag, Geschäftsführer der Dresdner Schauburg © dpa/Sebastian Kahnert

Noch rund 900 Testzentren sind derzeit auf der Übersichtskarte des Gesundheitsministeriums sachsenweit registriert. Seit Anfang März können sich alle Bürger mehrfach pro Woche kostenlos testen lassen. Die Anzahl werde sich dem Bedarf anpassen, heißt es im Gesundheitsministerium. Mit der sinkenden Nachfrage werde "eine ganze Reihe" von Testzentren schließen, erwartet Ministerin Petra Köpping (SPD). Sie verwies auf die zahlreichen Testmöglichkeiten in Apotheken. Fall es im Herbst wieder gebraucht werde, könnten zügig wieder auch Testmöglichkeiten geschaffen werden. Sie jetzt vorzuhalten oder gar zu finanzieren, sei kaum möglich.

Auch Apotheken werden wohl einschränken

Neben privaten Betreibern und staatlichen Institutionen gehören Apotheken zu den wichtigsten Teststellen-Betreibern. Wegen sinkender Nachfrage geht der Sächsische Apothekerverband davon aus, dass ein Teil der Apotheken das Angebot einschränkt oder streicht. Wie in den vergangenen Monaten werden die Apotheken aber bei einer möglichen vierten Welle ihren Beitrag zur Eindämmung der Corona-Pandemie leisten, betonte Sprecherin Kathrin Quellmalz. Dann könnten Testangebote wieder hochgefahren werden. Der Apothekerverband Abda verwies darauf, dass der Bund weniger für Tests zahle als bisher und die Durchführung für viele Apotheken nicht mehr wirtschaftlich sei.

Laut Bundesgesundheitsministerium werden Vergütungen gesenkt, die bisher für Test und Sachkosten bei bis zu 18 Euro pro Test lagen. Für Sachkosten sollen ab 1. Juli pauschal 3,50 Euro gezahlt werden, für die Abnahme der Tests sollen künftig 8 Euro vergütet werden. Zudem sollen nach Verdachtsfällen auf Abrechnungsbetrug in Corona-Testzentren strengere Kontrollen greifen.

Für viele Clubs, Kinos und Kneipen, die coronabedingt schließen mussten, war das Testzentrum ein Ausweg, um die schwierige Zeit zu überbrücken. "Damit ist es uns gelungen, die Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zu holen", sagt Heiko Wasser, Chef des Westpark-Centers in Zittau, der sein Sportzentrum in der Corona-Krise zur Drive-In-Teststation umwandelte. Seit dem 14. Juni hat Wasser den Testbetrieb eingestellt, nun kann hier wieder Bowling oder Tennis gespielt werden. Immer mehr widmen sich angesichts der Lockerungen wieder ihrem Kerngeschäft. Auch der Escape-Room "Mission" in der Dresdner Neustadt bleibt nur noch bis diesen Freitag ein Testzentrum. "Dann bauen wir um und öffnen ab Juli wieder", so ein Mitarbeiter. Zuletzt seien immer weniger zum Testen gekommen.

Auch Ostertag hat mit der Umwandlung in ein Testzentrum viele seiner Mitarbeiter ein Stück weit aus der Kurzarbeit geholt. "Viele waren bereit, sich schulen zu lassen und sich zu engagieren." Ob er parallel beides betreiben kann - Kino und Testzentrum - hängt auch davon ab, ob Ostertag genügend Personal findet. Drei bis vier Leute braucht er pro Schicht allein für die drei Testkabinen. Hinzu kommt das Personal für den Einlass und den Verkauf von Kinokarten. Ähnlich wie in der Gastronomie sind Mitarbeiter derzeit nicht einfach zu finden. Viele haben sich während der Pandemie nach anderen Möglichkeiten umschauen müssen, betont Ostertag.

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Er will nun schauen, wie viele Menschen zum Testen kommen. Fest steht: Als Zuschussgeschäft kann er seine Station nicht bestreiten. "Da muss man abwägen, nicht nur das Personal muss ja bezahlt werden." Parallel hofft er auf viele Besucher in den Kinosälen ab Anfang Juli. Auch, wenn er weiß, dass er unter den aktuellen Hygienevorschriften seinen großen Saal nur etwa zu 30 Prozent füllen darf und Sommer nicht unbedingt Kinozeit ist. "Es war hart in der Corona-Krise und das wird es auch noch eine ganze Weile bleiben." (dpa)

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