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Sachsen

Modellprojekt in Augustusburg gestartet

Nach fünf Monaten Lockdown können sich Gäste in Augustusburg wieder einen Restaurantbesuch oder eine Übernachtung im Hotel gönnen.

Jörg Hammer und Uwe Schreier, Betreiber des Ausflugslokals «Rost`s Wiesen», sind auf Gäste vorbereitet.
Jörg Hammer und Uwe Schreier, Betreiber des Ausflugslokals «Rost`s Wiesen», sind auf Gäste vorbereitet. © dpa

Augustusburg. Im Ausflugslokal "Rost's Wiesen" klappern wieder die Teller. Für Geschäftsführer Uwe Schreier, der in Augustusburg auch ein Café betreibt, ist das Musik in den Ohren. "Es tut gut zu sehen, dass hier wieder Leben herrscht", sagte er am Freitag. Das Telefon habe sich "heiß geklingelt", weil Anrufer - vor allem aus dem Umland, aber auch aus Dresden und Plauen - sich am Osterwochenende einen Tisch sichern wollten. Nach fünf Monaten Lockdown haben seit 1. April wieder Restaurants und Hotels in der 4500 Einwohner zählenden Stadt im Landkreis Mittelsachsen für private Gäste geöffnet - als erste in Sachsen. Schreier: "Wir sind für jeden Strohhalm dankbar."

Möglich macht das ein Modellprojekt, an dem schon länger in Augustusburg gearbeitet wird. Doch erst am Mittwoch - einen Tag vor dem Start - gab das zuständige Landratsamt grünes Licht. "Das ist für Sachsen ein großes Hoffnungsprojekt", schwärmte Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) zum Auftakt. Auf diese Weise solle gezeigt werden, wie trotz des Virus Öffnungen im Zusammenspiel mit Tests und der Kontaktnachverfolgung möglich seien. Dulig sprach sich für eine kleine Zahl weiterer solcher Projekte aus und bedauerte, dass nicht auch in Oberwiesenthal das Gastgewerbe zu Ostern öffnen kann. Das Landratsamt des Erzgebirgskreises hatte das Projekt am Fichtelberg jüngst gestoppt.

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Zuletzt lag die Wocheninzidenz in Augustusburg nach Angaben von Bürgermeister Dirk Neubauer (SPD) rein rechnerisch über der Marke von 300 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb einer Woche. Konkret seien das 14 neue Fälle innerhalb von 7 Tagen. In Sachsen insgesamt lag die Inzidenz am Donnerstag und Freitag um den Wert von 190.

Augustusburg: Ein Mann lässt sich mit dem Beginn des Modellprojektes an einem Testcenter testen.
Augustusburg: Ein Mann lässt sich mit dem Beginn des Modellprojektes an einem Testcenter testen. © dpa-Zentralbild

Das Verfahren in Augustusburg funktioniert so: Die Gäste melden sich an und erhalten einen QR-Code, mit dem sie an dem System teilnehmen. Vor Ort absolvieren sie zu ihrem vorher gebuchten Termin einen kostenlosen Antigen-Test. Ist der negativ, wird der QR-Code ihre Eintrittskarte für Hotels und Gaststätten. Er wird jeweils beim Kommen und Gehen zur digitalen Kontaktnachverfolgung gescannt. Die Gäste müssen sich in den Lokalen weiterhin an die Hygiene-Regeln und Kontaktbeschränkungen halten. So dürfen in den Restaurants maximal fünf Personen aus zwei Hausständen an einem Tisch sitzen; Kinder werden dabei nicht mitgezählt - für sie ist auch der Test freiwillig.

Das Personal wird ebenfalls täglich getestet. Das Prinzip ist, dass nur negativ getestete und damit nicht infektiöse Menschen aufeinandertreffen. Zudem wird das Projekt von der Universität Mainz wissenschaftlich begleitet. Mit der Öffnung der Gastronomie - ab Dienstag soll auch der Besuch des markanten Renaissanceschlosses in der Stadt einbezogen werden - hofft Bürgermeister Neubauer auch auf einen Anreiz für die Menschen, sich testen zu lassen. Auf diese Weise könne die Dunkelziffer an Corona-Infektionen besser ausgeleuchtet werden, betonte er.

Mit dem Start zeigte sich Neubauer zufrieden. "Wir werden nicht überrannt, aber es gibt viele Reservierungen." So sei der Zustrom an Besuchern gut zu handhaben. Wie lange Hotels und Gaststätten in Augustusburg offen bleiben, ist jedoch ungewiss. Sollte die Zahl von 1300 Covid-19-Patienten auf Normalstationen in sächsischen Kliniken erreicht werden, wird das Projekt gestoppt. Das könnte nach Einschätzung von Experten schon nach Ostern so weit sein.

Dirk Neubauer (SPD), Bürgermeister von Augustusburg, steht vor dem Schloss.
Dirk Neubauer (SPD), Bürgermeister von Augustusburg, steht vor dem Schloss. © dpa-Zentralbild

Nach Ansicht des Hotel- und Gaststättenverbandes in Sachsen sind solche Projekte längst überfällig. "Die Unternehmen sind am Ende", konstatierte Hauptgeschäftsführer Axel Klein. Seinen Angaben nach gibt es hierzulande rund 9500 Betriebe im Gastgewerbe mit 52 000 dauerhaft Beschäftigten. "Wir gehen davon aus, dass - wenn Getestete auf Getestete treffen - das Risiko überschaubar ist."

Gastwirt Schreier jedenfalls ist froh, dass der Lockdown für ihn und seine Mitarbeiter vorerst vorbei ist. Die Zeit sei psychisch sehr belastend gewesen, bekannte er. Und doch ärgert er sich, dass er die Sommerrodelbahn an seinem Lokal noch geschlossen halten muss. "Das verfälscht doch den Test, wenn ich die nicht mit aufmachen darf." Wirtschaftsminister Dulig baut derweil auf einen Erfolg solcher Projekte. Ziel sei, dass die Menschen wieder Urlaub machen, in Gaststätten gehen und Theateraufführungen besuchen könnten, erklärte er: "Und bitte noch in diesem Sommer."

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