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Ehepaar in Dresdner Pflegeheim: Endlich geimpft!

Nach wochenlanger Quarantäne in einem Pflegeheim kann ein 96-jähriges Ehepaar endlich aufatmen.

Margarete und Rudolf Oelschlägel sind jetzt sicher vor einer Corona-Infektion. Die beiden 96-Jährigen wurden in dieser Woche in ihrem Dresdner Pflegeheim geimpft.
Margarete und Rudolf Oelschlägel sind jetzt sicher vor einer Corona-Infektion. Die beiden 96-Jährigen wurden in dieser Woche in ihrem Dresdner Pflegeheim geimpft. © privat

Sie haben gebangt und ihre Tochter hat für sie gekämpft. Nun haben sie den Wettlauf gegen die Zeit gewonnen. Ein 96-jähriges Ehepaar ist in dieser Woche gegen das Coronavirus geimpft worden. Aber auch das war auf den letzten Metern noch ein Kampf gegen bürokratische Hürden. „Meine Mutter war richtig happy, als sie endlich geimpft wurden“, sagt Tochter Christine Mangelsdorff.

Wochenlang hatten ihre Eltern Margarete und Rudolf Oelschlägel im Pro-Seniore-Heim in der Dresdner Johannstadt wegen eines Corona-Ausbruchs in Quarantäne ausgeharrt, die Anfang Dezember verhängt worden war. Der Hausarzt hat die persönliche Betreuung durch die Tochter als wichtig für den Vater klassifiziert und ihn damit Palliativpatienten gleichgestellt. Deshalb durfte Christine Mangelsdorf ihre Eltern immer noch alle zwei Tage im Schutzanzug besuchen und mit dem demenzkranken Vater sprechen und ihn füttern.

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Dutzende Mitbewohner waren seit Anfang Dezember in der Einrichtung gestorben. Nach all den warmen Worten der Politik, man müsse „die alte Generation“ schützen, waren die Impfungen zum Jahreswechsel zunächst nur schleppend angelaufen, ein avisierter Besuch des Impfteams Anfang Januar wurde postwendend wieder abgesagt – wegen der Coronafälle in dem Heim. Christine Mangelsdorff schrieb an das Deutsche Rote Kreuz (DRK), an das Sozialministerium und den Ministerpräsidenten und forderte die Einlösung des Versprechens, das die Politik gegenüber der Kriegsgeneration gemacht hat.

Impfung gut vertragen

An diesem Mittwoch war es dann so weit. Das mobile Impfteam von DRK und der Kassenärztlichen Vereinigung hat das Heim einmal von unten nach oben durchgeimpft. Die Wohnetage im Pflegeheim war da schon nicht mehr unter Quarantäne. Zunächst sei ihre Mutter geimpft worden, sagt Christine Mangelsdorff. Als dann der Vater drankommen sollte, habe der Arzt dies zunächst verweigert – mit Verweis auf den palliativ-ähnlichen Status des Vaters. Es brauchte noch einen letzten kleinen Kampf.

Nach einem Gespräch mit der Heimleitung erklärte sich der Arzt dann doch noch bereit, den Vater ebenfalls zu impfen. „Wenn bei Paaren nur einer geimpft wird, dann hat der andere weiterhin das Risiko, sich anzustecken“, sagt Mangelsdorff. „Das kann man doch keinem erklären.“ Auch der Vater habe die Impfung gut und ohne Komplikationen vertragen. Sie hoffe, sagt sie, dass dies nicht überall so gehandhabt wird. Wenn Angehörige in solch einem Moment nicht dabei sind, könnten sie sich kaum gegen eine derartige ärztliche Entscheidung wehren.

Mit Eierlikör angestoßen

„Am Ende ist alles gutgegangen, es gab nicht einmal Schmerzen im Arm nach der Spritze“, sagt Christine Mangelsdorff. „Damit kann meine Mutter endlich auch wieder sicher vor die Tür.“ Mutter und Tochter haben mit einem kleinen Schluck Eierlikör auf die geglückte Impfung angestoßen.

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Den Eierlikör hatte die Seniorin zwei Tage zuvor beim Discounter um die Ecke selbst gekauft. „Sie hat sich wie ein Kind gefreut, endlich mal wieder draußen zu sein und Schokoküsse, Knabbermöhren und den Eierlikör in unseren Einkaufswagen gelegt.“ Nur: Die Süßigkeiten müssen noch bis zum zweiten Zahnarztbesuch warten. Die Angst vor einer Corona-Infektion, sie ist weg – und das ist wohl das wichtigste Stück Lebensqualität, was die beiden Hochbetagten derzeit bekommen können. Mitte/Ende Februar sollen Margarete und Rudolf Oelschlägel die zweite Impfdosis bekommen.

Christine Mangelsdorff hofft, dass auch die Senioren in all den anderen Heimen nun schnell drankommen. Weil die Impfung auch ein Stück Hoffnung ist.

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