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Sachsen gegen Unterricht im Wechselmodell

Am Mittwoch wollen Bund und Länder über das weitere Vorgehen an Schulen beraten. Weitere Studienergebnisse bestätigen: Schulen sind keine Hotspots.

Volle Klassenzimmer trotz Corona: In Sachsen sollen die Schüler so lange wie möglich im Regelbetrieb unterrichtet werden.
Volle Klassenzimmer trotz Corona: In Sachsen sollen die Schüler so lange wie möglich im Regelbetrieb unterrichtet werden. © dpa

Dresden. Sachsens Kultusminister hat vor einem leichtfertigen Übergang zum Unterricht im Wechselmodell gewarnt. „Die Schulen als einen außer Kontrolle geratenen Problembereich zu stigmatisieren, um einen Schulbetrieb mit halbierten Klassen zu fordern, entsetzen mich“, sagte Christian Piwarz (CDU) vor den nächsten Beratungen der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin zur Corona-Situation.

Die Forderung nach eingeschränktem Schulbetrieb möge aus epidemiologischer Sicht verständlich sein, „aber aus pädagogischer Sicht wäre dies verheerend“, so Piwarz. „Wer Wechselunterricht fordert, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, eine verlorene Schülergeneration heranzuziehen.“ Wissens- und Kompetenzdefizite ließen sich kaum mehr aufholen. Der Unterricht in geteilten Klassen, die zwischen Präsenz- und Digitalzeit wechseln, kann deswegen „nur eine vorübergehende Notlösung“ sein. „Ich kann mir ein Wechselmodell nur bei besonderen Inzidenzlagen und nur für einen streng befristeten Zeitraum vorstellen“, so Piwarz.

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Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat bereits im Vorfeld der Beratungen deutlich gemacht, dass er an dem Thema Schulen nicht rütteln möchte. Kretschmer sei es wichtig, dass die Schulen geöffnet blieben, hieß es.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat vorgeschlagen, dass beim Auftreten eines Infektionsfalls umgehend die betroffene Klasse in häusliche Isolation geschickt werden soll. Nach negativen Schnelltests am fünften Tag könnten die Schüler wieder in die Schule zurückkehren. Piwarz findet die Idee unterstützenswert. „Wenn wir damit ein Wechselmodell verhindern können, kann uns das nur recht sein – vorausgesetzt die Testkapazitäten sind vorhanden“, sagt der Minister.

Schulschließungen als letztes Mittel

Sachsens Kultusministerium sieht seinen Kurs auch von der Wissenschaft bestätigt: Schulen seien keine Hotspots der Pandemie . Am Montag wurden Ergebnisse der zweiten Testphase der Studie der Medizinischen Fakultät der TU Dresden und des Dresdner Universitätsklinikums zur Verbreitung des Coronavirus an sächsischen Schulen veröffentlicht. Auch zwischen Mai und Oktober habe es keine unerkannten Infektionen an den untersuchten Schulen gegeben, hieß es.

Die Mediziner hatten im Auftrag von Sachsens Regierung nach Wiedereröffnung der Schulen im Mai sowie vor den Herbstferien mehr als 2.000 Blutproben von Schülern im Alter von 15 Jahren sowie von Lehrern an 13 weiterführenden Schulen in Dresden und Ostsachsen untersucht. In zwölf Proben wurden Antikörper als Hinweis auf eine überstandene Corona-Infektion nachgewiesen – genauso viele wie im Frühjahr. Die Daten zeigten, dass der Nachweis von Antikörpern bei den Jugendlichen zumindest bis zu den Herbstferien sehr gering sei, so Studienleiter Professor Reinhard Berner. „Das ist umso bemerkenswerter, da sich in diesem Zeitraum die Infektionszahlen in Sachsen verdoppelt haben.“

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Angesichts steigender Infektionszahlen insgesamt werden auch die Infektionen unter Schülern und Lehrern steigen. Die Daten legten aber nahe, „dass nicht die Schulen als Quelle und Ausbreitungsort der Pandemie fungieren“, sagt Jakob Armann, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Schulschließungen seien daher allenfalls als letztes Mittel anzusehen. „Vielmehr bedarf es einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung, Infektionsketten in der Bevölkerung insbesondere außerhalb der Schulen zu vermeiden.“

Auch die Leipziger Universität hatte die Häufigkeit von Corona-Infektionen an sächsischen Schulen untersucht und war zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen.

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