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GEW für Unterricht in geteilten Klassen

Sachsens Kultusminister Piwarz will trotz angespannter Corona-Lage beim Normalbetrieb in Schulen bleiben. Warum das in den Lehrerzimmern umstritten ist.

Volle Klassen: Für mehr Infektionsschutz plädieren die Lehrer dafür, die Klassen zu teilen und abwechselnd in der Schule und Zuhause zu unterrichten.
Volle Klassen: Für mehr Infektionsschutz plädieren die Lehrer dafür, die Klassen zu teilen und abwechselnd in der Schule und Zuhause zu unterrichten. © dpa

Dresden. Auch an Sachsens Schulen steigt die Zahl der Infektionsfälle mit dem Coronavirus. Nach einer Umfrage der Bildungsgewerkschaft GEW halten es 86 Prozent der Lehrer deswegen für den richtigen Weg, zu kleineren Gruppen überzugehen. Mehr als zwei Drittel sprachen sich für gestaffelten Unterricht aus.

„Das ist ein starkes Plädoyer der Pädagoginnen und Pädagogen für die Teilung der Klassen“, sagte Sachsens GEW-Vorsitzende Uschi Kruse. „Es ist aus pädagogischer Sicht möglich und der richtige Weg für die dringend notwendige Verstärkung des Infektionsschutzes an Schulen.“ Dabei sollten die Schulen vor Ort entscheiden, wie sie den Unterricht im Wechsel zwischen Präsenz- und Digitalzeit organisieren.

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Drei Viertel der Befragten gaben an, dass der Schulbetrieb seit den Sommerferien gut lief. Allerdings fühlte sich die Hälfte der Lehrer von ihrem Arbeitgeber nicht gut geschützt. „Ein alarmierendes Zeichen“, sagte Kruse. An der Befragung nahmen vom 12. bis 22. November 1.011 sächsische Lehrkräfte aller Schularten teil.

Sachsens Kultusminister hatte vor einem leichtfertigen Übergang zum Unterricht im Wechselmodell gewarnt. Die Forderung nach eingeschränktem Schulbetrieb möge aus epidemiologischer Sicht verständlich sein, „aber aus pädagogischer Sicht wäre dies verheerend“, sagte Christian Piwarz (CDU). „Wer Wechselunterricht fordert, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, eine verlorene Schülergeneration heranzuziehen.“ Wissens- und Kompetenzdefizite ließen sich kaum mehr aufholen. Der Unterricht in geteilten Klassen, die zwischen Präsenz- und Digitalzeit wechseln, kann deswegen „nur eine vorübergehende Notlösung“ sein. „Ich kann mir ein Wechselmodell nur bei besonderen Inzidenzlagen und nur für einen streng befristeten Zeitraum vorstellen“, so Piwarz.

Digitaler Unterricht nicht optimal

Der sächsische Lehrerverband spricht sich dafür aus, dass die Schulen auch während der zweiten Welle der Corona-Pandemie geöffnet bleiben. Darin sehen die Lehrerinnen und Lehrer die optimale Möglichkeit zur Erfüllung des Bildungs- und Erziehungsauftrags sowie der Kompensation von Defiziten, die durch den Lockdown im Frühjahr entstanden sind, teilte der Verband mit.

Nach einer Mitgliederbefragung mit 2.300 Teilnehmern befürwortet der Lehrerverband regionale Regelungen statt einer allgemeinen Schulschließung oder Klassenteilung. Je nach Infektionsgeschehen sollten sowohl ein Normalbetrieb mit Unterricht nach regulärem Stundenplan als auch ein eingeschränkter Regelbetrieb mit Klassen- und Gruppentrennung möglich sein, hieß es. „Ein flächendeckender Schulbetrieb mit halben Klassen, wie er vom 18. Mai bis zum Schuljahresende ab Klassenstufe 5 praktiziert wurde, findet unter den befragten Lehrkräften keine mehrheitliche Zustimmung.“

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