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So sollen die Schulen in Sachsen wieder öffnen

Testpflicht, Wechselunterricht, erneute Schließungen: Alle Schüler sollen ab 15. März wieder Präsenzunterricht bekommen. Ein Überblick.

Bald sollen auch die Schüler der weiterführenden Schulen wieder in ihre Einrichtungen zurückkehren.
Bald sollen auch die Schüler der weiterführenden Schulen wieder in ihre Einrichtungen zurückkehren. © dpa-Zentralbild/Robert Michael

Dresden. Zurück in die Schule: Unter der Beachtung strenger Hygieneregeln sollen die Schulen schrittweise wieder für alle geöffnet werden. Bisher haben nur die Abschlussklassen an Gymnasien, Ober- und Berufsschulen sowie Grund- und Förderschüler in der Primarstufe Präsenzunterricht. Kultusminister Christian Piwarz (CDU) sagte, dass der Schritt aus pädagogischen Gründen „mehr als notwendig“ sei. „Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich hier um Schüler handelt, die drei Monate lang keine Schule von innen gesehen haben.“

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte kürzlich erklärt, dass er nicht mit Präsenzunterricht an weiterführenden Schulen vor Ende der Osterferien rechnet. Das hatte für Kritik gesorgt. Die nun geplante Öffnung begründete er mit der Priorität der Bildung. Sein Weg wäre aber ein anderer gewesen: „Ich hätte mir gewünscht, dass wir die Dinge erstmal zusammenhalten.“ Wenn nun aber Baumärkte öffnen, sei es niemandem zu erklären, dass die Schulen immer noch geschlossen sind. „Das ist die Mehrheit, und das muss man auch respektieren“, sagte Kretschmer.

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„Es ist richtig, jetzt weitere vorsichtige Schritte bei der Schulöffnung zu planen“, sagte SPD-Bildungspolitikerin Sabine Friedel. „Für die Kinder und Jugendlichen wird so eine große seelische Belastung gemildert. Sie freuen sich, genauso wie die Lehrkräfte, auf den persönlichen Kontakt.“ Auch die Grünen begrüßten die geplanten Öffnungen der weiterführenden Schulen. „Diese Öffnung ist nur verantwortbar mit Tests von Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften“, sagte Umweltminister Wolfram Günther.

Wann öffnen weitere Schulen?

Im nächsten Schritt werden zunächst ab dem 10. März die Förderschulen für die Schülerinnen und Schüler oberhalb der Primarstufe geöffnet. Mit der Öffnung am Mittwoch statt Montag will das Kultusministerium den Schulen Zeit zur Vorbereitung geben. Der Unterricht findet wie auch in den Grundschulen im eingeschränkten Regelbetrieb in streng voneinander getrennten, festen Klassen und Gruppen statt. Da die Schülerzahl in den Förderschulen nicht so groß ist, könnten Abstände in den Klassenzimmern eingehalten werden, sagte Kultusminister Christian Piwarz (CDU). Gerade für Förderschüler sei der Kontakt zwischen Lehrern und Kindern wichtig.

Wie soll der Unterricht ablaufen?

Ab dem 15. März werden die übrigen weiterführenden Schulen für alle Schülerinnen und Schüler geöffnet. Der Unterricht an Oberschulen, Gymnasien und Berufsschulen findet im Wechselmodell statt. Die Klassen werden geteilt, eine Hälfte lernt in der Schule, die andere zu Hause. Ob tage- oder wochenweise gewechselt wird, entscheiden die Schulen je nach den örtlichen Gegebenheiten.

Gibt es eine Testpflicht?

Ja, ab dem 15. März ist Personen der Zutritt zum Gelände der Schulen untersagt, wenn sie nicht durch eine ärztliche Bescheinigung oder durch einen Test auf das Coronavirus nachweisen können, dass keine Infektion besteht. Ausgenommen sind Grundschüler.

Das Kultusministerium ist derzeit dabei, Selbsttests in ausreichender Menge zu beschaffen. Ab der Klassenstufe 5 sollen sich Schülerinnen und Schüler dann einmal pro Woche auf das Coronavirus testen, Lehrkräfte und weiteres Schulpersonal zweimal die Woche. Der Test soll an der Schule durchgeführt werden, dabei werden einfache Selbsttests eingesetzt, parallel können aber auch Schnelltests durch geschultes Personal stattfinden. Alternativ kann auch ein aktueller Testnachweis vorgezeigt werden, der nicht älter als drei Tage ist.

Bei einem positiven Testergebnis findet der Unterricht in Distanz statt, in dem Fall muss eine schriftliche Abmeldung erfolgen.

Die Teilnahme am Präsenzunterricht ist nur mit der Vorlage eines negativen Tests möglich. Ein Bußgeld sei aber nicht geplant. Der Unterricht findet dann nur in Distanz statt. Die Schüler müssen sich in dem Fall schriftlich abmelden und verbringen ihre Lernzeit zuhause.

Die Tests in den Förderschulen am 10. März sollen noch durch medizinisch geschultes Personal mit Schnelltests durchgeführt werden.

Müssen die Schüler eine Maske tragen?

Ja. Alle Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, sonstiges Personal und Eltern müssen auf dem Gelände der Schule und im Schulgebäude eine medizinische Maske tragen. Von der Maskenpflicht im Unterrichtsraum ausgenommen sind nur Grund- und Förderschüler.

Wann müssen die Schulen wieder schließen?

Der Grenzwert liegt weiterhin bei 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Wird der Wert in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt fünf Tage lang überschritten, müssen Kindertageseinrichtungen und Schulen wieder schließen. Das ist derzeit im Vogtlandkreis der Fall. In der Region sind auch weitere Schulöffnungen derzeit nicht wahrscheinlich. "Es erscheint mir nicht realistisch, dass wir bis zum 15. März im Vogtland bei einer Inzidenz unter 100 sind", sagte Kultusminister Christian Piwarz.

Nach der neuen Corona-Verordnung soll es Ausnahmen geben, wenn es "einen konkreten Hotspot gibt, der mit dem Infektionsgeschehen an Schule und Kitas nicht zusammenhängt oder sich abzeichnet, dass die Infektionszahl sinkt". Im Landkreis Nordsachen bleiben Schulen und Kitas deswegen trotz anhaltend hoher Inzidenzwerte weithin geöffnet, teilte das Kultusministerium am Freitag mit. An den Schulen dort gebe es kaum Infektionen. In dieser Woche wurden 15 Infektionen an Schulen in Nordsachen festgestellt, darunter 12 bei Schülern und 3 bei Lehrern, so das Ministerium.

Der Präsenzunterricht an Schulen und die Kindertagesbetreuung kann wiederaufgenommen werden, wenn der 100-er Inzidenzwert an fünf Tagen unterschritten wird.

Wie reagieren die Lehrer?

Der sächsische Lehrerverband begrüßte die Öffnung weiterer Schulen. Aus pädagogischer Perspektive sei das ein wichtiger Schritt für alle Schülerinnen und Schüler. "Gleichzeitig müssen der Gesundheitsschutz und die strikte Beachtung des Infektionsgeschehens aber weiterhin oberste Priorität besitzen", sagte der Landesvorsitzende Jens Weichelt. Neben den verpflichtenden Coronatests seien Impfangebote für alle Lehrkräfte ein wichtiger Baustein für mehr Sicherheit im Schulbetrieb.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft warnte vor großen Risiken durch die geplante Öffnung der Schulen noch vor Ostern. Am Freitag verwies Landeschefin Uschi Kruse auf wieder steigende Infektionszahlen und geplante Öffnungen auch in anderen Bereichen. "Wenn wir offen oder hinter vorgehaltener Hand die konsequente Corona-Bekämpfung aufgeben, dann schließt schlichtweg das Virus die Schulen und Kindertagesstätten."

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Aus Sicht der Gewerkschaft wäre es besser, mit der Öffnung der weiterführenden Schulen bis nach Ostern zu warten. "Einschließlich der Ferien vor und nach dem Fest wären vier kontaktarme Wochen entstanden, die nun realistisch betrachtet gegen fünf Unterrichtstage in Präsenz getauscht werden", hieß es.

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