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So bereitet sich Sachsen auf den Corona-Herbst vor

Gesundheitsämter, Testkonzepte, Impfaktionen: Sachsen will einen erneuten Lockdown in der vierten Corona-Welle unbedingt vermeiden. Ein Überblick.

Coronatests - wie hier bei Reiserückkehrern am Flughafen Dresden - werden auch im Herbst eine große Rolle spielen.
Coronatests - wie hier bei Reiserückkehrern am Flughafen Dresden - werden auch im Herbst eine große Rolle spielen. © Sven Ellger

Dresden. Sachsens Regierung hat erstmals ein Konzept erarbeitet, um sich auf den Herbst und eine mögliche vierte Corona-Welle vorzubereiten. Ziel sei, dass es auch bei steigenden Erkrankungszahlen keinen weiteren Lockdown gebe, sagte Gesundheitsstaatssekretärin Dagmar Neukirch (SPD) am Dienstag nach der Kabinettssitzung. Schulen und Kitas sollen möglichst offenbleiben und auch auf beschränkende Maßnahmen für die Wirtschaft soll möglichst verzichtet werden.

Der beschlossene Herbst-Plan sei "ein Hausaufgabenheft für jedes Ressort". Hier die wichtigsten Punkte im Überblick:

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Inzidenz als Parameter

Sachsen hat am Dienstag die bestehenden Corona-Regeln unverändert bis zum 25. August verlängert. Bis dahin gebe es verschiedene Bund-Länder-Gespräche, etwa zur Neubewertung des Inzidenzwerts auch abhängig von der Impfquote, sagte Gesundheitsstaatssekretärin Dagmar Neukirch. Die bundeseinheitliche Regelung dazu werde vom Robert Koch-Institut derzeit erarbeitet und soll bis Anfang/Mitte August vorliegen. Die Inzidenz bleibe aber weiterhin ein wichtiger Wert, so Neukirch.

Gesundheitsämter

Die Kommunen sollen für die Gesundheitsämter einen Stufenplan erstellen, wie bei steigenden Infektionszahlen das Personal aufgestockt werden muss. Ziel ist eine Kontaktnachverfolgung innerhalb von 24 Stunden. Auch die digitale Infrastruktur soll ausgebaut werden. Testverpflichtungen und Quarantäneanordnungen müssen von den Gesundheits- und Ordnungsämtern deutlich intensiver kontrolliert werden.

Impfen

Das Impfen sei "das A und O, um die mögliche vierte Welle ohne Schließungen und ohne Beeinträchtigung des normalen Lebens bewältigen zu können", sagte Neukirch. Die 13 Impfzentren bleiben bis Ende September geöffnet und die mobilen Teams im Einsatz. Die 30 Teams sollen gezielt in Betriebe oder zu Events fahren, wie etwa die Impfaktion im Stadion des FC Erzgebirge-Aue. „Wir müssen aktiv werben, informieren und animieren“, sagte Neukirch. Dafür sei eine Zusammenarbeit mit den Bürgermeistern und Unternehmen vor Ort nötig. Eine Idee ist auch, Familienimpfen in den Zentren anzubieten – dazu laufen Absprachen mit dem DRK.

Corona-Tests

Die Kommunen müssen sich darauf vorbereiten, die Infrastruktur der Testzentren für Bürgertests schnell wieder hochfahren zu können. Bei Bedarf sollen Corona-Tests auch bei Apotheken und Zahnärzten möglich sein. Bei Inzidenzen über 35 sind weiterhin verpflichtende Tests etwa im Einzelhandel, im Dienstleistungsbereich oder in der Verwaltung vorgesehen. Auch für die Schulen, die Pflegeeinrichtungen und den Sozial- und Beratungsbereich muss es Testkonzepte geben. Reiserückkehrer müssen ab 26. Juli einen negativen Corona-Test vorlegen, wenn sie an den Arbeitsplatz zurückkehren.

Krankenhäuser & Pflegeeinrichtungen

Das Sozialministerium wird weiterhin die Lage in den benachbarten Ländern beobachten. Auch die Koordination mit den Krankenhäusern soll fortgesetzt werden, damit die Regierung eine Prognose für die Zahl der Covid-19-Patienten in den nächsten 14 Tagen hat. Mit den Pflegeheimen gibt es Absprachen – vor allem dazu, die Impfquoten von Personal und Bewohnern zu erhöhen und die Hygienekonzepte daran anzupassen.

Notreserve für Schutzausrüstung

Nach den Erfahrungen im vergangenen Jahr hat der Freistaat eine Notreserve an Testkits und Schutzausrüstung angelegt, unter anderem hat Sachsen 600.000 Schnelltests auf Lager. Diese könnten den Kommunen bei regionalen Ausbrüchen schnell zu Verfügung gestellt werden.

Schulen und Kitas

Sachsen will flächendeckende Schul- und Kitaschließungen auf jeden Fall vermeiden, nach den Sommerferien soll der reguläre Schulbetrieb sichergestellt werden. Zu Beginn des neuen Schuljahrs wird es weiter verpflichtende Corona-Tests in den Schulen geben. Lehrer, Schulleitungen und -personal werden in der Woche vor Schulbeginn zweimal getestet, die Schüler dann in den ersten zwei Schulwochen ebenfalls. In Landkreisen mit Inzidenz über 10 finden die Tests dreimal pro Woche statt.

Außerdem wird für die ersten beiden Schulwochen für alle Schüler eine Maskenpflicht angeordnet. Diese gilt ab Klasse 5 auch im Unterricht, wenn der Inzidenzwert über 10 liegt. Danach gilt wie jetzt eine Maskenpflicht bei Inzidenz über 35.

Nach der Corona-Schutzverordnung ist Präsenzunterricht bis zu einer Inzidenz von 100 vorgesehen. Steigen die Infektionszahlen darüber, werden die Schüler an weiterführenden Schulen wieder im Wechselmodell unterrichtet, Kitas und Grundschulen gehen in den eingeschränkten Regelbetrieb.

Die Kommunen sollen auch prüfen, wo mobile Luftfilter zum Einsatz kommen könnten. Dabei müssen aber bestimmte Bedingungen erfüllt sein: Nach den Empfehlungen des Umweltbundesamtes sind mobile Luftfilter nur in solchen Räumen sinnvoll, die sonst schlecht gelüftet werden können. Außerdem fördert der Bund nur Anlagen in Einrichtungen für Kinder unter 12 Jahren.

Im Podcast "Politik in Sachsen" hatte sich Kultusminister Christian Piwarz kürzlich skeptisch zu mobilen Luftfiltern geäußert:

Hochschulen

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Auch für die Hochschulen soll ein Testkonzept entwickelt werden. Das muss mit der Landesrektorenkonferenz abgestimmt werden. Es könnte etwa verpflichtende Tests für Studenten zu Semesterbeginn vorsehen, damit Präsenzveranstaltungen stattfinden können. Möglich sind auch eigene Impfzentren für die Studenten, wie etwa an der Hochschule Mittweida.

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