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Sachsen gibt Astrazeneca für alle frei

Impfungen mit Astrazeneca sind nun für jeden in einer Arztpraxis möglich. Ab Mittwoch sind außerdem Impftermine für die dritte Gruppe buchbar. Ein Überblick.

Ab sofort können mehr Menschen in Sachsen geimpft werden.
Ab sofort können mehr Menschen in Sachsen geimpft werden. © María José López/Europa Press/dpa

Dresden. Sachsen komme beim Impfen „gut“ voran, sagte Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Dienstag. "Das hohe Infektionsgeschehen in Sachsen macht eine breite Durchimpfung nötig." Bislang gebe es kein anderes Bundesland, das Impfungen für die Prioritätengruppe 3 im ganzen Bundesland geöffnet habe.

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Welche Gruppen sind künftig anspruchsberechtigt?

Sachsen hat die Impfgruppen erheblich ausgeweitet. Gesundheitsministerin Köpping teilte mit, dass ab sofort jeder Impfwillige einen Anspruch auf eine Impfung mit Astrazeneca hat – unabhängig vom Alter und einer Priorisierung. Allerdings müssen die unter 60-Jährigen, die diesen Impfstoff bekommen wollen, zu einem Arzt gehen und sich dort beraten lassen. Nur, wenn der Hausarzt zustimmt und kein Thromboserisiko vorliegt, ist eine Impfung für Jüngere möglich.

Wann ist die nächste Prioritätengruppe an der Reihe?

In Sachsen können sich beim Hausarzt ab sofort auch alle Menschen impfen lassen, die der Priorisierungsgruppe 3 angehören. „Mit dieser Gruppe können wir mehr als 60 Prozent der Bevölkerung ein Impfangebot machen“, sagte Köpping. Ab Mittwochabend werden für diese Gruppe auch Termine im Impfportal des Freistaats freigeschaltet. Die Impf-Verordnung zählt dazu Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, Mitglieder von Verfassungsorganen, also Minister und Abgeordnete, Polizei, Feuerwehr und Bundeswehr sowie Beschäftigte in Unternehmen der „kritische Infrastruktur“.

Bei welchen Vorerkrankungen ist eine Impfung möglich?

Geimpft werden können Menschen, bei denen ein erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus besteht. Zu den Krankheiten zählen unter anderem Krebserkrankungen, Asthma, Herzinsuffizienz, Immunschwäche, Darmerkrankungen, Diabetes und Adipositas.

Welche Berufe gehören zur „kritischen Infrastruktur“?

Zu der Gruppe mit erhöhter Priorität zählen relevante Mitarbeiter von Unternehmen und Branchen der kritischen Infrastruktur. Die sächsische Impfverordnung nennt unter anderem Telekommunikation, IT-Infrastruktur, Post, Energieversorgung, Tankstellen und Mineralölunternehmen, Wasserversorgung, Abwasserbeseitigung und Abfallwirtschaft, öffentlicher Personennahverkehr, Flughäfen, Presse, Banken, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, Ernährungs- und Landwirtschaft, Lebensmittelhandel, Transport und Logistik zur Sicherstellung des täglichen Bedarfs sowie das Personal der Kranken- und Pflegekassen sowie deren Verbände.

Welche Impfstoffe werden in den Impfzentren eingesetzt?

In allen Impfzentren werden allen Altersgruppen die Vakzine von Biontech und Moderna angeboten. Erstimpfungstermine mit Astrazeneca gibt es aufgrund geringerer Liefermengen und aus logistischen Gründen nur in den Impfzentren Dresden, Leipzig und Chemnitz. Menschen ab 60 Jahre bekommen auch weiterhin bevorzugt Astrazeneca angeboten. Ist dieser im Impfzentrum nicht verfügbar, kommt ein anderer Impfstoff zum Einsatz.

Erst- und Zweitimpfungen sollen am gleichen Ort stattfinden. Unter-60-Jährige, die in einem Impfzentrum mit Astrazeneca geimpft wurden, bekommen derzeit nach Angaben des Gesundheitsministeriums Biontech als Zweitimpfung. Wurde die Erstimpfung bei einem Hausarzt durchgeführt, können Jüngere nach Beratung und Abwägung gemeinsam mit dem Arzt auch Astrazeneca für die Zweitimpfung bekommen.

Wie geht es mit den Impfungen weiter?

Die 13 Impfzentren sind vorerst nur bis 30. Juni in Betrieb, sagte Köpping. Danach soll der Schwerpunkt der Impfungen an die Arztpraxen übergehen. Dagegen gibt es Widerstand. So hat sich etwa der Sebnitzer Oberbürgermeister Mike Ruckh in einem Brief an Ministerpräsident Michael Kretschmer (beide CDU) gegen eine Schließung des Pirnaer Impfzentrums noch im Juni ausgesprochen. Die Schließung des Impfzentrums in Pirna hätte jedoch schon erheblich früher Auswirkungen auf die Impftermine, so der Sebnitzer Oberbürgermeister.

Gesundheitsministerin Petra Köpping kündigte an, dass Sachsens Kabinett in der nächsten Woche entscheiden will, ob und welche Impfzentren auch nach dem 1. Juli in Betrieb sind und wie es mit den 30 mobilen Impfteams weitergeht. Auch Betriebsärzte und medizinische Versorgungszentren sollen Impfungen durchführen.

Wie viele Menschen haben sich impfen lassen?

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Die Impfquote ist bei Erstimpfungen in Sachsen auf 19,9 Prozent gestiegen. 7,3 Prozent sind vollständig immunisiert. Von dem bisherigen Rekordwert von fast 39.000 Impfungen am 14. April ist Sachsen aber derzeit weit entfernt. Am Dienstag haben in den Impfzentren, den mobilen Teams und bei den Hausärzten knapp 17.000 Menschen ihre erste Dosis erhalten.

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