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So sehen Firmenchefs die nächsten Wochen

Die Konjunktur-Umfrage zeigt: Händler sind optimistisch wie vor Corona. Doch manche Branchen in Sachsen haben neue Sorgen.

Sachsens Wirtschaft kämpft gegen die Corona-Folgen. Mit Investitionen sind derzeit viele Firmen vorsichtig.
Sachsens Wirtschaft kämpft gegen die Corona-Folgen. Mit Investitionen sind derzeit viele Firmen vorsichtig. © imago images

So unterschiedlich sind die Aussichten in Sachsens Wirtschaft: Für viele Betriebe im Gast- und Tourismusgewerbe werden die kommenden Monate zum „Überlebenskampf“, schreiben die sächsischen Industrie- und Handelskammern (IHK) in ihrer Auswertung der jüngsten Konjunktur-Umfrage. Dagegen haben sich die Prognosen der Einzel- und Großhändler deutlich verbessert und liegen „wieder auf Vor-Corona-Niveau“. Im Verkehrsgewerbe ist die Lage besser als im Frühjahr, aber die Erwartungen sind skeptisch – wegen Reisebeschränkungen und des Einbruchs bei wichtigen Kunden aus der Industrie.

In dieser Umfrage sind viele Branchen berücksichtigt worden: 1.857 Unternehmen aus ganz Sachsen nahmen teil. Allerdings machten die Firmenchefs ihre Kreuze im Zeitraum 1. bis 25. September. Die jüngsten Einschränkungen durch Corona können sich in diesem Stimmungsbarometer also noch nicht zeigen. Die zweite Infektionswelle in Deutschland und europäischen Partnerländern könne die Erholung erheblich gefährden, schreiben die Kammern. Die konjunkturelle Talsohle nach dem Lockdown vom Frühjahr sei aber durchschritten: Der IHK-Geschäftsklimaindex der sächsischen Wirtschaft war im Frühjahr auf 77 Punkte abgestürzt und ist nun auf 103 Punkte gestiegen. Der höchste Wert war 138 Punkte zu Anfang 2018, nach neun Jahren Aufschwung.

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Zuversicht kehrt langsam zurück

Mit der Lockerung der Corona-Maßnahmen standen die Zeichen für Sachsens Wirtschaft im September auf Erholung: In der Umfrage beurteilen 40 Prozent der sächsischen Unternehmen ihre Geschäftslage als gut und 22 Prozent als schlecht. In allen befragten Wirtschaftsbereichen bewegen sich die Lageeinschätzungen wieder im positiven Bereich – außer im Gast- und Tourismusgewerbe.

Auch die Geschäftserwartungen haben sich seit dem Corona-Schock im Frühjahr aufgehellt. „Die Zuversicht kehrt langsam zurück“, schreiben die Kammern. Immer noch rechnen aber mehr Unternehmen mit einer schlechteren als mit einer besseren Geschäftsentwicklung in den kommenden Monaten. Das hat Folgen dafür, wie viel Geld die Firmenchefs selbst auszugeben bereit sind: Die Investitionsplanungen der sächsischen Unternehmen, im Frühjahr stark verringert, ziehen mit der konjunkturellen Aufwärtsbewegung zwar wieder etwas an. Insgesamt überwiegt aber auch sechs Monate nach dem wirtschaftlichen Lockdown eher die Investitionszurückhaltung. 17 Prozent wollen ihre Investitionsausgaben wieder erhöhen, jede vierte Firma fährt jedoch aufgrund der bestehenden Risiken Investitionen zurück.

Sorge vor Fachkräftemangel

Auf dem Arbeitsmarkt sind die Auswirkungen der Corona-Krise ebenfalls spürbar: Trotz Kurzarbeitergeldes sind die Arbeitslosenzahlen in Sachsen gestiegen. Nun steigt allerdings auch wieder die Personalnachfrage der Unternehmen leicht. Für die kommenden Monate planen 14 Prozent der befragten Betriebe eine Aufstockung und 19 Prozent eine Reduzierung ihrer Mitarbeiterzahl. Die Sorge vor einem Fachkräftemangel beschäftigt die Firmenchefs weiterhin: Sie steht auf der Liste der Risikofaktoren auf Platz 3 nach Corona und der Entwicklung der Inlandsnachfrage.

Aufschwung bei Dienstleistern, Bau lässt nach

In Sachsens Industrie wird das Wachstum weiterhin durch Probleme gehemmt, die schon vor Corona bestanden – vor allem schwache Nachfrage nach Autos und nach Zulieferteilen.

Die ungelösten Fragen um den Brexit führen zu zusätzlicher Verunsicherung. Selbst das Baugewerbe meldet nur noch gedämpfte Aussichten: Wegen der insgesamt gesunkenen Investitionsbereitschaft rechnet die Branche mit weniger Auftragseingängen sowohl vom Staat als auch vom Gewerbe.

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Bei Dienstleistern ist insgesamt ein Aufschwung erkennbar. Vom früheren Optimismus sind die Unternehmen aber weit entfernt. Die Kammern schreiben von „Aufschwung“, betonen aber, dass er nicht auf alle Dienstleistungssparten übergreife: Vor allem Veranstalter und Kreativwirtschaft könnten oft nichts verdienen.

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