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So soll es an den Schulen in Sachsen weitergehen

Wegen der Corona-Pandemie waren Sachsens Schüler monatelang nicht in der Schule. Noten, Lehrpläne, Sitzenbleiben - ein Überblick.

Wegen des Coronavirus gehen die Schüler nur zeitweise in die Schulen und pauken den Rest des Stoffes weiter zu Hause.
Wegen des Coronavirus gehen die Schüler nur zeitweise in die Schulen und pauken den Rest des Stoffes weiter zu Hause. © dpa

Dresden. Erst seit einer Woche sind alle Schulen in ganz Sachsen wieder geöffnet. Doch normal läuft der Unterricht nicht ab: In Grundschulen gilt eingeschränkter Regelbetrieb, in Oberschulen, Gymnasien und Berufsschulen lernen die Schüler im Wechselmodell.

Und es drohen wieder Schulschließungen. Nach den Plänen der Bundesregierung soll das Infektionsschutzgesetz geändert werden. Dort ist vorgesehen, Schulen bundesweit in Regionen zu schließen, die über einem Inzidenzwert von 165 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern liegen, und verpflichtend auf Distanzunterrricht umzusteigen. In Sachsen liegen derzeit alle Landkreise außer die Städte Dresden und Leipzig über diesem Wert.

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Dabei haben Schulschließungen, Quarantäne und monatelanger Distanzunterricht schon jetzt Auswirkungen auf die Schüler. „Kein noch so guter Distanzunterricht kann Präsenzunterricht ersetzen. Schulschließungen belasten die Schülerinnen und Schüler nicht nur psychisch, sondern haben auch zu Wissens- und Kompetenzdefiziten geführt“, sagte Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU). „Dafür sind die Schüler jedoch nicht verantwortlich. Aber sie sind Leidtragende der Pandemie.“

Sachsens Kultusministerium hat nun einen Plan vorgelegt, um die Wissens- und Kompetenzlücken zu schließen. Dazu gab es in der vergangenen Woche Gespräche mit mit Schulleitern, Lehrerverbänden, Schüler- und Elternvertretern sowie Gewerkschaften.

Wie soll der Unterricht ablaufen?

Klar ist, dass durch die lange Zeit der Schulschließungen nicht der komplette verpflichtende Unterrichtsstoff dieses Schuljahres behandelt werden kann. Zwar geben die Lehrpläne nur Inhalte für zwei Drittel eines Schuljahres vor, allerdings waren die Schulen in diesem Jahr seit Dezember geschlossen.

Das Kultusministerium hat deswegen für alle Fächer, Schularten und Klassenstufen Schwerpunkte erarbeitet, die in diesem Schuljahr behandelt werden müssen. Damit sollen einheitliche Anknüpfungspunkte für das kommende Schuljahr geschaffen werden, heißt es vom Kultusministerium.

Alle Lernbereiche, die nicht unterrichtet werden konnten, müssen in reduzierter Form im nächsten Schuljahr 2021/2022 nachgeholt werden. In den Grundschulen konzentriert sich der Unterricht bis zum Ende des Schuljahres auf die Fächer Deutsch, Sorbisch, Mathematik, Sachunterricht sowie Englisch in Klasse 4.

Werden die Leistungen der Schüler benotet?

Ja. Trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sollen Schülerleistungen grundsätzlich bewertet und Jahreszeugnisse ausgereicht werden, teilt das Ministerium mit. Die Noten sollen vorrangig im Präsenzunterricht vergeben werden. In den Grundschulen sollen die Leistungen, die in häuslicher Lernzeit erbracht wurden, nicht unbedingt bewertet werden. Ausnahmen seien jedoch möglich.

Bei Schülerinnen und Schülern an Oberschulen und Gymnasien können Leistungen, die im Distanzunterricht erbracht werden, dagegen benotet werden. Fächer, in denen zu wenig Unterricht möglich war, um Noten zu geben, werden auf dem Zeugnis mit „teilgenommen“ gekennzeichnet.

Wie die Leistungen der Schüler benotet werden, die derzeit nicht am Präsenz- oder Wechselunterricht teilnehmen, entscheidet die jeweilige Schule. Das kann auch bedeuten, dass im Zeugnis keine Note vergeben wird.

Kann das Schuljahr freiwillig wiederholt werden?

Ja, allerdings wird das Schuljahr nur bei Schülerinnen und Schülern der Abschlussklassen nicht auf die Schulbesuchsdauer angerechnet. Über diese „begründeten Einzelfälle“ entscheidet die jeweilige Schulleitung, heißt es.

Für alle übrigen Schülerinnen und Schüler gilt: Die freiwillige Wiederholung einer Klassenstufe wird auf die Schulbesuchsdauer angerechnet und gilt als Sitzenbleiben. Entscheidend sind die Jahreszeugnisse. Die Entscheidung muss von Schule gemeinsam mit den Eltern und sehr verantwortungsvoll getroffen werden, so das Ministerium.

Durch die Corona-Pandemie ist es auch möglich, Schüler in die nächste Klassenstufe zu versetzen, obwohl sie in diesem Schuljahr nicht die erforderlichen Noten dafür erbracht haben – Voraussetzung ist, dass sie „aufgrund ihrer Leistungsfähigkeit und bisherigen Gesamtentwicklung“ den Anforderungen gewachsen sind.

Wie geht es im nächsten Schuljahr weiter?

Umfangreiche Lernstandsanalysen sollen zeigen, wo die Schüler stehen. Für diese pädagogische Diagnostik bekommen die Lehrkräfte im Juli Testaufgaben. Sie können selbst entscheiden, wie sie die Aufgaben einsetzen – zu Beginn des Schuljahres oder im weiteren Verlauf. Besonderes im Fokus dieser Tests stehen die Klassen, die sich an Übergängen im Bildungssystem befinden – also etwas von der Grundschule auf eine weiterführende Schule.

Werden die Lehrpläne angepasst?

Ja, die Lehrpläne werden ausgedünnt. Eine Entscheidung, welcher Unterrichtsstoff gestrichen oder anders gewichtet wird, soll im Juli getroffen werden. Fest steht, dass es in Sachsen Streichungen in allen Fächern geben soll, ganz wegfallen werden aber keine. Ziel ist es, den Lehrern mehr Flexibilität zu geben, um zusätzlich die versäumten, aber notwendigen Lehrplaninhalte im nächsten Schuljahr nachholen zu können.

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Kritik kommt von der Bildungsgewerkschaft GEW. Die Maßnahmen, auch die perspektivische Kürzung von Lehrplänen, seien zwar richtig, greifen aber zu kurz. Die GEW fordert, zur Bewältigung der Pandemiefolgen an den Schulen deutlich mehr Geld in die Hand zu nehmen. Die Lehrkräfte würden mehr denn je Unterstützung benötigen, um die aktuellen Herausforderungen zu stemmen. "Nun kommt die Lösung der entstandenen Probleme noch oben drauf, ohne dass die Klassen kleiner werden oder dass Klassen- und Schulleitungen ausreichend Zeit eingeräumt wird, um Eltern sowie Schülerinnen und Schüler individuell zu beraten", sagte Sachsens GEW-Chefin Uschi Kruse. Neben einer besseren digitalen Ausstattung sei es notwendig, mehr Personalstellen für Lehrerinnen und Lehrer, Assistenzkräfte, Schulpsychologie und Schulsozialarbeit einzuplanen.

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