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Diskussionen um die Maskenpflicht in Schulen

In einigen Ländern müssen Schüler im Unterricht nun keine Maske mehr tragen. Das halten viele für verfrüht - auch in Sachsen.

Im Schulgebäude müssen Lehrer und Schüler eine Maske tragen.
Im Schulgebäude müssen Lehrer und Schüler eine Maske tragen. © dpa/Sebastian Gollnow

Berlin/Dresden. Während weitere Bundesländer die Maskenpflicht an Schulen lockern, warnen die Kommunen vor vorschnellen Schritten. Schülerinnen und Schüler seien eine besonders gefährdete Gruppe, sagte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg. Sie können zum großen Teil noch nicht geimpft werden und müssten über viele Stunden auf vergleichsweise engem Raum täglich am Unterricht teilnehmen. Besonders in Gebieten, wo die Inzidenzzahlen vergleichsweise hoch seien, müsse an der Maskenpflicht an Schulen festgehalten werden. Kinderärzte hingegen fordern ein generelles Ende der Maskenpflicht an Schulen.

In Berlin müssen jüngere Schüler bis zur sechsten Klasse seit Montag im Unterricht keine Maske mehr tragen, in Bayern entfiel die Tragepflicht im Klassenzimmer zum Wochenbeginn für alle Schüler. Im Saarland müssen Schülerinnen und Schüler seit Freitag in der Schule überhaupt keine Maske mehr tragen.

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Auch Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) will die Maskenpflicht im Unterricht abschaffen. Während bei einer Inzidenz ab 35 im Schulgebäude weiterhin eine Maske getragen werden müsste, sollte sie nach den Herbstferien am Platz und im Unterricht nicht mehr nötig sein, teilte das Ministerium mit. „Wir müssen die Abschaffung der Maskenpflicht ernsthaft diskutieren“, sagte Piwarz. Unterstützung bekam er von der CDU-Fraktion im sächsischen Landtag.

Sachsens Sozialministerium reagierte zurückhaltend. Man werde die Vorschläge genau prüfen und im Rahmen der Anhörung zur nächsten Corona-Verordnung mit Fachexperten diskutieren, hieß es aus dem SPD-geführten Ministerium. „Gerade bei Kindern geht es immer darum, Erleichterungen, wo sie möglich sind, vorzunehmen.“ Die Grünen halten die Diskussion über die Abschaffung der Maskenpflicht für „verfrüht“. Schon jetzt gilt die Maskenpflicht im Unterricht in Sachsen nur für Schüler ab Klasse 5 und bei einer Inzidenz über 35. Diesen Grenzwert haben allerdings alle sächsischen Landkreise und Großstädte außer Nordsachsen erreicht, in vier Landkreisen liegt die Inzidenz sogar über 100.

Vermehrte Tests nach den Herbstferien

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) äußerte Verständnis für die Schülerinnen und Schüler. „Das Tragen von Masken beeinträchtigt einen normalen Unterricht und ist für die Schülerinnen und Schüler belastend“, sagte sie. „Allerdings muss bei einer Lockerung der Maskenpflicht weiter oder sogar vermehrt in den Schulen getestet werden.“ Das sei vor allem mit Blick auf die Zeit nach den Herbstferien wichtig. Auch in Sachsen sollen Schüler und Lehrer nach den Ferien wieder drei- statt zweimal in der Woche getestet werden.

Der Berliner Kinderarzt und Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Jakob Maske, forderte hingegen ein Ende der Maskenpflicht für Kinder - "weil Kinder und Jugendliche jetzt genügend gelitten haben". Sie hätten zurückgesteckt und Rücksicht auf ältere Altersgruppen genommen. "Jetzt ist endlich wieder Zeit, normalen Unterricht zu machen, normal durch Mund und Nase atmen zu können, ohne dass hier eine Beschränkung durch die Maske da ist."

Natürlich würden sich Viren dadurch wieder schneller verbreiten, sagte Maske. "Aber wir sind wenig besorgt, weil Kinder sehr, sehr, sehr selten wirklich schwer erkranken." Sie sollten aber weiter durch Impfungen des Schulpersonals und der Lehrer geschützt werden. "Wann wollen wir denn zur Normalität zurückkehren? Wollen wir jetzt immer Maske tragen?", fragte der Kinderarzt. Infektionen gebe es immer. Corona sei für diese Altersgruppe relativ harmlos. "Wir wollen das nicht herunterspielen, es gibt einzelne schwere Verläufe, gar keine Frage, aber es ist ein im Moment für Kinder harmloser Infekt."

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Die Virologin Melanie Brinkmann vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung hatte sich gegen eine Abschaffung der Maskenpflicht an Schulen ausgesprochen und in der "Rheinischen Post" Kritik daran geübt. "Bei der hohen Anzahl an Nicht-Geimpften, und hierzu zählen die Kinder, halte ich diese Entscheidung für verfrüht - und ehrlich gesagt auch für ziemlich dumm." (dpa, SZ/sca)

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