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Tourismus in Sachsen bricht dramatisch ein

Corona bringt Sachsens Tourismus in erhebliche Schwierigkeiten. Das Verbot touristischer Reisen wirft die Branche auf das Niveau von vor 20 Jahren zurück.

Die Hotels und Gastronomen in der Sächsischen Schweiz mussten die wenigsten Einbußen hinnehmen.
Die Hotels und Gastronomen in der Sächsischen Schweiz mussten die wenigsten Einbußen hinnehmen. © kairospress

Dresden. Sachsens Tourismusbranche muss wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie erhebliche Einbußen verkraften. Im vergangenen Jahr besuchten nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Kamenz nur 4,8 Millionen Gäste den Freistaat – das sind 43 Prozent weniger als im Rekordjahr 2019. Sie buchten insgesamt 13,52 Millionen Übernachtungen in sächsischen Pensionen, Hotels und auf Campingplätzen – mehr als ein Drittel weniger als im Vorjahr. Die Zahlen entsprechen ungefähr dem Niveau von vor 20 Jahren, teilte das Landesamt am Donnerstag mit.

„Die Corona-Pandemie stellt den Tourismus vor große Herausforderungen und die Lage für die gesamte Brache ist extrem schwierig“, sagte Barbara Klepsch (CDU), Sachsens Ministerin für Kultur und Tourismus. Experten prognostizieren dem sächsischen Tourismus 2020 einen Umsatzrückgang in Höhe von 3,5 Milliarden Euro. Das wäre im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von über 40 Prozent.

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Sommer konnte Verluste nicht ausgleichen

Nach dem ersten Lockdown von Mitte März bis Mitte Mai 2020 mit massiven Einbrüchen konnte sich die Branche im Sommer leicht erholen. Zwischen August und Oktober reisten rund zwei Millionen Gäste an, die über 5,6 Millionen Übernachtungen buchten. Vor allem die Campingplätze in Sachsen konnten profitieren: Sie verbuchten 15 Prozent mehr Übernachtungen als 2019. Auch bei Ferienhäusern und -wohnungen waren die Verluste mit minus 820.000 Übernachtungen weniger heftig als bei den Hotels.

Die seit dem 2. November 2020 geltenden Reiseverbote führten dann zu Rückgängen um 87 Prozent. Das gute Sommergeschäft konnte das insgesamt etwa viermonatige Verbot touristischer Reisen nicht ausgleichen – vor allem, weil der Tourismus die umsatzintensiven Zeiten wie Ostern, Weihnachten und Silvester nicht nutzen konnte.

Die Sächsische Schweiz war das beliebteste Reiseziel im Jahr 2020. Die Region musste mit 21 Prozent weniger Gästen und einem Rückgang von 14 Prozent bei den Übernachtungen die geringsten Einbußen verkraften. In Dresden und Leipzig übernachteten dagegen nur etwa halb so viele Gäste wie im Vorjahr. Hier fehlt der für die Hotels wichtige Geschäftstourismus mit Messen, Kongressen und Events.

Die vielfältige Kulturlandschaft Sachsens sei eine zentrale Lebensader, ohne die der Tourismus nur sehr eingeschränkt funktioniere, sagte Klepsch. Wenn es die Infektionszahlen zulassen, werde angestrebt, die Kultureinrichtungen von März an wieder zu öffnen.

Touristiker fordern Perspektive

Die Branche fordert Perspektiven. Nachdem Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) Öffnungen für Gastronomie und Hotellerie zu Ostern ausgeschlossen hatte, hagelte es Kritik. Der Landestourismusverband Sachsen habe zusammen mit dem Tourismusministerium erste Vorschläge für eine Öffnungsstrategie erarbeitet. Diese müsse nun auch diskutiert werden und in einen Öffnungsfahrplan einfließen, teilte der Verband mit. Mit zunehmend besseren Möglichkeiten zum Gesundheitsschutz, zu Testroutinen und zur Kontaktnachverfolgung sowie mit technischen, innovativen Schutz- und Hygienemaßnahmen bestehe eine realistische Grundlage für einen Neustart des Tourismus in Sachsen.

„Jetzt gilt es, nach vorn zu denken“, sagte Rolf Keil, der Präsident des Landestourismusverbandes Sachsen. Der Aktivtourismus sei im Aufwind. Keil sieht nach der Krise „neue Chancen für Leben und Arbeiten im ländlichen Raum“. Allerdings sei weiterhin politische Unterstützung wie Kompensations- und Fördermaßnahmen nötig.

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Sachsen sei im engen Austausch, um für den Tourismus die notwendige finanzielle Unterstützung zu ermöglichen, sagte Ministerin Klepsch. Damit soll die weitere Entwicklung und das Tourismusmarketing der Regionen finanziert werden, insbesondere in der Phase der Wiedereröffnung. "Wir hoffen, dass die Hilfsmaßnahmen des Bundes Wirkung zeigen und möglichst viele Betriebe gerettet werden können", so Klepsch.

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