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Wie erfahre ich, wann ich geimpft werde?

Viele Sachsen sind über den holprigen Start der Corona-Impfungen verärgert. Ärzte und das Sozialministerium antworten auf die wichtigsten Fragen.

Warum werden die Menschen in Sachsen nicht – wie in anderen Bundesländern – angeschrieben, um einen Impftermin zu bekommen?
Warum werden die Menschen in Sachsen nicht – wie in anderen Bundesländern – angeschrieben, um einen Impftermin zu bekommen? © dpa

Der Start der Corona-Schutzimpfungen in Sachsen verläuft holprig. Viele Menschen sind enttäuscht und verärgert. Und immer noch treffen täglich Fragen von Lesern ein. Die SZ hat bei den zuständigen Stellen nachgefragt. Lesen Sie hier die Antworten vom Sächsischen Sozialministerium, von Dr. Patricia Klein, Ärztliche Geschäftsführerin der Landesärztekammer, und Ingrid Dänschel, Mitglied des Hausärzteverband-Bundesvorstandes.

Ich gehöre zur zweiten Prioritätengruppe (Ü 70). Wie erfahre ich, dass die erste Prioritätengruppe (Ü 80) fertig durchgeimpft ist und ich an der Reihe bin?

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In die Gruppe der höchsten Priorität fallen in Sachsen etwa 457.000 Menschen. Das Sozialministerium wird in den Amtsblättern und in Zeitungen darüber informieren, wenn die nächste Gruppe ihre Termine vereinbaren kann. Bei der Anmeldung wird auch erfragt, zu welcher Prioritätengruppe man gehört. Weitere Informationen erhalten Sie bereits jetzt an der Telefonhotline (0800 0899 089) und auf den Webseiten der Staatsregierung und des DRK Sachsen.

Legt das Impfzentrum den Termin und die Uhrzeit der Impfung fest oder kann ich das vorschlagen?

Wenn Sie sich erfolgreich angemeldet haben, können Sie Ihren Wunschtermin im Impfzentrum wählen. Innerhalb Sachsens ist auch das Impfzentrum frei wählbar. Die erste und zweite Impfung müssen allerdings im selben Impfzentrum vorgenommen werden.

Wegen der derzeit eingeschränkten Lieferung des Corona-Impfstoffes gibt es in Sachsen derzeit jedoch nur sehr vereinzelt individuelle Termine in den Impfzentren, wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) am Dienstag mitteilte. Der Großteil der 23.400 Impfdosen, die Sachsen am Montag von Biontech und Pfizer erhalten habe, sei für die Bewohnerinnen und Bewohner sowie das Personal in den Pflegeeinrichtungen vorgesehen. Ab März sollen wieder regelmäßig Termine in den Impfzentren angeboten werden.

Warum werden die Menschen in Sachsen nicht – wie in anderen Bundesländern – angeschrieben, um einen Impftermin zu bekommen?

Hierzu ist das Sozialministerium im Moment mit der kommunalen Ebene in der Abstimmung.

Mein Mann ist 91 Jahre alt und hat Pflegegrad vier. Für ihn wäre es eine unnötige Quälerei, zweimal ins Impfzentrum zu fahren. Warum werden für diese Menschen keine Impfungen zu Hause angeboten?

Dies ist im Moment noch nicht möglich, da der Biontech/Pfizer-Impfstoff, der aktuell am meisten vorhanden ist und verimpft wird, sehr empfindlich ist und besondere Anforderungen an die Lagerung und die Handhabung stellt. Aus einem Fläschchen des Impfstoffes werden sechs Dosen gewonnen. Wenn das Fläschchen einmal geöffnet ist und die Dosen aufgezogen sind, müssen diese schnellstmöglich verimpft werden. Auch müssen Erschütterungen während des Transports vermieden werden, da sonst die empfindlichen mRNA-Moleküle zerstört werden können. Weitere Impfstoffe sind bereits zugelassen (Moderna) oder stehen kurz davor. Diese können anders gehandhabt werden und könnten künftig auch für Impfungen zu Hause oder beim Hausarzt zur Verfügung stehen.

Laut Servicenummer des Impfzentrums sollen mobile Teams nach der Heimimpfung auch zu Hause Impfungen durchführen. Stimmt das?

Diese Aussage ist nicht richtig. Nach Auskunft des DRK, welches für die Organisation der Terminvergabe zuständig ist, wird es eine Klärung mit der Servicehotline geben, damit es künftig nicht wieder zu derartigen Fehlinformationen kommt.

Ich habe gelesen, dass Patienten, die PCR-positiv waren oder an Covid-19 erkrankt sind, zunächst nicht geimpft werden sollen. Bedeutet das, dass diese Menschen einen Schutz vor dem Virus wie Geimpfte haben?

Aktuelle Daten zeigen eine Immunität nach einer Coronainfektion für mindestens acht Monate. Vermutlich wird das aber wesentlich länger anhalten. Aufgrund des extrem knappen Impfstoffes werden daher Patienten zurückgestellt, die schon infiziert waren. Nicht, weil die Impfung dann nicht wirkt, sondern weil sie eine Immunität durch die Infektion erworben haben.

Gibt es Antikörper nach einem positiven PCR-Test, und falls ja, wie lange? Oder ist die Impfung in dem Fall unwirksam?

Die sehr aufwendig nachzuweisenden Antikörper können zwar einen Hinweis auf eine stattgefundene Infektion geben, es sieht aber derzeit eher so aus, als ob sie nicht unbedingt zuverlässig bedeuten, ob man immun ist oder nicht. Offensichtlich werden nach einer Coronainfektion Gedächtniszellen gebildet, die bei Viruskontakt sehr wirkungsvoll sofort wieder Antikörper bilden. Definitive Antworten werden erst weitere laufende Studien bringen.

Ich bin über 80 und habe einige Vorerkrankungen. Kann ich mich nach durchgemachter Covid-19-Erkrankung ohne Risiko, noch einmal zu erkranken, ungeimpft zu einem Eingriff ins Krankenhaus begeben?

Eine durchgemachte Infektion schützt mindestens für mehrere Monate vor einer erneuten Infektion, weshalb man sich natürlich in ärztliche Behandlung begeben kann.

Ich habe mich bei der Dialyse mit Corona angesteckt. Kann ich die Termine – dreimal pro Woche – auch ohne Impfung wahrnehmen?

Dialysepatienten müssen zur Dialyse, auch ungeimpft, da sie sonst nicht überleben. Sie haben also keine Wahl. Das ist auch der Grund, weshalb in Sachsen die Dialysepraxen und Dialysepatienten von der Sächsischen Impfkommission in die Priorisierungsgruppe eins aufgenommen wurden.

Welche Nebenwirkungen nach der Corona-Impfung sind bereits bekannt?

Gesundheitliche Beeinträchtigungen sind nicht zu erwarten. Vorübergehende Beeinträchtigungen des Wohlbefindens sind vor allem bei jüngeren Menschen mit einem stärkeren Immunsystem zu erwarten. Wir empfehlen die vorsorgliche Einnahme einer Tablette Paracetamol oder Ibuprofen, um Kopfschmerz und einer erhöhten Körpertemperatur vorzubeugen. Nach einem, maximal zwei Tagen sind diese Beschwerden vorüber. Die Nebenwirkungen sind übrigens ein positives Zeichen. Sie zeigen, dass der Impfstoff wirkt und sich der Körper damit auseinandersetzt. Ältere Menschen haben ein schwächeres Immunsystem und reagieren oft nicht so stark.

Gibt es irgendwann einen handlichen Impfnachweis im Scheckkartenformat, den man später mal vorzeigen kann, etwa am Einlass oder bei Reisen?

Davon haben wir im Moment keine Kenntnis. Dies müsste auf Bundes- beziehungsweise EU-Ebene einheitlich geregelt werden. Als Ergebnis des EU-Gipfels ist dazu folgendes bekannt: Alle Mitgliedsstaaten finden einen europäischen Impfpass im Prinzip gut – als medizinisches Dokument, in dem festgehalten ist, wer wann mit welchem Impfstoff geimpft wurde. Die Debatte aber, ob der Inhaber des Impfpasses wieder fliegen darf, so wie von Griechenland vorgeschlagen, oder ins Kino gehen kann, komme zu früh.

Werden in Alten- und Pflegeheimen auch Bewohner geimpft, die an Covid-19 erkrankt waren? Diese Menschen sollen doch schon einen gewissen Schutz haben. Kann der Impfstoff also nicht für andere genutzt werden?

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Grundsätzlich sollten sich auch Menschen impfen lassen, die eine Infektion durchgemacht haben. Der Impfstoff wird zunächst jedoch für Personen der höchsten und hohen Prioritätsstufen verwendet, die bisher weder erkrankt waren, noch geimpft sind. Wenn es sich nun aber schwierig gestaltet, Genesene in Senioren- und Altenpflegeheimen erneut aufzusuchen, sollte allen Bewohnern und Pflegekräften in den Einrichtungen die Impfung angeboten werden.

Notiert von Stephanie Wesely und Steffen Klameth.

Weitere Informationen gibt es online hier:

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