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Geld für die Schule zu Hause?

Fürs Büro zu Hause gibt's Steuerermäßigungen, fürs Lernen nicht. Noch nicht. Dafür aber einige andere Möglichkeiten.

In Zeiten von Homeschooling und Homeoffice zu einem wichtigen Gerät geworden: der Drucker.
In Zeiten von Homeschooling und Homeoffice zu einem wichtigen Gerät geworden: der Drucker. © dpa-tmn

Drucker haben Hochkonjunktur. 35 Seiten für Bio und 32 Seiten für Deutsch für den Abiturienten ausdrucken und noch ein paar Arbeitsblätter für die Grundschülerin. Wohnungen werden zu Copyshops. Nicht nur nervlich geht das Homeschooling an die Grenzen, bei manchen auch finanziell. Einige Familien mussten sich erstmal einen Drucker kaufen. Nun frisst der Patronen und Papier im Akkord und damit Geld. Bei anderen läuft er auf Hochtouren, weil nicht nur die Kinder Homeschooling, sondern auch die Eltern Homeoffice machen. Während es fürs Homeoffice steuerliche Unterstützung gibt, geht das Homeschooling leer aus.

Ein Drittel hat keinen eigenen Computer

Volker Hegewald, Leiter des Dippoldiswalder Gymnasiums, berichtet von einer Familie mit fünf Kindern, vier davon im Schulalter. "Die erleben wirklich ein Fiasko." Zwar sei das Problem kein massenhaftes, aber wen es trifft, den stark. Das schwache Internet belastet da schon viel mehr Familien. Beides zusammen endet dann in der völligen Frustration.

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Das Gymnasium hatte schon vor Corona seine 1.200 Schüler in Dippoldiswalde und Altenberg zu ihren technischen Arbeitsbedingungen befragt. Das Ergebnis überraschte Hegewald. Ein Drittel der Schüler hat keinen eigenen Computer zuhause. Was im ersten Moment erschreckend ist, wurde durch eine andere Zahl entschärft. 98 Prozent der Schüler haben ein Smartphone und arbeiten damit. Von den 112 Laptops, die das Gymnasium bei Bedarf an Schüler ausleiht, sind derzeit nur zehn ausgegeben. Zumindest diesbezüglich gibt es also für den Notfall noch eine Reserve. Wie aber ist es mit den Kosten für Druckerpatronen, Papier, Reparaturen?

Hürden für Hartz IV-Bezieher, andere gehen leer aus

Das Kultusministerium hat für Drucker und Co. in den Familien keinen Posten im Haushalt eingeplant. Man rät Familien, die in Nöte geraten, sich an die Schule zu wenden. Dort werde dann eine gemeinsame Lösung gefunden. Ob die Schulen darüber begeistert sind und wirklich in jedem Fall helfen können, steht auf einem anderen Blatt.

Auch das Sozialministerium hat nicht auf Anhieb einen Ausweg parat. Die Kosten für Papier oder Druckpatronen sind Ausgaben, die derzeit grundsätzlich schon aus den Regelbedarfsätzen bestritten werden müssten, heißt es auf Nachfrage von sächsische.de mit Blick auf Hartz-IV-Bezieher. Zwar hatte ein Urteil des Landessozialgerichtes in Erfurt Hoffnung gemacht, doch es dürfe auch nach Ansicht des Bundes nicht verallgemeinert werden. Das Gericht hatte 500 Euro Mehrbedarf für den Kauf eines PC für Homeschooling anerkannt. Jedoch werde genau dieses Thema aktuell auf Bundesebene neu diskutiert. Das Ergebnis ist abzuwarten.

Ein anderes liegt schon vor. Das Sozialgesetzbuch als Grundlage für solche Entscheidungen wurde geändert. Ein Mehrbedarf wird jetzt anerkannt, wenn ein unabweisbarer, besonderer Bedarf besteht. Zudem muss ein Darlehen ausnahmsweise nicht zumutbar oder wegen der Art des Bedarfs nicht möglich sein. Der Mehrbedarf ist unabweisbar, wenn er nicht durch die Zuwendungen Dritter oder durch Einsparung an anderer Stelle gedeckt werden kann. Zudem muss er in seiner Höhe erheblich von einem durchschnittlichen Bedarf abweichen.

Unkomplizierte Hilfe ist möglich

Das alles muss also beantragt werden und wird geprüft. Das ist die eine Seite. Die andere Seite: Das sind Gesetze, die für Hartz IV-Bezieher gelten. Es wird davon ausgegangen, dass andere diese Probleme nicht haben. Doch dem ist nach nunmehr bald einem Jahr Schule zu Hause nicht mehr so, auch wenn es zwischendurch Unterricht in den Klassenräumen gab.

Volker Hegewald hat das erkannt. Ihm helfen dabei Eltern, die selbst ein Unternehmen haben und der Schule verbunden sind. So kann im Notfall unkompliziert geholfen werden, ohne den sonst üblichen Weg von Anträgen, Abrechnungen und Formalitäten gehen zu müssen. Inwiefern auch Fördervereine von Schulen helfen können, muss im Einzelfall geprüft werden, da Vereine an ihre Satzungen gebunden sind.

Tipps für Eltern und Kinder im Homeschooling

  • Nicht alles muss auch wirklich ausgedruckt werden. Deshalb erst schauen und prüfen und dann auf "drucken" drücken.
  • Bei Problemen sich rechtzeitig melden und Hilfe suchen, in den Schulen zum Beispiel. Das ist kein Makel und vermeidet, dass aus einem Problem noch mehr werden.
  • Das Gespräch auch mit den Lehrern suchen, wenn man das Gefühl hat, es muss zu viel ausgedruckt werden.
  • In den Familien hilft, Aufgaben und Arbeitszeiten so gut wie möglich abzustimmen, vor allem, wenn nicht für alle Computer vorhanden sind. So kann man auch den Druckwulst verringern.
  • Die Linken bieten in ihren Büros in Freital und Pirna Hilfe an. In Freital sind das Wlan mit Internet, Drucken, Scannen, Kopieren. Kontakt für die vorherige Anmeldung: Email [email protected], Telefon 0351 6489613. In Pirna werden Drucker, PC und Kopieren angeboten. Auch hier ist eine vorherige Absprache unter [email protected] erforderlich.

Antje Ambos, die Dohnaer Oberschulleiterin, verweist auf die Lehrer. "Es kommt viel darauf an, wie sie die Aufgaben gestalten." Also so, dass sie nicht ausgedruckt, ausgefüllt, eingescannt und wieder geschickt werden müssen, sondern am Computer erledigt werden können. Manche Eltern oder Schüler würden aber auch alle Aufgaben ausdrucken, da seien dann auch schon mal mehrseitige Powerpoint-Präsentationen dabei. "Das ist nicht notwendig, aber wenn mehrere Personen an einem PC arbeiten, auch schwierig zu vermeiden." Die gute Nachricht aus Dohna: "Zum Glück funktioniert Lernsax im Moment prima", sagt Antje Ambos.

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