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Dresden: Hotels gegen Ferienwohnungen

Die neuen Corona-Regeln in Sachsen schüren einen alten Konflikt. Welche Folgen hat das für den Tourismus in Dresden?

Das Hotel Kempinski im Taschenbergpalais hat derzeit ganz geschlossen, obwohl immerhin Geschäftsreisende beherbergt werden dürften.
Das Hotel Kempinski im Taschenbergpalais hat derzeit ganz geschlossen, obwohl immerhin Geschäftsreisende beherbergt werden dürften. © Sven Ellger

Dresden. Der Sommer steht bevor. Eigentlich hätten die Deutschen längst ihren Urlaub gebucht - an der Ostsee, in den Alpen oder an der Adria. Doch viele Familien dürften aus Unsicherheit, was möglich sein wird, zurückhaltend sein.

Dresden konnte von diesen Zweifeln bereits im vergangenen Sommer profitieren. Städtetrips wurden so manchem Strandurlaub vorgezogen. Zwar könnte die Stadt in diesem Sommer auf ein ähnliches Corona-Wunder hoffen. Wenn Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen denn gleichermaßen öffnen dürften. Doch die Landesregierung gibt zunächst den Ferienwohnungsbetreibern den Vorzug. Was wiederum die Hoteliers erzürnt und einen alten Konflikt wieder aufflammen lässt.

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Warum sind Ferienwohnungsvermieter im Vorteil?

Noch gilt die Bundes-Notbremse in Dresden. Hotels und Ferienwohnungen dürfen gleichermaßen keine Feriengäste beherbergen. Das ändert sich erst, wenn die Wocheninzidenz an fünf aufeinanderfolgenden Tagen unter 100 gefallen ist und die Krankenhäuser im Freistaat nicht überlastet sind. Dann dürfen zunächst Campingplätze und Ferienwohnungen wieder Urlauber aufnehmen. Sie unterliegen dann nicht mehr dem Beherbergungsverbot.

Hotels und Pensionen müssen sich dagegen weiter in Geduld üben. Erst wenn die Wocheninzidenz unter die Marke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner fällt, sind touristische Übernachtungen wieder vollumfänglich erlaubt. Voraussetzungen sind eine vorherige Buchung, ein negatives Schnelltestergebnis sowie eine konsequente Kontakterhebung. Es wird also deutlich länger dauern, bis Hoteliers und Pensionswirte wieder ins Feriengeschäft einsteigen dürfen. "Wir haben versucht, alles möglich zu machen, was geht", sagte Sozialministerin Petra Köpping (SPD) zu der Regelung, die vorerst bis zum 30. Mai gilt.

Was fürchten die Hoteliers?

Von einer Ungleichbehandlung spricht Thomas Gaier, Chef der Dresdner Hotel-Allianz und des Schlosses Eckberg. "Unsere Hygiene-Maßnahmen sind durchweg als sehr gut eingestuft worden", sagt er. "Warum man uns weiter geschlossen hält, ist nicht nachvollziehbar." Nur etwa zehn Prozent der üblichen Buchungen zähle er bisher in diesem Jahr. Erlaubt sind derzeit nur dringende geschäftliche Übernachtungen.

Ähnlich sieht es in der Bülow Residenz aus. Beherbergt Hoteldirektor Ralf Kutzner in einem normalen Jahr bis Ende April rund 7.000 Gäste, waren es in diesem Jahr gerade einmal 344. Besonders der Verlust des Oster-und Pfingstgeschäftes wiegt für die Gastronomen schwer. "Feiertage und Brückentage eignen sich ideal für Städtereisen. Hier haben wir die höchsten Einbußen, da unsere Häuser normalerweise nahezu voll sind", so Kutzner.

Vergessen fühlt sich Marten Schwass, der Direktor des Taschenbergpalais. "Wir haben den siebten Monat in Folge zu und uns fehlt die Perspektive", sagt er. Er habe komplett geschlossen, weil sich der Hotelbetrieb für die wenigen Geschäftsreisenden gar nicht lohne. Auch bei den Buchungen für dieses Jahr seien die Gäste bisher sehr zurückhaltend.

Etwas optimistischer blickt Cindy Knobloch vom Bellevue-Hotel in die Zukunft. "Wir freuen uns, dass der Trend wieder in Richtung Öffnungen geht, und freuen uns für die Betreiber der Ferienwohnungen – zumal es mit Öffnung der Ferienwohnungen endlich wieder erste Möglichkeiten gibt, dass Dresden durch touristische Gäste belebt wird."

Außerdem gebe es die so lange geforderte Öffnungsperspektive für Hoteliers. Immerhin wisse man nun, dass touristische Übernachtungen bei einer Inzidenz von unter 50 wieder erlaubt sind. "Wir setzen nun viel Hoffnung auf das Voranschreiten der Impfkampagne und stehen in den Startlöchern."

Sind Ferienwohnungen wirklich eine so große Konkurrenz?

Von Ungleichbehandlung von Hotels und Ferienwohnungen war schon lange vor Corona die Rede. Denn immer mehr Wohnungseigentümer sind in den vergangenen Jahren ins Feriengeschäft eingestiegen. Eine Kritik seitens der Hotellobby: Die Vermieter müssten sich nicht an strenge und oft kostenintensive Vorschriften halten. Dazu werden unter anderem der Brandschutz, aber auch Hygieneauflagen und Bausicherheit gezählt.

Auch wenn das von den Hoteliers nicht so klar benannt wird: Konkurrenz machen ihnen die Ferienwohnungen auch mit ihrer Ausstattung. Mehr als die Hälfte ist mit Klimaanlagen ausgestattet, sodass Urlauber auch in Hitzesommern ausgeschlafen zum Stadtbummel aufbrechen können. Ein Großteil bietet darüber hinaus lockere Stornierungsmöglichkeiten an, sodass das Geld nicht weg ist, sollten Gäste doch einmal kurzfristig krank werden.

Und dann ist da noch die Größe: Neben gewöhnlichen Ein-Raum-Ferienwohnungen werden inzwischen fast 100 großzügige Studios und Suiten angeboten, die fast alle mit einer Küche oder einer Kochnische ausgestattet sind. Parkplätze am Haus? Auch das gibt es in den meisten Fällen dazu.

Wie sieht es mit den Preisen aus?

In der Hoffnung, dass im Sommer sowohl in den Hotels als auch in den Ferienwohnungen wieder Urlaube möglich sind, hier ein Beispiel: Eine Airbnb-Wohnung in der Dresdner Altstadt ist Mitte August für 40 bis etwa 200 Euro die Nacht zu bekommen – je nachdem, wie groß, komfortabel und zentral man es mag. Die Zahl der Angebote für diesen Zeitraum ist allerdings sehr überschaubar.

Die Altstadt-Hotels bieten ihre Zimmer im selben Zeitraum für gut 60 bis knapp 200 Euro an, wie eine Abfrage beim Buchungsportal HRS am Dienstag ergeben hat. Auch hier bestimmen Lage und Komfort den Preis. Einen großen Preisunterschied gibt es also zumindest im touristischen Kern Dresden nicht. Wer längere Wege ins Zentrum in Kauf nimmt, kann dagegen recht deutlich sparen, insbesondere wenn mehrere Übernachtungen zusammenkommen.

Wie viele Ferienwohnungen gibt es in Dresden?

Das Marktforschungsunternehmen AirDNA listet für Dresden reichlich 1.200 Wohnungen auf, die über die Portale Airbnb und Fewo-direkt aktuell vermietet werden. Sie konzentrieren sich auf die Neustadt und die Altstadt. Bis 2020 ging es stetig nach oben: So sind 2016 noch etwa 600 Ferienwohnungen gezählt worden, 2018 waren es bereits über 1.000 und 2019 mehr als 1.200. Im vergangenen Sommer sind fast 1.700 Wohnungen in Dresden angeboten worden. Geht man davon aus, dass pro Wohnung mindestens zwei Urlauber unterkommen, ergibt das Minimum 3.400 Gästebetten.

Dem stehen laut Statistischem Landesamt insgesamt 66 Hotels mit insgesamt etwa 15.700 Gästebetten gegenüber. Damit haben die Hotels rein mengenmäßig zwar die Nase vorn. Allerdings liegt die durchschnittliche jährliche Bettenauslastung der Häuser bei lediglich 55 Prozent (2019). Jedes privat vermietete Zimmer schmälert das Ergebnis. Hinzu kommt, dass sich die Betreiber selbst Konkurrent machen und sich Umsatz stehlen. Mehrere Ketten wollen dieses und nächstes Jahr in der Stadt Fuß fassen.

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