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Corona-Gurgeltests: So zuverlässig und sicher sind sie

Egal ob im Rachen oder der Nase: ein Corona-Test kann unangenehm sein. Dagegen ist der Gurgeltest eine Alternative - mit mehreren Vorteilen.

Praktischer als ein Abstrich ist der Gurgeltest allemal. Obendrein soll das Ergebnis auch noch zuverlässiger sein.
Praktischer als ein Abstrich ist der Gurgeltest allemal. Obendrein soll das Ergebnis auch noch zuverlässiger sein. © Ludwig Schedl

Zwanzig Sekunden mit einer Kochsalzlösung gurgeln, alles in einen Becher spucken und ab damit ins Labor: So einfach kann ein Corona-Test sein. In einigen Schulen und Altenheimen wird das bereits erprobt.

Der gebürtige Dresdner und Mitentwickler Johannes Zuber arbeitet heute als Professor am Wiener Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie. Er hält den Gurgeltest nicht nur für einfacher, sondern auch effektiver: „Im Vergleich zu einem negativen Antigen-Test schlägt ein PCR-Test schon eher Alarm und bietet zudem die Möglichkeit, alle infektiösen Personen in einer Gruppe zu finden.“ Seit alle Mitarbeiter an seinem Forschungsinstitut gurgeln, fühlt sich Zuber an seinem Arbeitsplatz wieder sicher: „Mit dieser Methode haben wir es geschafft, dass es am Campus noch keine einzige Übertragung gab, trotz etwa 100 Infizierten, die das Virus von außerhalb mitgebracht haben.“ Auch zu Hause nutze er diesen Test: „Selbst der Kleinste gurgelt mit seinen vier Jahren schon fleißig mit.“

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Während regelmäßige Einzeltests für alle Mitarbeiter schnell ein Vermögen kosten und Labore an ihre Kapazitätsgrenzen bringen, wirbt Zuber für sogenannte Poolproben: Wenn Schulklassen oder Arbeitskollektive ihre einzelnen Speichelproben zusammenschütten, genügt für die gesamte Gruppe ein einziger Test. Das neue PCR-Verfahren sei dafür prädestiniert: „Gurgelproben lassen sich sehr, sehr einfach poolen: Man muss die Gurgelproben nur zusammenschütten“, erklärt Zuber. „Damit wird der Poolingprozess, der eigentlich über eine aufwendige Pipettierung im Labor stattfindet, auf einmal ganz einfach.“

Auf die breite Masse ausgerollt, lägen die Kosten pro Test und Person bei unter fünf Euro. Wenn ein Pool positiv ist, müssen die zuvor gepoolten Proben noch mal einzeln untersucht werden, um die infizierte Person zu finden. Deshalb sollte die Größe immer an die Inzidenz angepasst werden: „Im Sommer hätten wir mit 50er-Pools und einem relativ geringen Aufwand ein effektives Suchnetz spannen können. Zurzeit wären Pools mit 20 Personen eine gute Größe, die wir bewältigen könnten und gleichzeitig relevante Gruppen abbilden.“

Deutlich sensitiver als Antigen-Tests

Computersimulationen für die Stadt Wien haben gezeigt, dass es ausreicht, wenn 70 Prozent der Bevölkerung bei so einem regelmäßigen Monitoring mitmachen: „Einzelne Ansteckungsszenarien würde es zwar weiterhin geben, wegen der frühen Identifizierung würde allerdings der Multiplikationsfaktor wegfallen.“

Aber sind die Gurgeltests wirklich zuverlässig? „Selbst wenn ein Test dreimal weniger sensitiv als ein Abstrichtest ist, ist er immer noch 100-mal sensitiver als nötig und 1.000-mal sensitiver als ein Antigen-Schnelltest“, erklärt Zuber. Christian Scholz vom Verband der Labormediziner verweist aber auf Fälle, bei denen einige Behältnisse nicht hundertprozentig geschlossen im Labor angekommen seien. Das erhöhe die Infektionsgefahr und liefere kein oder ein ungenaues Ergebnis. Stephan Borte, Chefarzt des Medizinischen Zentrallabors am Klinikum St. Georg in Leipzig hält dagegen: „Auch bei Abstrichtests haben wir schon erlebt, dass der Deckel verkantet und Flüssigkeit ausgelaufen ist.“


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Selbstzahler können sich auf der Webseite der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen informieren, wo PCR-Tests durchgeführt werden. Ob dafür ein Rachenabstrich oder Gurgeltest durchgeführt wird, kann bei den Praxen telefonisch erfragt werden. Eine günstige Alternative bietet der Dresdner Kulturverein Palais Palett: Auf dem Gelände des Technoklub „objekt klein a“ gibt es Gurgeltests für 35 Euro.

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