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Sechs Corona-Tote im Altenheim

Eine Infektionswelle erfasst das Altenheim "Seniorenhäus'l" in Lawalde. Sechs Bewohner sind gestorben. Relativ wenige Senioren haben sich impfen lassen.

Pflegedienstleiterin Susann Richter vor dem Lawalder "Seniorenhäus'l". Hier gab's einen rätselhaften Corona-Ausbruch.
Pflegedienstleiterin Susann Richter vor dem Lawalder "Seniorenhäus'l". Hier gab's einen rätselhaften Corona-Ausbruch. © Matthias Weber/photoweber.de

Innerhalb weniger Tage wurde Lawalde zu einem dunkelroten Fleck auf der Corona-Karte des Landkreises. Hochgerechnet auf 100.000 Einwohner misst das Dorf jetzt einen vierstelligen Inzidenz-Wert. Alleiniger Inzidenz-Treiber ist dabei ein einziges Haus: Das Altenheim "Seniorenhäus'l" in der Oppacher Straße am Ortsrand. Eine Infektions-Welle hat das Heim erfasst und bereits sechs Todesopfer unter den Bewohnern gefordert, eine der Verstorbenen war bereits gegen das Virus geimpft.

Für Pflegedienstleiterin Susann Richter ist der Vorgang rätselhaft - denn bisher war die Einrichtung von dem Virus völlig verschont geblieben. "Weder in der ersten, noch in der zweiten Welle hatten wir auch nur einen einzigen Corona-Fall im Haus", sagt sie. Dreimal wöchentlich würden alle Mitarbeiter getestet und auch das Hygienekonzept für Besucher sei bislang immer aufgegangen. "Wir haben an unserem Konzept nichts geändert", sagt sie.

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Nur wenige Bewohner geimpft

Nur eine Änderung sei in den letzten Monaten aufgetreten: die Impfung mancher Bewohner. Im Gegensatz zu vielen anderen Einrichtungen der Seniorenpflege ist die Impfquote in dem Haus recht gering. "Von 42 Bewohnern haben sich 19 impfen lassen", sagt Susann Richter - und das auch erst relativ spät. "Die Leute hatten ihre Erstimpfung am 4. März und die Zweitimpfung am 25. März", sagt die Pflegedienstleiterin. Aus der 35-köpfigen Mitarbeiterschaft sei gar nur eine Person geimpft.

Ausgerechnet kurz nach der Zweitimpfung sei die Infektionswelle losgerollt. "Am Ostermontag (5. April, d. Red.) ging es los. Da klagte eine Bewohnerin über Husten und Schnupfen", erzählt Frau Richter. Tags darauf sei die betroffene Seniorin positiv auf das Virus getestet worden - neun weitere Bewohner an den Folgetagen. Mittlerweile seien auch acht Mitarbeiter infiziert und in häuslicher Quarantäne. "Über das Seniorenhäus'l wurde eine Quarantäne bis zum 27. April verhängt", sagt Richter. Daher gelte ein strenges Zutrittsverbot für Besucher.

Zwei Geimpfte in kritischem Zustand

"Aktuell sind 26 Bewohner positiv, sechs sind schon wieder genesen", sagt Susann Richter. Und sechs Personen im Alter von 89 bis 97 Jahren (ein Mann, fünf Frauen) sind der Infektion erlegen - die erste bereits am 10. April. "Eine dieser Frauen war geimpft worden", so die Pflegedienstleiterin. Und auch weitere geimpfte Bewohner hat das Virus schwer erwischt. "Eine der Verstorbenen hat an der britischen Mutante des Virus gelitten", sagt sie. Von den anderen wisse sie es nicht.

"Von den aktuell Erkrankten sind zwei geimpfte Bewohner in einem schlimmen Zustand", sagt Richter. Die beiden seien nicht in stationärer Behandlung, aber sehr malade. "Die beiden nehmen keine Nahrung mehr zu sich", informiert Susann Richter - die Überlebenschancen schätzt sie als sehr gering ein.

Persönliche Katastrophe

Für Pflegedienstleiterin Susann Richter und ihre Schwiegermutter Carola Richter, die das "Seniorenhäus'l" leitet und betreibt, ist das Drama auch eine persönliche Katastrophe. "Teilweise waren die Menschen schon acht Jahre bei uns. Man hat sie liebgewonnen, ebenso wie ihre Angehörigen", sagt sie und: "Das tut uns wahnsinnig leid, wir hängen mit dem Herzen daran." Irgendwelche Fehler im Hygiene-Konzept des Heims kann sie nicht erkennen und es habe auch kein Angehöriger irgendwelche Vorwürfe erhoben.

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