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Sind Dresdner Schulen auf einen Lockdown vorbereitet?

Noch dürfen Kinder gemeinsam in den Klassenzimmern lernen. Wie sich Schulen auf eine mögliche Schließung vorbereiten.

Viele Dresdner Eltern treibt die Sorge um, dass die Schulen wieder schließen könnten und der Unterricht daheim stattfinden muss.
Viele Dresdner Eltern treibt die Sorge um, dass die Schulen wieder schließen könnten und der Unterricht daheim stattfinden muss. © dpa // Symbolbild

Dresden. Seit einer Woche ist Dresden im "Lockdown light". Kinder, Eltern und Lehrer hoffen nun, dass die Schulen weiterhin offen bleiben. 

Das haben Politiker immer wieder bekräftigt. Viele Eltern fragen sich dennoch, ob die Schulen im Fall einer doch wieder nötig werdenden Schließung gut vorbereitet sind. Die SZ hat nachgefragt.

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Wie schätzen Dresdner Schulleiter die Situation ein?

Grundsätzlich gut vorbereitet ist das Gymnasium Bürgerwiese, sagt Schulleiter Jens Reichel . "Wir arbeiten seit Schulgründung mit der Plattform Lernsax und alle Schüler und Lehrer sind darin gut geübt." 

Er habe in den letzten Wochen und Monaten immer wieder mit seinen Kollegen und Elternversprechern zusammen gesessen und Krisenpläne für den Fall einer Schließung oder Quarantäne ausgearbeitet. "Wir wollen zum Beispiel den Unterricht via Online-Konferenzsystem zu den Schülern nach Hause übertragen, doch die Rechner, die wir von der Stadt bekommen haben, sind leider ohne Kamera", sagt Jens Reichel. 

Der Förderverein habe sich aber sehr engagiert und Computer mit Kamera und Mikrofon besorgt, damit auch Kinder aus sozial schwächeren Familien im Fall von Heim-Unterricht gut versorgt sind, erzählt Elternsprecher Tom Sarfert.

Auch Tobias Jäger, Leiter der 116. Oberschule, war seit dem letzten Lockdown aktiv, um auf eine erneute Schulschließung vorbereitet zu sein. "Wir haben die letzten Wochen intensiv an der Einführung von Lernsax gearbeitet." Mittlerweile haben 95 Prozent der  Schüler und Lehrer ihre Zugangsdaten erhalten und sind in der Lage, über Lernsax zu kommunizieren, berichtet Jäger. 

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Karsten Reisinger leitet die 122. Grundschule in Prohlis und ist optimistisch. Eine Schulschließung werde nicht vorbereitet. "Wir gehen natürlich davon aus, dass die Schulen offen bleiben und hoffen es sehr." 

Schon der jetzige Zustand sei mit den vorgegebenen Einschränkung eine enorme Belastung für das gesamte Kollegium. Reisinger meint damit unter anderem Unterstützungsangebote, die weggefallen seien und von denen es an der 122. Grundschule viele gebe. 

Zudem sind Familien und Lehrer verunsichert darüber, was erlaubt ist und was nicht. Als Beispiel nennt Reisinger hierfür, dass GTA-Angebote von Lehrern möglich sind, aber von Externen nicht. Eine Regelung, die offenbar nach den Herbstferien zunächst nicht ganz klar war.

Auch die Lehrer der 122. Grundschule hätten sich in den letzten Wochen intensiv mit Lernsax beschäftigt, um es im "Ernstfall" als eine Form der Kommunikation zu nutzen. Reisinger räumt allerdings ein: "Jeder Lehrer kann aber selbst entscheiden, wie er mit den Kindern und Eltern in Verbindung bleibt." 

Wie ist die Ausstattung mit der Technik?

Auf die Frage, wie gut die Dresdner Schulen mit Technik wie Computern und Tablets ausgestattet sind, verweist das Landesamt für Bildung auf einen Förderbescheid aus diesem Sommer. Dresden hat vom Land fast 28 Millionen Euro für die digitale Ausstattung von 145 Schulen bekommen. 

Mit dem Geld würden zunächst vor allem leistungsstarke Internetzugänge in den städtischen Schulgebäuden gelegt und digitale Arbeitsgeräte für Lehrer und Schüler angeschafft, so Sprecherin Petra Nikolov.

Sind inzwischen alle Schulen bei Lernsax?

Laut Eltern verschiedener Grundschulen sind wohl noch längst nicht alle Schulen auf der Plattform unterwegs und könnten im Falle einer Schließung oder Quarantäne damit arbeiten. Soweit der Eindruck, den die Familien haben.

Die Zahlen, die Lasub-Sprecherin Nikolov liefert, sehen allerdings anders aus. Demnach sind 93 Prozent aller Dresdner Grundschulen, 97 Prozent aller Oberschulen und 91 Prozent aller Gymnasien bei Lernsax.

Werden derzeit mehr Noten vergeben?

Einige Eltern berichten, dass ihre Kinder in diesem Schuljahr bislang relativ viele Arbeiten schreiben und damit viele Zensuren sammeln würden. Sie vermuten, dass auch das mit einem bevorstehenden Lockdown zusammenhängen könnte. 

Das kann etwa Tobias Jäger von der 116. Oberschule nicht bestätigen. In seiner Schule habe es zwar auch vereinzelte Rückmeldungen über eine zu hohe Notendichte gegeben. "Die Anzahl von Klassenarbeiten wurde aber nicht erhöht." 

Im Einzelfall wird eine höhere Anzahl von Leistungskontrollen auch damit zusammenhängen, dass die Lehrer insbesondere in den lernintensiven Fächern Unterrichtsinhalte nachgearbeitet und den Lernstand vor den Herbstferien überprüft haben, so Jäger weiter.

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Auch Karsten Reisinger von der 122. Grundschule kann die Vermutung einiger Eltern nicht bestätigen, es gebe keine Häufung von Arbeiten. Die Stoffverteilung und die Planung von Klassenarbeiten erfolge so, als ob das Schuljahr normal laufen würde. 

Und mit Blick auf eine mögliche Schließung sagt er: "Wenn es keine Noten gibt, dann ist es so." Reisinger ist ohnehin dafür, dass die Benotung in Grundschulen generell abgeschafft wird. "Worturteile, persönliche Gespräche oder entsprechende Wertschätzung den Kindern gegenüber sind eh wertvoller und aussagefähiger als Noten."

Was sagen die Bildungspolitiker?

SPD-Fraktionschefin Dana Frohwieser hofft, dass die Schulen offen bleiben. "Der Corona-Lockdown in der ersten Phase der Pandemie hat uns gezeigt, welche dramatischen sozialen Folgen die Kita- und Schulschließungen für manche Kinder und Familien hatten."

Die Verteilung der "Corona-Laptops" aus dem Förderprogramm des Sächsischen Freistaates ist in Dresden angelaufen und wird bis Jahresende abgeschlossen sein, so Matthias Dietze, selbst Lehrer und CDU-Bildungsexperte. 

Viele Fachschaften, so auch an seiner Schule, machten sich Gedanken, wie sie den Lehrplan für den Fall des Schullockdowns entrümpeln können, um die Aufgabenflut überschaubar zu halten.

Es gehe nicht nur um die Technik, sagt Linken-Stadträtin Anne Holowenko. "Es fehlen klare Festlegungen, wie der Unterricht im Fall von erneuten Schulschließungen zu gestalten ist. Eine Situation wie im Frühjahr, in der es zum Teil über Wochen keinen Blickkontakt zwischen Schülern und Lehrern gab, darf es nicht wieder geben." 

Auch als Mutter erwarte sie von den Schulen mehrere digitale Präsenzangebote pro Tag. Viele Kinder haben Fragen und benötigen Hilfe bei der Erledigung der Aufgaben. Die Verantwortung dafür dürfe nicht auf die Familien abgewälzt werden, so Holowenko.

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