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Mehr Geld in der Krise für den Sport

Gerade die kleinen Vereine haben jetzt zu kämpfen. Doch einen Plan, wie sie die Pandemie überstehen können, gibt es schon. Nun muss die Politik entscheiden.

Zusammenhalten und zusammen Spaß haben. Inmitten der Pandemie hilft der Sport – wenn er denn erlaubt ist.
Zusammenhalten und zusammen Spaß haben. Inmitten der Pandemie hilft der Sport – wenn er denn erlaubt ist. © Matthias Weber

Dresden. Erst die Landräte und Gastronomen, dazu immer wieder Experten, Referenten und am vergangenen Montag nun auch die Vertreter des Sports. Bei Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) geben sich Berater und Lobbyisten derzeit nicht nur sprichwörtlich die sicher stets coronakonform desinfizierte Klinke in die Hand.

Als Freund des Sports sei Kretschmer bislang immer aufgetreten, betont Christian Dahms, Generalsekretär des Landessportbundes Sachsen (LSB). Freundlich ist es nun auch beim Treffen am Wochenbeginn in Dresden zugegangen, freundlich im Ton – aber hart in der Sache. „Es ging darum, dass der Sport in Sachsen seine Stimme erhebt und dem Ministerpräsidenten noch einmal mitgeteilt wird, wo wir aktuell stehen und, was noch viel wichtiger war, wohin es in Zukunft geht“, sagt Dahms mit Nachdruck.

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Nicht nur beim Landessportbund hält man den neuerlichen Lockdown im Amateur- und Freizeitsport für eine falsche Entscheidung. Als „fatales Zeichen“ bezeichnete Dahms vergangene Woche die Beschlüsse der Bundesregierung in einer ersten Reaktion. Später sprach er von einer „Katastrophe für den sächsischen Vereinssport“ und forderte öffentlich einen sächsischen Sonderweg. Viel deutlicher geht es kaum. Noch mehr Klartext, oft jedoch nicht zitierfähig, wie auch Antworten auf Twitter-Meldungen Kretschmers zeigen, gibt es derzeit nur an der Basis.

Christian Dahms fordert als Generalsekretär des Landessportbundes Sachsen erneut einen Sonderweg im Freistaat.
Christian Dahms fordert als Generalsekretär des Landessportbundes Sachsen erneut einen Sonderweg im Freistaat. © Landessportbund Sachsen

Dort, so formuliert es Dahms, wird mit dem November-Sportverbot die jahrelange Arbeit von zahlreichen Haupt- und vor allem Ehrenamtlichen riskiert. Doch der für den sächsischen Sport verantwortliche Innenminister Roland Wöller hält dagegen. „Wir haben insgesamt einen Rahmen geschaffen, der sowohl das Notwendige als auch das maximal Mögliche vereint. Dass dabei nicht alle Vorstellungen berücksichtigt werden können, liegt auf der Hand. Aber wir leben in einer besonderen Situation und mit besonderen Herausforderungen, denen wir uns alle gemeinsam stellen müssen“, begründet Wöller auf SZ-Nachfrage die auch im Freistaat geltenden strengen Regeln – lediglich mit Ausnahmen für Profisportler und Kaderathleten. Das sorgt für Unmut und Unverständnis, eine explosive Gemengelage.

Mit rund 676.000 Mitgliedern in knapp 4.500 Vereinen ist der Sport, wie man beim Landessportbund gern betont, die größte Bürgerorganisation Sachsens. „Beim Sport kämpft nicht jeder für sich allein. Beim Sport ist man füreinander da. Sport schweißt zusammen“, erklärte Wöller unlängst bei seiner Fachregierungserklärung im Landtag. Und dieser viel beschworene Zusammenhalt geht schnell mal auch über das Spielfeld hinaus. Man sollte, das weiß der Minister, den Sport also besser nicht unterschätzen.

Im CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de, relativierte Dahms seine markigen Aussagen inzwischen und äußerte angesichts der immer weiter steigenden Infektionszahlen auch Verständnis für die staatlichen Maßnahmen. Seine Sorge aber bleibt – die Sorge, dass viele Vereine diese Pandemie nicht überstehen. Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr sei das Verhalten der Menschen ein sehr solidarisches gewesen, sagt Dahms.

Roland Wöller hält als Innenminister des Landes Sachsen dagegen.
Roland Wöller hält als Innenminister des Landes Sachsen dagegen. © dpa/Sebastian Willnow

Eine einigermaßen genaue Mitglieder-Erhebung gebe es zwar erst zum Jahresende, doch „der überwiegende Teil der Leute ist seinem Verein treu geblieben“, so die Rückmeldung von den Kreissportbünden. „Was wir aber jetzt schon wissen: Den Vereinen fehlen die Neueintritte. Und klar ist natürlich auch, je länger dieser zweite Lockdown dauert, umso mehr vergrößert sich die Gefahr, dass Leute in Größenordnungen aus den Vereinen austreten und nun erst recht keiner nachkommt“, verdeutlicht Dahms.

Weniger Mitglieder, keine Spiele, Turniere oder sonstige Veranstaltungen – am Ende hängt auch die Zukunft des kleinen und großen Sports, die Dahms zusammen mit LSB-Präsident Ulrich Franzen beim Termin in der Staatskanzlei besprochen hat, immer wieder am Geld.

Der Landessportbund hat dazu ebenfalls eine klare Meinung. Mindestens überleben müsse der Sport in Sachsen, nennt Dahms seine Minimalforderung – und zwei Wege, wie dies gelingen soll. Das im April von der Landesregierung – „übrigens als erstes Bundesland“, wie Wöller betont – beschlossene Soforthilfsprogramm für Sportvereine in Höhe von 20 Millionen Euro müsse über den 31. Dezember hinaus verlängert werden, sagt Dahms. „Diese Unterstützung benötigen wir mindestens auch noch im nächsten Jahr.“ Ein Anliegen, das der Minister vergleichsweise leicht erfüllen kann. Man beabsichtige nicht nur, diese Corona-Richtlinie zu verlängern, sondern auch inhaltlich anzupassen, sagt Wöller.

An ihn richten sich die Wünsche des Sports: Finanzminister Hartmut Vorjohann.
An ihn richten sich die Wünsche des Sports: Finanzminister Hartmut Vorjohann. © dpa/Sebastian Kahnert

Ob damit eine Erhöhung der Summe oder das Vereinfachen bei der Antragstellung gemeint ist, bleibt vorerst offen. Zudem hat die Bundesregierung weitere Hilfen in Aussicht gestellt, von denen auch Sportvereine profitieren sollen. „Wobei die konkrete Umsetzung hoffentlich zeitnah erfolgt“, ergänzt der CDU-Politiker.

Schwieriger ist indes der zweite Weg zu beschreiten, der das Überleben des Sports im Freistaat sichern soll: ein angemessener Etat im demnächst zu verhandelnden Doppelhaushalt für die Jahre 2022/23. Die insgesamt 60 Millionen Euro, die für 2020/21 festgeschrieben sind, bezeichnen sowohl Dahms als auch Wöller als „die Basis für die kommenden Jahre“. Heißt konkret: Eigentlich soll es noch mehr Geld geben, gerade jetzt inmitten der Pandemie. In diesem Punkt sind sich LSB und Innenministerium also sogar uneingeschränkt einig. Wie viel genau? Verhandlungssache. Nur ist der Sport mit seinen Wünschen an Finanzminister Hartmut Vorjohann nicht allein.

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Wöllers Regierungserklärung vor gut einem Monat darf man deshalb auch eher als Signal nach innen werten – mit freundlichen Grüßen vom LSB. „Sachsen ist Sportland und sollte es auch bleiben. Es liegt an uns“, sagte Wöller in Richtung Regierung und Abgeordnete. Widerspruch gab es dafür im Landtag nicht.

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