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Corona-Genesener kämpft um seinen Status

Ein Mann aus Sohland war wahrscheinlich an Corona erkrankt. Doch weil er das nicht nachweisen kann, hat er nun ein Problem.

Ein großer Stapel Unterlagen zeugt von der Corona-Erkrankung von Günter Hensel aus Sohland. Ein Nachweis über seinen Status als Genesener ist aber nicht darunter.
Ein großer Stapel Unterlagen zeugt von der Corona-Erkrankung von Günter Hensel aus Sohland. Ein Nachweis über seinen Status als Genesener ist aber nicht darunter. © SZ/Uwe Soeder

Sohland. Günter Hensel will nicht unfair sein: Er habe vom Gesundheitssystem der Bundesrepublik eine hohe Meinung, versichert er. Er verstehe auch, dass die Corona-Pandemie alle - auch die Ämter - überrollt habe. "Aber wenn es einen dann selbst trifft, so richtig zufrieden bin ich mit der Arbeit der Behörden nicht", sagt Hensel.

Seine Geschichte ist eine besondere. Sie geht so: Am 18. Mai, drei Tage vor Hensels 79. Geburtstag, ließ der Rentner sich im Testzentrum im Sohlander Pachterhof auf das Coronavirus schnelltesten. Der Befund: Positiv. "Damit ging die Tippeltappeltour los", erinnert er sich und deutet auf einen prall gefüllten Briefumschlag voller Dokumente.

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Noch im Testzentrum sei ihm gesagt worden, dass das positive Testergebnis dem Gesundheitsamt gemeldet werde. Das reagierte prompt: Einen Tag nach dem Test erhielt Günter Hensel seinen Quarantäne-Bescheid. Zunächst galt die Anordnung bis zum 29. Mai; wurde anschließend ohne Angabe von Gründen bis zum 5. Juni verlängert.

Keine Gelegenheit zum PCR-Test

In der Zwischenzeit war Günter Hensel schwer erkrankt - an Corona, da ist er sicher. "Ich konnte alleine nicht mehr von der Stube bis ins Bad gehen, mir war schwindelig, ich habe zehn Kilo abgenommen. So hundeelend ist es mir noch nie gegangen", sagt er.

Um die Infektion aber nachweisen zu können, hätte Hensel den Befund mit einem PCR-Test bestätigen lassen müssen. Ab diesem Punkt nimmt seine Geschichte eine besondere Wendung: Hensels Hausarzt war an diesen Tagen im Urlaub. Das Bautzener Gesundheitsamt, das normalerweise nur für die Testung von Kontaktpersonen zuständig ist, bot seine Hilfe an; schlug Hensel drei Termine für einen PCR-Test vor.

Aber: "Ich habe mich nicht in der Lage gefühlt, Auto zu fahren. Meine Frau, die einzige Person, zu der ich noch Kontakt hatte, hat keinen Führerschein, und einen Nicht-Infizierten zu bitten, mich nach Bautzen zu fahren - das habe ich mich nicht getraut", sagt der Rentner. Er habe stets Rücksprache mit dem Bautzener Gesundheitsamt gehalten, versichert er, habe die Behörde auch um einen PCR-Test bei einem mobilen Testteam gebeten. "Das hätte mich gerettet", sagt Hensel. Aber der Wunsch sei ihm verwehrt worden.

PCR-Tests durch mobile Testteams seien vor allem in Einrichtungen wie Pflegeheimen eingesetzt worden, wenn dort eine Häufung von Fällen bekannt geworden sei, erklärt Sabine Rötschke, Sprecherin des Bautzener Landratsamtes. Darüber hinaus seien die mobilen Teams vor allem für Schnelltest-Angebote im Einsatz.

Antikörper-Test wird nicht anerkannt

Am 25. Mai sprang Hensel der Zufall zur Hilfe: Ein Nachbar, der vom Coronavirus erfolgreich genesen war, brachte ihn zu seinem Hausarzt, wo er sich einem PCR-Test unterzog. Das Ergebnis: Negativ. Hensel rief erneut das Gesundheitsamt an. "Ich bin davon ausgegangen, dass ich nicht mehr infektiös bin", sagt er heute. Die Behörde riet ihm zu einem Antikörper-Test. Der bestätigte, was Hensel ahnte: "Mein Arzt bescheinigte mir am 10. Juni einen rekordverdächtigen Antikörper-Wert von 1.340." Er zeigt das entsprechende Dokument. Darauf ist zu lesen: "Ein positives Testergebnis deutet darauf hin, dass die Person dem Erreger ausgesetzt war oder geimpft wurde. Immunität annehmbar vorhanden."

Derart bestärkt wandte Hensel sich erneut an das Gesundheitsamt, erbat einen Nachweis über seinen Genesenen-Status. Aber: Laut Robert-Koch-Institut ist derzeit noch unklar, welche Menge von Antikörpern für eine Immunität nachgewiesen werden muss. Daher könne aus deren Vorhandensein nicht auf Resistenz geschlossen werden. Konkret heißt das: Wer sich vom Gesundheitsamt seinen Status als Genesener attestieren lassen will, muss dafür dringend ein positives PCR-Testergebnis nachweisen.

Sechs Monate warten auf die Impfung

Ein Dilemma für Menschen wie Günter Hensel, denn: Wegen des hohen Anteils an Antikörpern im Blut lautet die Empfehlung für Menschen wie ihn, mit der ersten Impfung mindestens sechs Monate zu warten. Bis Dezember bleibt ihm nur, bei Angeboten mit entsprechenden Zugangsbeschränkungen ein tagesaktuelles Schnelltestergebnis vorzulegen. "Wenn der nächste Lockdown kommt, bin ich wieder an mein Grundstück gefesselt", folgert Hensel daraus.

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Wie häufig Fälle wie seiner im Landkreis Bautzen auftreten, kann das Gesundheitsamt nicht sagen - sie fallen aus den Statistiken heraus. Ähnliche Problemlagen seien aber in einigen Fällen festgestellt worden, teilt das Landratsamt mit. Ob der Nachweis von Antikörpern künftig für die Bestätigung des Genesenen-Status ausreicht, kann die Behörde nicht beeinflussen. Dies liege in der Zuständigkeit des Bundes, heißt es von dort.

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