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Corona-Test in nur 40 Minuten

Schneller, billiger und mobil: Fraunhofer-Forscher haben in Dresden ein neues Verfahren vorgestellt, das künftig deutlich mehr Corona-Tests ermöglicht.

Der Prototyp des Corona-Testmobils, das künftig direkt an Hotspots schnelle und sichere Ergebnisse liefern soll.
Der Prototyp des Corona-Testmobils, das künftig direkt an Hotspots schnelle und sichere Ergebnisse liefern soll. © dpa

Dresden. Von außen sieht er aus wie ein ganz normaler Transporter. Doch sein Innenleben soll den Kampf gegen Corona ein gutes Stück erfolgreicher machen. Die Fraunhofer-Gesellschaft hat am Freitag in Dresden den Prototypen eines neuartigen Corona-Testmobils präsentiert. Professor Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, spricht von einem historischen Tag – nicht nur für Deutschland, sondern für Europa. Denn das Mobil nutzt ein zum Patent angemeldetes Testverfahren, das Infektionen erheblich schneller und auch kostengünstiger erkennen lässt. „In nur einer Stunde können wir damit 100 Menschen testen“, sagt Neugebauer, „und ihnen schon nach 40 Minuten direkt vor Ort das Ergebnis mitteilen.“

Bei den bisher üblichen PCR-Tests müssen die Abstriche in ein Labor geschickt werden. Die reine Auswertungszeit im Automaten dauert dort vier bis sechs Stunden. Patienten erfahren in der Regel erst nach 24 Stunden oder später, ob sie positiv sind. Inzwischen können zwar bundesweit wöchentlich bis zu 1,5 Millionen PCR-Tests durchgeführt werden. Doch angesichts steigender Infektions- und Testzahlen stoßen die Labore an Kapazitäts- und auch Materialgrenzen.

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So schafft die Landesuntersuchungsanstalt Sachsen, die die Corona-Tests des öffentlichen Gesundheitsdienstes im Freistaat auswertet, pro Woche 4.200 Proben. Laut Sozialministerium haben die Mitarbeiter in der vergangenen Woche aber 4.992 eingesandte Proben auf SARS-CoV-2 untersucht. Von Montag bis Mittwoch waren es bereits 3.278. Das ist nur durch Überstunden möglich, erklärt eine Sprecherin.

Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, zusammen mit Lena Freund, Assistentin Fraunhofer-Institut Aachen.
Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, zusammen mit Lena Freund, Assistentin Fraunhofer-Institut Aachen. © dpa

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) setzt deshalb große Hoffnungen auf das neue Testverfahren. „Auch bei der Kontaktverfolgung stoßen wir inzwischen physisch an Grenzen“, sagt er. „Wenn wir nicht noch mehr Beschränkungen wollen, müssen wir mehr wissen und Infektionsketten schneller unterbrechen.“ Dabei könne das neue Verfahren helfen.

Das Grundprinzip beruht auf dem Nachweis von Teilen der viralen genetischen Information. „Es basiert nicht wie das bisherige Testverfahren auf einer Polymerase-Kettenreaktion (PCR), sondern auf einer isothermalen Vermehrung“, sagt Professor Gerd Geißlinger, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie, das das mobile Labor gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik entwickelt hat. Damit seien keine teuren und großen Analysegeräte mehr nötig.

Die Testperson meldet sich online an, bekommt eine ID und geht zum Abstrich vor das Mobil. „Künftig soll schon Gurgelwasser für den Nachweis reichen“, sagt Biomedizinerin Dr. Sabine Müller. „In einem Thermomixer – nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Haushaltsgerät – erhitzen wir die Probe fünf Minuten auf 100 Grad, damit das mögliche Virus inaktiviert wird.“ Erst dann komme sie zur Analyse ins Mobil. Das ist ein umgebauter 3,5-Tonner, ausgestattet mit einem Thermoblock, viel Computer-Technik, Elektroversorgung und Klimatisierung. „Die Luft wird innerhalb von einer Stunde bis zu zwölf Mal ausgetauscht“, sagt Markus Michel, Chef der Labortechnologie. Der Umbau sei auf herkömmlichen Fahrgestellen möglich und koste etwa 100.000 Euro.

.Das mobile Labor soll es ermöglichen, mit einem neuen SARS-CoV-2-Testverfahren Infektionen schnell und effektiv nachzuweisen.
.Das mobile Labor soll es ermöglichen, mit einem neuen SARS-CoV-2-Testverfahren Infektionen schnell und effektiv nachzuweisen. © dpa/Sebastian Kahnert (Symbolbild)

Fraunhofer-Präsident Neugebauer hofft nun auf eine rasche Zertifizierung des Testmobils. Dann könne es noch Ende des Jahres zum Einsatz kommen – und zwar direkt an Hotspots. Denkbar sei die Nutzung beispielsweise am Einlass von Veranstaltungen, vor Schulen oder Betrieben. „Die Ergebnissicherheit liegt bei nahezu 100 Prozent“, erklärt er.

Das unterscheidet das Verfahren auch von den Antigen-Schnelltests, die jetzt vor allem in Pflegeheimen und für Mitarbeiter im Gesundheitswesen eingesetzt werden sollen. Da sie ungenau sind, muss ein positives Ergebnis immer durch einen PCR-Test bestätigt werden. Letzterer kostet, wenn man ihn privat zum Beispiel am Flughafen macht, zwischen 140 und 160 Euro. „Bei unserem Test reden wir von weniger als zehn Euro“, sagt Gerd Geißlinger.

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