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Wie wirkt sich verschärfte Test-Pflicht aus?

Bisher hat jeder den Corona-Test selbst machen können, als Nachweis beim Frisör oder Heimbesuch. Das reicht nicht mehr. Welche Folgen das in Löbau-Zittau hat.

Friseurmeisterin Andrea Hensel leidet in ihrer "Haargalerie" in Löbau wegen der Testpflicht unter Kundenschwund.
Friseurmeisterin Andrea Hensel leidet in ihrer "Haargalerie" in Löbau wegen der Testpflicht unter Kundenschwund. ©  Archivfoto: Rafael Sampedro

Es ist wenigstens ein Lichtblick in der Corona-Pandemie: Mit einem negativen Testergebnis dürfen Kunden sogenannte körpernahe Dienstleistungen nutzen - etwa zum Friseur gehen oder zur Fußpflege. Auch für den Besuch in Alten- und Pflegeheimen ist so ein Test nötig. Doch vor rund einer Woche wurden die Vorschriften verschärft. Bis dahin durften Menschen daheim selbst einen Corona-Test anwenden, wie es ihn etwa in zahlreichen Supermärkten zu kaufen gibt und dann im Wissen eines negativen Ergebnisses zum Friseur gehen. Doch eine solche Erklärung des Kunden, sich selbst negativ getestet zu haben, dürfen etwa Friseure oder auch Schulen nicht mehr anerkennen. Die Leute müssen das von einem Testzentrum bestätigte Ergebnis vorweisen. Doch es gibt eine praktische Alternative.

Denn Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) empfiehlt, einen solchen Selbsttest einfach zum Friseurbesuch oder anderswo hin mitzunehmen und sich vor den Augen des Personals zu testen. Allerdings muss ein Betrieb so ein Vorgehen akzeptieren. Und das könnte für den Anwender ein teurer Tag werden - etwa wenn jemand nach der Schule erst zum Friseur geht und dann noch jemanden in einem Pflegeheim besuchen möchte. In so einem Fall bräuchte man unter Umständen gleich drei Tests, die man am jeweiligen Ort machen müsste. Ein solcher Test kostet im Handel etwa fünf Euro. Die sogenannten Bürgertests in den zahlreichen Testzentren im Landkreis sind dagegen kostenlos - aber man braucht in aller Regel eine Anmeldung und es ist nicht gewiss, ob man zum gewünschten Zeitpunkt einen Termin bekommt.

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Kundenrückgang wegen Testpflicht

Die Löbauer Friseurmeisterin Andrea Hensel hat in ihrer "Haargalerie" ihre liebe Last mit der Testpflicht der Kunden. "Es gibt viele, die einen Termin wieder absagen, weil sie die Mühe eines Tests beim Testzentrum scheuen oder auch aktuell keinen Termin bekommen haben", sagt sie. Rund 30 Prozent weniger Kunden habe sie deshalb. In ihrem Betrieb ist sie flexibel und akzeptiert auch, wenn sich ein Kunde mit einem selbst mitgebrachten Test im Laden testet. "Auch wenn ein Kunde vorher woanders war, wo er sich getestet hat und den Test noch dabei hat, ist das in Ordnung", sagt sie. Sie führe ohnehin eine zusätzliche Dokumentation. Jeder Kunde müsse sich mit Namen und Adresse in eine Liste eintragen und dabei noch mal erklären, negativ getestet zu sein.

Einen deutlichen Anstieg an Leuten, die sich auf Corona testen lassen wollen, spürt auch der Zittauer Apotheker Uwe Hoffmann. Seine Herz-Apotheke an der Bahnhofstraße gehört zu denen in der Liste des Landkreises eingetragenen Testzentren. "Die Nachfrage ist definitiv gestiegen", sagt er. Rund 50 Personen schleust er in einem täglichen Zeitfenster durch. "Unsere verfügbaren Termine sind aktuell eine Woche im Voraus ausgebucht", sagt er. Größtenteils würden die Menschen den Test etwa für Friseur-Besuche, Besuche im Familienbereich oder auch solche in Pflegeheimen benötigen.

Wie lange ein Testergebnis gültig ist

Noch mehr hat der Zittauer Apotheker Henrik Wintzen in seiner Johannis-Apotheke zu tun. Bis zu 200 Personen testen er und seine Mitarbeiter täglich - und auch er ist aktuell beinahe ausgebucht. "Wir erleben jetzt auch etwa viele, die sich wegen anstehender Familienfeiern testen lassen", sagt er. Auch etwa für Busreisende nach Polen führe er in jüngster Zeit viele Tests durch. "Wir fragen die Menschen natürlich nicht nach ihren Gründen, aber viele erzählen halt", sagt Wintzen. In den Testzentren erhalten die Kunden ein Dokument, auf dem neben dem Testergebnis auch die genaue Uhrzeit des Tests vermerkt ist - danach richtet sich die "Haltbarkeit" des Testergebnisses. "Manche akzeptieren einen Zeitraum von bis zu 48 Stunden. Aber Pflegeheime verlangen mitunter auch ein tagesaktuelles Testergebnis", sagt er.

Apotheker Wintzen findet die Selbsttests aus dem Supermarkt gar keine schlechte Sache. "Für den Hausgebrauch sind sie völlig in Ordnung", sagt er. So könnten Menschen bei Treffen im Freundes- oder Familienkreis schnell sicherstellen, ob sie infiziert sind oder nicht. "Das ist doch gut, wenn man gemeinsam an einem Tisch sitzt", sagt er. Für andere Zwecke empfiehlt er aber dennoch, sich in einem Testzentrum einen Test mit dokumentiertem "Haltbarkeitsdatum" abzuholen.

Apothekerin Birgit Schleicher betreibt in Löbau ein Testzentrum.
Apothekerin Birgit Schleicher betreibt in Löbau ein Testzentrum. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Viele wollen sich wieder in größeren Gruppen treffen

In Löbau ist Apothekerin Birgit Schleicher stark im Testwesen aktiv. Mit ihren beiden Apotheken Alte Apotheke und Linden-Apotheke betreibt sie das Testzentrum in der Ladenpassage in der Breitscheidstraße - und abwechselnd mit dem Roten Kreuz auch die wöchentliche Testung auf dem Löbauer Altmarkt, für die es keine Anmeldung braucht. "Am Anfang gab es einen riesigen Andrang, dann hat es sich halbiert", sagt sie. Das führt sie darauf zurück, dass momentan noch der Einzelhandel wieder größtenteils geschlossen hat. "Jetzt werden die Termine wieder gut gebucht", sagt sie. Zunehmend etwa wollen Menschen sich testen lassen, weil sie einen Geburtstag nachfeiern oder sich wieder in etwas größeren Gruppen treffen wollen.

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