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Löbau macht's vor: weniger Papierkram beim Testen

Mit spezieller Software können Coronatests vereinfacht werden. Die Alte Apotheke nutzt das - auf eigene Kosten. In Bautzen zahlt's der Landkreis. Und im Kreis Görlitz?

Elsa Rubel von der Alten Apotheke zeigt das Internetportal, mit dem Ergebnisse von Corona-Tests einfach abgerufen werden können. Die Apotheke nutzt das bereits.
Elsa Rubel von der Alten Apotheke zeigt das Internetportal, mit dem Ergebnisse von Corona-Tests einfach abgerufen werden können. Die Apotheke nutzt das bereits. © Matthias Weber/photoweber.de

Mehr als 200 Personen haben sich am vergangenen Dienstag auf dem Löbauer Altmarkt testen lassen. Zum zweiten Mal hatte die Stadt gemeinsam mit dem Löbauer DRK einen Schnelltest-Tag angeboten. Dienstag ist in Löbau Markttag und damit sind mehr Menschen unterwegs als sonst. Deshalb fiel die Wahl auf diesen Tag, sagt Christoph Schwarze vom DRK. "Nach dem Marktbesuch wollen die Leute vielleicht noch in ein paar Geschäfte, da bekommen sie gleich vor Ort ihren aktuellen Test." Denn nur mit einem negativen, tagesaktuellen Corona-Schnelltest darf man laut aktueller Coronaschutzverordnung im Einzelhandel einkaufen.

Auch in den beiden kommenden Wochen wird es das Testangebot auf dem Altmarkt geben, bestätigt Schwarze. Apothekerin Birgit Schleicher hat die Testaktion jetzt mit ihrem Team unterstützt. Sie bietet normalerweise Schnelltests in ihrer Alten Apotheke an, die aber kostenpflichtig sind. Für kostenlose Tests hat sie gemeinsam mit der Stadt ein Testzentrum in der Breitscheidstraße eingerichtet. Hier wird nach Terminvergabe getestet.

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Die Tests, die auf dem Altmarkt angeboten werden, sind kostenlos und man benötigt auch keinen Termin. Was allerdings bleibt, ist der Papierkram. "Man muss alles per Hand aufschreiben, die Daten der Testpersonen erfassen, den Test auswerten, das Ergebnis ausdrucken", beschreibt Birgit Schleicher das Prozedere. Frau Schleicher und ihr Test-Team brauchen so für jeden Test-Patienten rund eine Viertelstunde. Das heißt, sie schaffen pro Stunde nur vier Tests. So ist der große Andrang schwer zu bewältigen. Die Apothekerin hatte ihr System schon optimiert, trotzdem waren nicht mehr als sechs bis acht Test-Patienten in einer Stunde machbar. Als dann das große Testen begann, zum Beispiel in Unternehmen, war das überhaupt nicht mehr zu schaffen, schildert die Apothekerin. Dann kamen Anfragen zum Beispiel für 60 Pendler oder 120 Erzieherinnen - und das mehrmals in der Woche.

Schnellerer Ablauf und weniger Papier

Es geht auch einfacher, das kostet aber zusätzliches Geld: Firmen bieten Software für Coronatests an. Da wird alles digital erfasst. Man liest die Krankenkassenkarte des Test-Patienten ein, er erhält einen Code zum Abrufen seiner Ergebnisse und kann seine E-Mail-Adresse angeben. 15 Minuten nach dem Test erhält er das Ergebnis per Mail. "Die Leute müssen also nicht vor Ort die Viertelstunde abwarten", nennt Frau Schleicher einen Vorteil. Ein Weiterer: Es muss nichts per Hand ausgefüllt werden, was eine Menge Zeit spart. Und es muss nichts ausgedruckt werden, das spart Papier. "Wer möchte, kann aber auch einen Ausdruck von seinem Ergebnis bekommen."

Die andere, effektivere Möglichkeit: Der Test-Patient kann über seinen Code im Internet das Ergebnis abrufen und sich abspeichern. Geschäfte könnten sich das Ergebnis außerdem über einen QR-Code anzeigen lassen. "Dazu müssten die Ladeninhaber sich nur eine kostenlose App herunterladen", erklärt Frau Schleicher. Dort kann man dann sehen, wann der Test gemacht wurde und wie das Ergebnis ist. Damit hätten Ladeninhaber auch mehr Sicherheit als mit den Selbstauskünften, die derzeit im Umlauf sind. Birgit Schleicher kann sich vorstellen, dass diese Lösung auch für den Zutritt zum Beispiel zu Museen oder Tierparks oder sogar Veranstaltungen effektiv wäre.

Im Stadtwerke-Truck wird in Löbau getestet.
Im Stadtwerke-Truck wird in Löbau getestet. © Stadtwerke Löbau

Noch müssen Testanbieter im Kreis Görlitz aber selbst für diese digitale Variante aufkommen, deshalb ist das noch wenig verbreitet. Rund 200 Euro pro Monat kostet Frau Schleicher die Software-Lizenz für ihr Unternehmen. Deshalb kann sie auch verstehen, dass nicht alle Testanbieter das nutzen wollen. Die Lösung: die Kosten müssten vom Landkreis getragen werden, der das dann einheitlich in den Testzentren zum Einsatz bringt.

Im Görlitzer Landratsamt beschäftigt man sich tatsächlich derzeit mit dem Thema, wie Sprecherin Julia Bjar auf Nachfrage der SZ bestätigt. Es lägen zahlreiche Angebote von digitalen Anbietern vor. Die werden geprüft. Denn sie müssten mit den Prozessen im Gesundheitsamt kompatibel sein, erklärt die Kreissprecherin.

So macht es der Kreis Bautzen

Der Kreis Bautzen ist da schon ein paar Schritte weiter. Der Nachbarlandkreis hat die Software auf seine Kosten angeschafft und stellt sie den Testzentren zur Verfügung, wie die Pressestelle des Landratsamtes in Bautzen bestätigt. Schnelltest-Anbieter, die vom Bautzner Gesundheitsamt beauftragt werden, müssen die Software nutzen. Würde jeder ein anderes System nutzen, würde das die Statistik beim Gesundheitsamt durcheinanderbringen. "Das betrifft stationäre und mobile Testmöglichkeiten. Bislang sind mehr als 80 Teststellen beauftragt", teilt Landkreissprecherin Cynthia Thor auf Nachfrage mit.

Den Unternehmen, die Schnelltests anbieten, wird ein Zugang zu dem digitalen System eingerichtet und Schulungen angeboten. "Dem Gesundheitsamt liegen damit verlässliche Daten vor, in welchem Umfang getestet wird und wie hoch der Anteil der positiven Fälle ist. Das lässt sich sogar für jedes Testcenter separat ausweisen", so die Sprecherin des Bautzner Landratsamtes.

Eine solche einheitliche Arbeitsweise auf digitaler Basis würde sich Birgit Schleicher auch schnellstens für den Kreis Görlitz wünschen. "Es wäre ja schon gut, wenn wir wenigstens innerhalb Löbaus mit dem gleichen System arbeiten würden." Allein in der Stadt gibt es mehrere Anbieter von Schnelltests: das Testzentrum in der Breitscheidstraße, das Stadt und Apotheke in Kooperation eingerichtet haben. Das DRK testet bei den wöchentlichen Aktionen auf dem Altmarkt und auch der ASB in seiner Geschäftsstelle in der Güterstraße.

Zumindest das DRK wird künftig die digitale Variante nutzen können. "Wir haben einen Sponsor gefunden", so Schwarze. Die Stadtwerke Löbau tragen vorerst die Kosten für die Software. "Aber nur solange, bis der Landkreis das übernimmt." Man werde weiter darauf drängen, dass dies im Kreis Görlitz einheitlich angeboten und vom Landkreis finanziert wird.

Die Möglichkeit zu kostenlosen Schnelltests auf dem Altmarkt in Löbau gibt es wieder am 27. April und am 4. Mai, jeweils in der Zeit von 8.30 Uhr bis 15 Uhr.

Der Landkreis Görlitz zeigt auf seiner Homepage eine Übersicht aller Testanbieter im Kreis.

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