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Wilsdruff: Protest gegen Corona-Regeln

Rund 200 Eltern und Kinder fanden sich auf dem Marktplatz zusammen. Sie legten Schuhe, Spielzeug und Plakate ab. Reaktionen darauf blieben nicht aus.

In Wilsdruff fanden sich Eltern und Kinder zusammen, um gegen die Masken- und Testpflicht an den Schulen zu protestieren.
In Wilsdruff fanden sich Eltern und Kinder zusammen, um gegen die Masken- und Testpflicht an den Schulen zu protestieren. © SZ/Maik Brückner

In Wilsdruff gibt es weiter Unmut über die Masken- und Testpflicht an den Schulen. Am Donnerstag versammelten sich Eltern und Kinder auf dem Wilsdruffer Marktplatz. An der Postmeilensäule legten sie Schuhe, Spielzeug und Plakate mit Forderungen und Wünschen ab.

Zu lesen war dort unter anderem: "Schulen auf! Ohne Masken- und Testpflicht", "Keine Masken und Impfungen an Schulen und Kindergärten!" und "Kinder brauchen Kinder - keinen Abstand - Herr Rother, wir Eltern von Wilsdruff stehen hinter Ihnen! Wir alle hoffen auf Ihre Unterstützung - keine Impfung - keine Tests, keine Masken, keine Angst, ..."

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Das Treffen sei eine Reaktion auf die Schuhaktion am Wochenende, erklärte Thomas Schirrmeister, einer der Mitinitiatoren. Wie in anderen Kommunen auch wurden vor dem historischen Rathaus Kinderschuhe und Plakate mit ähnlichen Forderungen abgelegt. Diese wurden von der Stadt am Montagmorgen weggeräumt und zum Bauhof gebracht.

Auf Plakaten veröffentlichten die Eltern ihre Forderungen.
Auf Plakaten veröffentlichten die Eltern ihre Forderungen. © SZ/Maik Brückner

"Wir haben eine andere Reaktion erwartet, als die, die von der Stadt Wilsdruff und speziell vom Bürgermeister gekommen ist", so Schirrmeister. Bürgermeister Ralf Rother (CDU) hatte die Aktion in den sozialen Netzwerken öffentlich gemacht und dort unter anderem erklärt, dass er einige Forderungen unterstütze, andere nicht. Aus seiner Sicht funktioniere ein "weiter so wie bisher" nicht mehr. Zugleich gab er zu bedenken, dass es auf komplizierte Fragen oft keine einfachen Antworten gibt. Trotz unterschiedlicher Meinungen zu diesem Thema warb er um ein faires Miteinander.

Die Reaktion reichte einigen nicht, so Schirrmeister. Manche Eltern seien verwundert, andere enttäuscht gewesen. Deshalb habe man zu dieser Demo aufgerufen. Diese wollte man aber auch als Hilfeschrei an die Obrigkeit verstanden wissen. "Die Fußballer dürfen Fußball spielen, da gibt es keine Probleme." Kinder jedoch dürfen nicht in Turnhallen trainieren, obwohl sie getestet werden. "Aber Kinder müssen sich bewegen", so Schirrmeister. Er hofft, dass die Aktion den Verantwortlichen zu denken gibt.

Wie bereits am Wochenende wurden auch Schuhe und Spielzeug abgelegt.
Wie bereits am Wochenende wurden auch Schuhe und Spielzeug abgelegt. © SZ/Maik Brückner

Mit der Resonanz waren er und seine Mitstreiter zufrieden. Gegen 18 Uhr, als die Aktion begann, haben sich nach seiner Schätzung um die 200 Eltern und Kinder an der Postmeilensäule getroffen, gegen 19 Uhr waren es noch zwischen 50 und 60. Zu dieser Zeit erschien auch eine Polizeistreife, die die Plakate dokumentierte.

Am frühen Abend war die Mehrzahl der Plakate abgeräumt.
Am frühen Abend war die Mehrzahl der Plakate abgeräumt. © SZ/mb

Auch Matthias Schlönvogt (Freie Wähler) nahm zur Demo Stellung. Dort haben sich nicht die Wilsdruffer Eltern getroffen, sondern nur ein Teil davon, meinte er. Nicht jeder teilt die dort erhobenen Forderungen, sagte er und begründete das mit diesem Hinweis. Am Wilsduffer Gymnasium, wo seine Frau arbeitet, hätten sich nur zehn von 240 Kindern geweigert, sich auf das Coronavirus testen zu lassen.

Auch andere standen der Aktion der Eltern kritisch gegenüber. Eine junge Frau, die auf der Intensivstation des Freitaler Krankenhaus arbeitet und dort in den vergangenen Tagen drei Menschen im mittleren Alter an Corona habe sterben sehen, kann den Protest und die dort erhobenen Forderungen nicht verstehen. Sie empfinde das als unerträglich. Kurz vor 21 Uhr räumte sie die Plakate an der Postmeilensäule zusammen.

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Die Aktion sorgte wenig später in der Wilsdruffer Stadtratssitzung für eine Debatte. Stadtrat Robert Fuchs (AfD) wollte von Rother wissen, wie er darauf reagieren wolle. Der Stadt sei diese Zusammenkunft nicht angezeigt worden, erklärte dieser. Er unterstütze die Forderung von Eltern, Kitas und Schulen grundsätzlich offen zu halten und plädiere dafür, Tests, Impfungen und Öffnungsschritte klug miteinander zu verbinden. Über den Städte- und Gemeindetag (SSG) versuche er, Einfluss auf die Entscheidungsträger im Freistaat zu nehmen, ergänzte er.

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