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Corona: Tierärztin darf Kind nicht in Kita bringen

Für eine Veterinärmedizinerin aus Neusalza-Spremberg gilt die Notbetreuung nicht - obwohl Tierärzte als systemrelevant eingestuft sind.

Notbetreuung für die Jüngsten im Lockdown: Selbst in systemrelevanten Berufsgruppen darf sie nicht jeder nutzen.
Notbetreuung für die Jüngsten im Lockdown: Selbst in systemrelevanten Berufsgruppen darf sie nicht jeder nutzen. © Symbolfoto: dpa/Monika Skolimowska

Romy Richter ist Tierärztin mit Leib und Seele. Für Haustiere ist sie im Krankheitsfall ebenso da, wie für Tiere in der Landwirtschaft. Die 33-Jährige gehört zum Team einer Herwigsdorfer Tierarztpraxis. Romy Richter ist auch Mutter eines Kleinkindes. Und da Tierärzte bereits im ersten Lockdown als systemrelevant eingestuft wurden, stand einer Notbetreuung eigentlich nichts im Wege. Dachte Romy Richter jedenfalls. Aber es kam ganz anders.

„Als der zweite Lockdown Mitte Dezember begann, bekam ich einen Anruf aus der Kita, dass ich mein Kind nicht in die Kita geben kann“, erinnert sie sich an diesen Montag Mitte Dezember. Dabei hatte die Veterinärmedizinerin fest damit gerechnet und war völlig verdutzt über diese Regelung. Immerhin arbeiten sie und ihre Kollegen im Schicht- und Bereitschaftsdienst. Da kann man – wie in vielen anderen Berufen auch - nicht einfach ein anderthalbjähriges Kind mit auf Arbeit nehmen. Romy Richter konnte die Absage kaum glauben. Gelten Tierärzte plötzlich nicht mehr als systemrelevant?

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Das schon. Nur hat die Sache einen Haken. "Beim ersten Lockdown waren wir Tierärzte noch bei den Berufen aufgelistet, bei denen es ausreichte, dass ein Elternteil als systemrelevant für die Inanspruchnahme der Notbetreuung genügt", sagt Romy Richter. Das ist beim zweiten Lockdown nicht so. Tierärzte gehören nun zur sogenannten Fallgruppe 1, wie auf der offiziellen Internetseite des Freistaates nachzulesen ist. Die dort aufgeführten 42 Berufsfelder haben nur dann eine Berechtigung ihre Kinder in die Notbetreuung zu geben, wenn beide Eltern in diesen Bereichen tätig sind.

"Fühle mich degradiert"

Theoretisch müsste also der Mann der Tierärztin zu Hause bleiben – er zählt nicht in Fallgruppe 1. Das ist aber keinesfalls machbar. "Mein Mann wird in seinem Job beim Maschinenbau gebraucht, ist auch auf Montage", erzählt die Neusalza-Sprembergerin.

Zum Glück springen die Großeltern ein. Das sei aber keine Dauerlösung, zumal Romy Richters Mutter und Schwiegermutter selbst noch berufstätig sind. „Ich fühle mich durch die Regelung degradiert“, sagt sie.

Mit ihrem Problem ist die Tierärztin nicht gänzlich alleine. Auch der Sächsischen Tierärztekammer sind die Probleme bekannt. Einige wenige Anfragen von betroffenen Tierärzten habe es gegeben, heißt es vonseiten der Institution gegenüber der SZ. Deshalb wendete sich die Tierärztekammer auch an die zuständige Aufsichtsbehörde - das Sozialministerium des Freistaats - um zu hinterfragen, weshalb die Tierärzte in eine andere Kategorie eingestuft wurden. Begründung des Ministeriums sei gewesen, dass beim ersten Lockdown die Notbetreuung von 46 Prozent der Eltern für ihre Kinder in Anspruch genommen worden wäre und deshalb die Liste weiter eingeschränkt werden musste. Diese Auskunft gibt es von der Tierärztekammer. Nach Angaben der Kita in Neusalza-Spremberg beispielsweise wird die Notbetreuung auch aktuell von etwa einem Drittel bis zur Hälfte der Eltern angenommen.

Hoffnung auf eine Lösung

Das Thema Notbetreuung bewegte kürzlich auch die Bestatter-Innung. Innungsobermeister Tobias Wenzel hatte Mitte Dezember öffentlich Alarm geschlagen, weil Bestatter nicht als systemrelevant eingestuft wurden und somit ihre Kinder nicht in die Notbetreuung geben konnten. Die Kritik der Branche stieß auf offene Ohren: Kurz darauf wurden Bestatter in die Liste der systemrelevanten Berufe aufgenommen. Im Gegensatz zu den Tierärzten sogar in die Kategorie 2: Das heißt, die Kinder können auch dann in Kita oder Hort gehen, wenn nur ein Elternteil als systemrelevant gilt.

Tierärztin Romy Richter hofft jedenfalls, dass sie weiterhin ihren Beruf ausüben kann und ihr Kind dennoch gut versorgt weiß. "Ich wünsche mir, dass es eine vernünftige Lösung gibt und ich mein Kind doch noch in die Betreuung geben kann. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Auslastung der Notbetreuung an den Tierärzten liegen soll."

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