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"Klopapier wird auch diesmal nicht knapp"

Der Leiter eines der größten Werke für Toilettenpapier stellt klar: Es gibt genug für alle. Die meisten Sachsen wollen aber sowieso keine Hamsterkäufe erledigen.

Für alle, die schon wieder von der Rolle sind: Einen Engpass bei Toilettenpapier wird es auch in der zweiten Corona-Welle nicht geben.
Für alle, die schon wieder von der Rolle sind: Einen Engpass bei Toilettenpapier wird es auch in der zweiten Corona-Welle nicht geben. © Dietmar Thomas

Arneburg. Seit einigen Tagen kursieren in Sozialen Medien wieder Bilder leerer Supermarktregale. Die steigenden Corona-Zahlen scheinen einen Kaufreflex für Vorratswaren auszulösen, vor allem bei Toilettenpapier.

"Wieso das jetzt schon wieder passiert, verstehe ich wirklich nicht", sagt Stefan Müller. Und er weiß, wovon er redet. Denn er ist Leiter einer der größten deutschen Produktionsstätten für Toilettenpapier, dem Sofidel-Werk in Arneburg.

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In einer durchschnittlichen Woche verlassen rund 1.700 Tonnen Toilettenpapier, Küchenrollen und Taschentücher den sachsen-anhaltinischen Standort des italienischen Papier-Konzerns. Jetzt sind es fast 2.500 Tonnen. Ganz so viel wie während der Corona-Hochphase Ende März, als wöchentlich 3.000 Tonnen rausgingen, ist es noch nicht. "Aber die Nachfrage unserer Kunden ist entsprechend da." Die Kunden sind die Marken "Softies" und "Regina" sowie die Handelsketten Rewe, Lidl, Rossmann und Müller - also die, die es fast überall gibt.

Wie eine Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes ergab, war der Absatz von Toilettenpapier in der Woche vom 12. bis 17. Oktober 2020 fast doppelt so hoch (plus 89,9 Prozent) wie im Durchschnitt der Vorkrisen-Monate August 2019 bis Januar 2020.

Stefan Müller leitet die Produktion im Sofidel-Papierwerk Arneburg. Wie schon bei der ersten Corona-Welle im Frühjahr spricht er auch jetzt wieder über eine explodierende Nachfrage bei Toilettenpapier und jede Menge Arbeit für seine 360 Kollegen.
Stefan Müller leitet die Produktion im Sofidel-Papierwerk Arneburg. Wie schon bei der ersten Corona-Welle im Frühjahr spricht er auch jetzt wieder über eine explodierende Nachfrage bei Toilettenpapier und jede Menge Arbeit für seine 360 Kollegen. © Sofidel

Natürlich reagiere man jetzt auf die teils fast doppelten Bestellmengen der Händler. Sorgen, dass das Toilettenpapier bei einer weiteren Verschärfung der Corona-Krise nicht ausreichen könne, sollten sich die Menschen aber nicht machen. "Es gibt kein Nachschub-Problem, die Rohstoffe sind nicht knapp, und es wird auch nicht mehr auf Toilette gegangen als sonst", reiht Müller die harten Fakten aneinander und resümiert: "Einen Klopapierengpass gibt es auch diesmal nicht."

Dass es also hier und da schon wieder leere Regale gibt, liegt nicht an der Produktion. Das sei die Folge von Hamsterkäufen, die regional begrenzt und kurzfristig ein Verteilungsproblem nach sich ziehen könnten, so Müller. 

Nur jeder zehnte Sachse hamstert

Die Menschen in Sachsen sollten von diesen Nöten überwiegend verschont bleiben. Jedenfalls legt das das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage nahe, die Sächsische.de zusammen mit den Meinungsforschern von Civey durchgeführt hat.

Gefragt danach, ob die Sachsen wegen der steigenden Corona-Infektionen nun vorhätten, vermehrt Dinge wie Toilettenpapier, Konserven oder Mehl auf Vorrat zu kaufen, sagte eine deutliche Mehrheit "Nein" (84,2 Prozent). Nur etwa jeder Zehnte (10,9 Prozent) will sich mit entsprechenden Waren eindecken. 

Beruhigende Neuigkeiten also. Nur auf eine Sache müsse man eventuell vorübergehend verzichten: besonders dekorative Toilettenpapiere bedruckt mit Mustern oder Figuren. "Diese Sonderproduktionen fahren wir tatsächlich runter", so Müller.

Information zu den Umfragen mit Civey

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In diesem Artikel wurde eine Umfrage ausgewertet, die Sächsische.de in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsunternehmen Civey durchgeführt hat. An der Umfrage zu Vorratskäufen haben 9.346 Menschen teilgenommen, aus 5.044 abgegeben Stimmen wurde eine repräsentative Stichprobe gezogen. Die Stichproben für Sachsen entsprechen jeweils der Grundgesamtheit der Wahlbevölkerung im Land. Detailangaben zu Befragungszeitraum, Stichprobengröße und statistischem Fehler entnehmen Sie den jeweiligen Grafiken. Wie Umfragen mit Civey funktionieren, wird in diesem Artikel (mit Video) erklärt.

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