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Dresdner Hotelier: "Wir erleben ein Desaster"

Der zweite Lockdown wird einige Dresdner Hotels in die Knie zwingen, sagt Johannes Lohmeyer. Der Chef des Tourismusverband blickt dennoch leicht optimistisch auf 2021.

Wann wird der Neumarkt wieder mit Menschen gefüllt sein? Wie viele Hotels wird es dann noch in Dresden geben? 2021 wird ein kritisches und entscheidendes Jahr für den Tourismus in Dresden werden.
Wann wird der Neumarkt wieder mit Menschen gefüllt sein? Wie viele Hotels wird es dann noch in Dresden geben? 2021 wird ein kritisches und entscheidendes Jahr für den Tourismus in Dresden werden. © Robert Michael/dpa

Dresden. Keine andere Stadt in Sachsen zieht so viele Urlauber an wie Dresden. Und keine andere sächsische Stadt verdient so viel Geld mit ihnen.

Mehr als 2,3 Millionen Übernachtungsgäste kamen allein 2019 - viermal mehr Menschen, als Dresden Einwohner zählt. Ein Rekord war das. 2020 hat vieles eingerissen, von dem zum Jahresende unklar ist, ob es je wieder aufgebaut werden kann.

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Zwar lassen die offiziellen November- und Dezember-Zahlen auf sich warten. Da in beiden Monaten aber jegliche Beherbergung von Urlaubern verboten war, kann Johannes Lohmeyer recht gut abschätzen, wie die Dresdner Hoteliers das Jahr abschließen werden.

"Wir rechnen aufs Jahr gesehen mit einem Umsatzverlust von 70 bis 75 Prozent", sagt der Vorsitzende des Tourismusverbandes, der selbst Hotelier ist.

40 Prozent weniger Übernachtungsgäste bis Oktober

Dabei beginnt das touristische Jahr für Dresden sehr erfolgreich. In den sonst eher schwachen Wintermonate Januar und Februar sind die Hotelzimmer außergewöhnlich gut belegt. Dann kommt der erste Corona-Lockdown.

Zwar dürfen ab Mai wieder Gäste beherbergt werden. Doch das Geschäft läuft recht zäh an. Die Reiselust der Deutschen kommt nur langsam in Schwung, Touristen aus dem Ausland fehlen fast ganz.

Es dauert bis zum September, bis die Herbergen einigermaßen das Vorjahresniveau erreichen. Die Infektionszahlen bewegen die Landesregierung aber schon bald dazu, in den zweiten Lockdown zu gehen.

Ende: unbekannt. Erlaubt sind nur noch wichtige Geschäftsreisen. Die Bilanz bis Ende Oktober: minus 40 Prozent Urlauber, minus 35 Prozent Übernachtungen.

"Wir erleben seit März ein absolutes Desaster", so Lohmeyer. Besonders bitter: Im Dezember sind die Häuser normalerweise fast ausgebucht.

Der Striezelmarkt schiebt viele Betreiber mit Schwung in das neue Jahr. Doch weder die Hotels noch der Striezelmarkt durften diesmal öffnen. Lohmeyer schätzt, dass die Auslastung im Dezember mehr als 80 Prozent eingebrochen sein dürfte.

Die Hoteliers seien wie kaum eine andere Branche existenziell bedroht. Bundesweit rechne man damit, dass 30 bis 40 Prozent die Krise nicht überstehen werden.

"In Dresden dürften das tendenziell weniger sein." Was ihn zu dieser Vermutung bewegt? Die rasche Erholung im Sommer lasse Lohmeyer auf die Zeit nach dem zweiten Lockdown hoffen.

Ganz ohne Insolvenzen wird die Stadt aber nicht davonkommen, ist er überzeugt. "Es sind ja auch viele deutsche und internationale Ketten in Schieflage geraten, was auch deren Dresdner Betriebe betrifft."

76 Prozent der Hotels kämpfen ums Überleben

Befürchtungen, die der Landestourismusverband teilt. Laut Umfragen würden aktuell 76 Prozent der Hotels und 62 Prozent der Gaststätten um ihr Überleben kämpfen. Fast alle Hotel-Mitarbeiter beziehen inzwischen Kurzarbeitergeld und müssen auf bis zu 40 Prozent ihres Gehalts verzichten.

Bei den Betrieben würden die Rücklagen dahinschmelzen, was viele dazu zwang, Kredite aufzunehmen. Ein großes Problem sei, dass bisher nur 19 Prozent der in Sachsen beantragten November- und Dezemberhilfen ausgezahlt worden seien, so der Verband weiter.

Sorgenvoll und trotzdem zuversichtlich: Johannes Lohmeyer, Vorstand des Dresdner Tourismusverbandes, hofft auf ein besseres Jahr für seine Branche als 2020.
Sorgenvoll und trotzdem zuversichtlich: Johannes Lohmeyer, Vorstand des Dresdner Tourismusverbandes, hofft auf ein besseres Jahr für seine Branche als 2020. © Sven Ellger

Die Dresden Marketinggesellschaft, die versucht, Urlauber im In- und Ausland nach Dresden zu locken, verspricht für das kommende Jahr Hilfe. "Mein Team und ich haben Projekte und Kampagnen vorbereitet, die je nach Situation 2021 an den Start gebracht werden", sagt Geschäftsführerin Corinne Miseer.

"Ich hoffe und wünsche mir für uns alle, dass unbesorgtes Reisen bald wieder möglich sein wird und die vielen Leistungsträger in Dresden-Elbland mit ihren attraktiven Angeboten wieder ihre Gäste glücklich machen dürfen."

Der Dresdner Tourismusverband bezweifelt, dass das genug sein wird. Ja, die Politik habe die prekäre Lage erkannt und trotz aller Sparzwänge den Marketingetat um 600.000 Euro aufgestockt, sagt Johannes Lohmeyer.

"Dafür sind wir dankbar, aber langfristig wird das nicht reichen." Dresden erhebe bundesweit die höchste Beherbergungssteuer und wäre zugleich unter den Kommunen mit einer solchen Abgabe die einzige, die die Einnahmen nahezu vollständig nicht in den Tourismus investiert. "Das erwarten wir im Sinne eines fairen Miteinanders zwischen Branche und Politik aber dauerhaft."

Hoffnungen liegen auf dem Frühjahr 2021

Reiseexperten erwarten, dass auch 2021 zunächst von Reisewarnungen, Lockdowns und Ängsten geprägt sein wird. Sobald die Hotels wieder öffnen dürfen, werde sich der Inlandstourismus schneller als der Auslandstourismus erholen wird, so Robert Keil, Vorstand des sächsischen Landestourismusverbandes. Bislang sorgten Auslandstouristen immerhin für 20 Prozent der Hotelübernachtungen in Dresden.

"Vor diesem Hintergrund müssen wir heute schon an morgen denken", so Keil. "Wenn sich für den Tourismus hoffentlich im ersten Quartal 2021 wieder Perspektiven eröffnen, steht sicheres Reisen im Mittelpunkt."

Gebraucht würden praktikable Impfverfahren, anerkannte Testroutinen und kluge Lösungen zur Nachverfolgung für den betrieblichen Alltag im Tourismus. "Das Virus wird uns noch lange begleiten."

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