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Corona-Lage in Tschechien spitzt sich wieder zu

Menschen halten sich nicht an die Vorschriften. Gegen die Trickserei in Skigebieten hat die Regierung jetzt neue Maßnahmen beschlossen.

Tschechische Berufspendler, die in Deutschland arbeiten, müssen bei der Einreise nach Bayern alle 48 Stunden und nach Sachsen zweimal die Woche einen frischen Corona-Test vorweisen.
Tschechische Berufspendler, die in Deutschland arbeiten, müssen bei der Einreise nach Bayern alle 48 Stunden und nach Sachsen zweimal die Woche einen frischen Corona-Test vorweisen. © CTK

Von Hans-Jörg Schmidt

Auf den ersten Blick sieht es wie eine Win-win Situation für beide Seiten aus: Ganze Familien fahren im schönsten tschechischen Winter seit 15 Jahren in die Skigebiete und checken als „Dienstreisende“ in Hotels und Herbergen ein. Sie können das Wetter genießen und die Hotelbesitzer machen wieder Geschäfte. In Wahrheit ist aber nur einer aus der Familie tatsächlich zur Übernachtung berechtigter „Dienstreisender“, der große Rest der Familie ist selbsternanntes „Begleitpersonal“. Letzteren Begriff gibt es freilich offiziell nicht.

Ein Beispiel dafür, wie geschickt nicht wenige Tschechen mittlerweile vorgehen, um die Vorschriften bewusst zu negieren. Die Folge: die Zuwächse an positiv Infizierten häufen sich vor allem in Tschechiens Skigebieten. Und das, obwohl die Lifte alle still stehen, die Restaurants Essen und Trinken nur aus Fenstern verkaufen können und von feuchtfröhlichem Après-Ski selbstverständlich schon gar nicht die Rede sein kann.

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Tschechiens Regierung ist diese Trickserei zunehmend leid. Die in den vergangenen zwei Wochen leicht positive Entwicklung bei den Zahlen von Infizierten, Kranken und Toten beginnt sich neuerlich umzukehren. Und die Regierung antwortet darauf erstmals mit einer klaren Drohung: „Sollte sich zeigen, das die Maßnahmen nicht funktionieren, müssen wir dazu kommen, die Bewegungsmöglichkeiten auf die Kreise und Bezirke zu begrenzen“, erläuterte der Chef des Krisenstabes, Innenminister Jan Hamáček, vor der Presse. Doch er musste auch hinzufügen, dass das die schärfste Maßnahmen ist, die in Tschechien derzeit zur Verfügung steht.

Nur noch Dienstreisende in Hotels

Um diesen letzten Pfeil aus dem Köcher nicht vorschnell verschießen zu müssen, hat die Regierung jetzt noch die davor liegenden Stellschrauben angezogen. Ab Samstag dürfen in den Skigebieten tatsächlich nur noch Dienstreisende in Hotels aufgenommen werden, wenn sie eine Bescheinigung ihres Arbeitgebers vorlegen, dass sei sich wirklich auf einer Dienstreise befinden. Leute, die behaupten, im Hotel mehr Ruhe für ihr eigenes Homeoffice zu haben als in den eigenen vier Wänden, sind abzuweisen. Ebenso selbstverständlich auch familiäres „Begleitpersonal“.

Ab Samstag dürfen Leute, die zu Hause in einem gemeinsamen Haushalt leben, auch noch auf ihre Wochenendgrundstücke fahren, müssen dort aber unter sich bleiben. „Am liebsten wäre uns aber, die Leute bleiben gänzlich zuhause“, sagte der Minister.

„Wir dürfen die Lage nicht mehr unterschätzen. Wir befinden uns in der kompliziertesten Situation der letzten Zeit“, so Hamáček. Und in der Tat sind die Kliniken voll. Dort werden stabil mehr als 6.000 Covid-Kranke behandelt. Rund 1.000 von denen mit einem schweren Erkrankungsverlauf. Da sind neuerlich steigende Zahlen Gift. Vor allem, da immer mehr Verdachtsfälle über das Auftreten von Mutationen des Coronavirus offenbar werden. „Die jetzige Lage ist langfristig nicht haltbar“, sagte Gesundheitsminister Jan Blatný. „Eine Verschärfung der Lage würde die Krankenhäuser überfordern, die schon jetzt an der Grenze zum Kollaps sind.“

Bisher keine FFP2-Masken-Pflicht

Ab Samstag gelten auch verschärfte Bestimmungen in den Kliniken selbst. Ab diesem Tag sind Besuche von Kranken, die auf Intensivabteilungen liegen, untersagt. Ausnahmen gibt es, wenn es sich bei den Kranken um Kinder handelt, bei Geburten und um Abschied von Sterbenden zu nehmen.

Zu einer Pflicht zur Nutzung von FFP2-Masken konnte sich die Regierung bislang nicht durchringen, weil es entgegen früheren Schätzungen doch nicht ausreichend gibt. Die Nutzung wird aber empfohlen. Dafür wird die Möglichkeit erweitert, sich auf Kosten der Krankenversicherungen testen zu lassen. Jetzt sind solche Tests alle drei Tage möglich, bislang galt das alle fünf Tage. Man will auf diese Weise auch den Zehntausenden Pendlern das Leben etwas erleichtern, die einer erhöhten Testpflicht auf dem Weg nach Sachsen oder Bayern unterliegen.

Die sich verschärfende Lage bei den Infizierten verkompliziert auch die Situation um den Schulbetrieb. Realen Unterricht haben derzeit nur die beiden jüngsten Klassenstufen. Auch die Kindergärten sind offen. Problematisch wird es für die Abiturienten. Teile ihrer Prüfungen könnten sich bis in den Sommer hineinziehen. Das würde womöglich vielen Menschen die Urlaubsreise unmöglich machen.

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Doch an Urlaub denkt derweil eh keiner, auch weil es bei den Impfungen - der großen Hoffnung - stockt und keine schnelle Besserung absehbar ist. Die ausgegebenen Termine der über 80-Jährigen können wohl nicht gehalten werden.

Und die Reisen auf die Landhäuser sind zumindest an diesem Wochenende auch in Gefahr. Ausnahmsweise nicht wegen der Pandemie. Sondern wegen der Wetterkapriolen: Für Samstag haben die Meteorologen Eiswarnung für ganz Tschechien ausgegeben.

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