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Nur eine kleine Diskriminierung

Ein Deutscher und zwei Tschechen - die wegen der Arbeit zwischen Zittau und der Region Liberec pendeln - sagen, wie sie mit der neuen Testpflicht klarkommen.

Robert Prade (mit seiner Tochter Ellen) hat es als Grenzpendler zwischen Tschechien und Deutschland gerade sehr schwer.
Robert Prade (mit seiner Tochter Ellen) hat es als Grenzpendler zwischen Tschechien und Deutschland gerade sehr schwer. © privat

Mal in Hrádek nad Nisou (Grottau), mal in Cvikov (Zwickau) und auch in Liberec (Reichenberg): Jede neue Arbeitswoche wird für Robert Prade bei einer anderen Corona-Teststelle beginnen. Prade ist einer von rund 19.000 Pendlern, die täglich über die Grenze zwischen Sachsen und Tschechien und sich nun ein Mal pro Woche testen lassen müssen. Er lebt in Zittau, arbeitet aber als Chef des Zentrums für Obdachlose in der Bezirksstadt Liberec. „Ich habe die Termine mehrere Wochen vorausbestellt, dabei musste ich akzeptieren, wo noch gerade ein freier Platz war“, erklärt er.

Die neue Regelung besagt, dass sich jeder Arbeitspendler, der täglich zwischen Sachsen und einem Risikogebiet über die Grenze fährt, ab dem 18. Januar einmal wöchentlich auf das Coronavirus testen lassen muss. Was für Unmut bei den Firmen dies- und jenseits der Grenze sorgt. Wie das sächsische Sozialministerium mitteilte, ist dafür ein Antigen-Schnelltest ausreichend, an dem sich das Land Sachsen mit zehn Euro beteiligt. Ziel ist, Infektionsketten schneller erkennen und stoppen.

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Prade und auch weitere Pendler, die er kennt, sind mit der neuen Testpflicht einverstanden und verstehen es nur als "kleine Diskriminierung". „Wir sind dankbar für den Kompromiss, dass nur ein Test in der Woche und die Antigen-Tests genügen“, sagt er der SZ. Die Schnelltests werden in Region Liberec an zwölf Orten durchgeführt und sind nun kostenlos. Für Pendler, die die tschechische Krankenversicherung haben, bedeuten sie keine weitere Belastung, außer dem Zeitverlust.

Zum ersten Mal aufgrund der neuen Regelung hat sich heute auch Jiří Zahradnik testen lassen. Der Tscheche arbeitet bei der Industrie- und Handelskammer in Zittau. Er nutzt für die Tests eine Firma in Zittau. Die Kosten übernimmt sein Arbeitgeber. „Wenn es geht, bemühe ich mich täglich hin- und herzupendeln“, sagt er. Ein größeres Problem sei die Tatsache, dass die Landesdirektion Sachsen die tschechische Quarantäne nicht akzeptiert. „Die betroffenen Pendler müssen sich Urlaub oder unbezahltes Frei nehmen“, ergänzt Zahradnik. Seinen Angaben zufolge kommt zurzeit aber nur ein Zehntel der sonst in Ostsachsen beschäftigten Tschechen nach Deutschland, um zu arbeiten. „Viele sind in der Gastronomie oder im Dienstleistungsbereich tätig, die jetzt nicht gebraucht werden“, sagt er.

Im Home-Office dagegen arbeitet Martin Besta, der bei der Zittauer Stadtentwicklungsgesellschaft seit fast vier Jahren beschäftigt ist. „Bei wichtigen Terminen muss ich schon kommen", sagt er. "Meistens lässt sich das aber auf einen Tag pro Woche legen." Er hofft nun auf Schnelltests und hofft, dass die SMS-Nachricht über das Resultat an der Grenze anerkannt wird.

In Tschechien selber liegt der Corona-Index bei der vierten von fünf Warnstufen. Fast alle Parameter verbesserten sich am Sonntag, nur die Reproduktionszahl stieg leicht auf 0,71 an. Dies geht aus den Zahlen des Gesundheitsministeriums hervor.

Die Zahl der Neuinfizierten mit dem Coronavirus lag am Sonntag in der Region Liberec so niedrig wie noch nie in diesem Jahr. Insgesamt 159 Fälle wurden gemeldet. Das bedeutete einen Rückgang von rund der Hälfte gegenüber dem vorvergangenen Sonntag. Allerdings starben in der Region weitere 42 Menschen im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion, insgesamt schon 558. Heute beginnen die Krankenhäuser in Tschechien mit der Impfung der Senioren, die über 80 Jahre alt sind.

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