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Müssen tschechische Ärzte zu Corona-Test?

Das Klinikum Oberlausitzer Bergland und viele Praxen haben Mitarbeiter aus dem Nachbarland. Sie dürfen trotz Reisewarnung pendeln - ein Risiko?

An den Standorten des Klinikums Oberlausitzer Bergland in Zittau und Ebersbach arbeiten viele Tschechen.
An den Standorten des Klinikums Oberlausitzer Bergland in Zittau und Ebersbach arbeiten viele Tschechen. © Matthias Weber

Seit Deutschland Tschechien zum Risikogebiet erklärt hat, schaut Steffen Thiele, Geschäftsführer des Klinikums Oberlausitzer Bergland, ganz genau auf die Entwicklungen im Nachbarland. Zwar muss Thiele aktuell nicht fürchten, dass seine tschechischen Mitarbeiter plötzlich nicht mehr zur Arbeit kommen können, wie es im Frühjahr bei den Grenzschließungen der Fall war. Doch stellt sich für das Krankenhaus, in dem rund die Hälfte der Ärzte und zudem eine erhebliche Zahl an Pflegern und Servicekräften aus Tschechien arbeiten, durchaus die Frage, ob Vorsichtsmaßnahmen zu treffen sind, wenn das Infektionsrisiko dort, wo viele eigene Mitarbeiter wohnen, deutlich ansteigt.

Wie also reagiert das Klinikum? "Wir werden uns diese Woche noch zum weiteren Vorgehen abstimmen, momentan beobachten wir die Entwicklungen noch", sagt Thiele auf SZ-Nachfrage. Man berate sich dazu auch mit dem Gesundheitsamt des Landkreises und anderen Kliniken, betont er. Eine Möglichkeit wäre, die Mitarbeiter, die aus dem Risikogebiet zur Arbeit pendeln, regelmäßig auf das Virus zu testen. Aber wer dann genau wie oft getestet werden würde und ob man ein solches Vorgehen verpflichtend machen kann, das müsste man noch klären, bestätigt Thiele. "Prinzipiell kann ein Arbeitgeber das vorschreiben, aber da sind im Vorfeld Gespräche mit Betriebsrat und den Beteiligten beziehungsweise den Arbeitnehmervertretern nötig, um entsprechende Festlegungen zu treffen", betont der Geschäftsführer.

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Einheitliche Gestaltung gewünscht

Generell würde Thiele ungern zwischen verschiedenen Herkunftsregionen der tschechischen Mitarbeiter unterscheiden - auch wenn das Infektionsgeschehen in Liberec ein anderes ist als in Hradek - sondern es generell für die Gruppe der im Ausland wohnhaften Mitarbeiter einheitlich gestalten. Thiele rechnet auch durchaus mit Verständnis für die Maßnahme, denn die Kollegen aus den Nachbarländern erinnern sich genauso ungern wie die Geschäftsleitung an die Wochen der Grenzschließung, wo den Berufspendlern lange Quarantäne-Pflichten im Heimatland drohten. "Wir hatten damals bereits alles vorbereitet - Wohnungen für polnische und auch tschechische Ärzte organisiert", erinnert sich Thiele. Am Ende waren sie dann doch nicht nötig, weil es auf politischer Ebene eine Einigung gab.

Sollten die Infektionszahlen jenseits der Grenze weiterhin deutlich ansteigen, könnte das Klinikum auch diese Möglichkeit - der vorübergehenden Wohnungen in Deutschland - in Erwägung ziehen, um Risiken zu minimieren. Derzeit gebe es aber noch keine Veranlassung zu solchen Schritten, die Mitarbeiter sind zu besonderer Vorsicht angehalten. Mit Krankheissymptomen dürfe ohnehin niemand zum Dienst erscheinen, betont Thiele die generelle Regel. Da aber nicht alle Infizierten auch Symptome entwickeln, ist das eben kein absoluter Schutz.

Entspannte Stimmung

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Bei den tschechischen Ärzten selbst, ist die Stimmung momentan noch entspannt. Immerhin arbeitet auch in vielen Praxen hierzulande medizinisches Personal aus Tschechien: So erklärte die Fachärztin für Innere Medizin, Dr. Katarina Varga, jüngst gegenüber der SZ, sie sieht mit den neuen Regelungen nicht den Betrieb ihres Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) gefährdet. In ihrer Praxis beschäftigt sie unter anderem auch tschechische Ärzte. Eva Martinkova, die in der Praxis des Oderwitzer Allgemeinmediziners Dr. Gottfried Hanzl arbeitete und auch im Zusammenhang mit dem deutsch-tschechischen Hausärztetag den Kontakt zu vielen Kollegen hält, bestätigt ebenfalls, dass sich ihre Kollegen momentan noch keine großen Sorgen um die Situation machen. Das sei zu Zeiten der Grenzschließungen ganz anders gewesen.

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